Hausen Alle Hände wollen streicheln

Hausen / Matthias Badura 10.11.2018
Begegnungsnachmittag bei den Pfotenengeln im Hausener Engelswies. Die Senioren sind von den Hunden begeistert und genießen die Atmosphäre.

Einer der letzten sonnigen Tage in diesem Herbst. Im Hof im Hausener Engelswies 5 steht eine Kaffeetafel, um sie herum sitzen junge und ältere Menschen, einige mit Rollator oder Gehstock an ihrer Seite. Dazwischen schwänzeln freudig hechelnd mehrere Hunde. Alle Hände strecken sich nach ihnen aus, um sie zu streicheln. Die Vierbeiner lassen sich das gerne gefallen. Und am allerliebsten direkt am Tisch, vielleicht fällt ja was vom Kuchen da oben ab?

Das Hausener Anwesen, das vom Verein Pfotenengel Zollern­alb genutzt wird, wirkt auf den ersten Blick gar nicht wie ein Tierasyl. Was womöglich daran liegt, dass es keines ist.

Wie Sandra Topler, Vorsitzende des Vereins, bereits vor einiger Zeit in einem Gespräch mit der HZ darlegte, ist – entgegen der Bedenken von Anwohnern – nicht vorgesehen, Tiere dauerhaft in dem Haus unterzubringen. Das Anwesen soll in erster Linie für Begegnungsnachmittage da sein: Die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins treffen sich hier mit ihren Tieren und mit älteren Menschen. Die Hundebesitzer haben Gelegenheit, sich auszutauschen, die Senioren dürfen sich an den Vierbeinern freuen. Und das tun sie auch, wie man an diesem Nachmittag sehen kann.

 Nur in Ausnahmefällen sollen im Engelswies Vierbeiner über einen längeren Zeitraum untergebracht werden. Dann nämlich, wenn der Verein für einen oder mehrere plötzlich herrenlos gewordene Hunde kurzfristig keine Betreuer findet. In diesem Übergangsfall aber, fügt die Vorsitzende hinzu, werde einer ihrer Ehrenamtlichen bei den Tieren im Haus wohnen und sich um sie kümmern.

Wenn das Anwesen schon von außen nicht wie ein Tierheim wirkt, so im Inneren erst recht nicht. Das Haus, das Sandra Topler im Frühjahr erworben hat, befindet sich in einem erstklassigen Zustand, Bad, Küche, Zimmer - alles ist gepflegt. Hier könnte eine mehrköpfige Familie auf der Stelle einziehen. Bei weitem keine Bruchbude, in die man verwahrloste Köter pfercht und sie dann sich selbst überlässt.

Wären da noch die Schafe, eine Handvoll, die während der Sommermonate auf der rund 3000 Quadratmeter großen Fläche hinter dem Haus grasen. Die Wollproduzenten darf Sandra Topler ebenso halten, wie man ihr nicht verwehren kann, das Gelände deswegen mit einem Weidezaun zu umhegen – sie ist als „privilegierte Landwirtin“ beim Landwirtschaftsamt eingetragen. Dass auch diese Vierbeiner gut versorgt sind, wurde ihr durch das Veterinäramt bestätigt.

Derweil verabschieden sich die Besucher, die älteren Menschen wollen gar nicht von den Hunden lassen. Aber irgendwann wird es doch Zeit. Nach dem Herbst-Treffen ist ein weiteres im Advent geplant. Das genaue Datum steht noch nicht fest. Bis dahin will die Vorsitzende Kontakt mit den umliegenden Altenheimen aufnehmen, um die Möglichkeit der Hunde-Senioren-Treffen anzubieten. Wer sich sonst für das Projekt interessiert, kann sich auch mit Sandra Topler persönlich in Verbindung setzen und einen Besuchstermin im Engelswies vereinbaren. Wer sich stärker engagieren möchte, kann das auch mittels einer Patenschaft oder über Spenden tun. Oder gar selbst einen der herrenlos gewordenen Hunde, derer sich der Verein annimmt, bei sich ein neues Zuhause geben. Weitere Infos dazu findet man unter www.pfotenengel-zollernalb.de.

Ältere Tiere für ältere Menschen

Vereinszweck Die Pfotenengel Zollernalb mit ihren mehr als 20 ehrenamtlichen Helfern kümmern sich vornehmlich um plötzlich herrenlos gewordene Tiere älterer Menschen, aber auch um andere. Umgekehrt vermitteln sie Vierbeiner an Senioren. Die haben dann die Möglichkeit, sie entweder nur für ein paar Stunden zu betreuen (Spazierengehen) oder sie ganz zu sich zu nehmen. Dabei garantiert der Verein, dass er sich dieser Tiere annimmt, wenn der Besitzer durch Krankheit oder Tod nicht mehr selber in der Lage sein sollte, sie zu versorgen. Daneben finden die Begegnungsnachmittage in Hausen statt. Hier können pflegebedürftige oder gehbehinderte Menschen Tiere um sich haben. Bisher haben sie noch eher privaten Charakter, sollen aber zur festen Institution werden. Mehr Infos unter www.pfotenengel-zollernalb.de

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