Es ist das erstaunlichste „Altersheim“, das man sich denken kann. Vier Ärzte und ihre Mitarbeiter praktizieren dort, die ebenfalls darin befindliche Apotheke floriert genauso wie ein Sanitätsgeschäft, ein Hörgerätestudio, eine Physiotherapie, eine Tagespflege und eine Kindertagesbetreuung. Und täglich wächst der Kunden- und Besucherstamm.

Altersheim? Es gab ernstzunehmende Burladinger Bürger, die munkelten im Vorfeld, Kaspar Pfister, Geschäftsführer der Benevit, wolle auf dem Rathausplatz gar kein Ärzte- und Versorgungszentrum bauen, sondern plane in Wirklichkeit ein weiteres Senioren neben dem Haus Fehlatal, das er bereits in Burladingen unterhält.

Die Einrichtung eröffnete am gestrigen Donnerstag vor exakt 100 Tagen. Letzte Zweifel am Zweck und der Bestimmung dürften beseitigt sein. Auch von außen ist zu erkennen – es geht etwas, in diesem Gebäude, es ist ein hochmodernes medizinisches Versorgungszentrum für den ländlichen Burladinger Raum.

Kaspar Pfister selbst zog am Donnerstag in einer Pressekonferenz eine fast euphorische Bilanz über diese ersten 100 Tage. Nun könnte der Benevit-Chef freilich viel erzählen, aber der Augenschein bestätigt seine Worte. Und sowohl die Ärzte  wie auch die anderen Mieter stimmten in den Tenor mit ein.

Man sei glücklich über den barrierefreien Standort mit seinen hellen lichten Räumen, mit den farbenfrohen, breiten Gängen und dem Aufzug, der die Besucher mühelos von einem Stock zum anderen trägt, sagten sie. Die Patienten- und Kundenzahl steige, die Rückmeldungen, derer, die in dem Haus verkehren, seien positiv und es würden Anfragen von Patienten eingehen, die aus den Karteien von Ärzten umliegender Städte hierher wechseln wollen.

Für Verärgerung sorgt allein die Parkplatzsituation. Der Marktplatz ist weiterhin erst im Werden und so fehlen 40 Autostellplätze, die vorgesehen sind und die man dringend benötigt. In der oberhalb liegenden Bahnhofsstraße mit ihren wenigen Stellmöglichkeiten geht es daher dieser Tage leicht chaotisch zu. Viele, die ins Ärztehaus wollen, aber keine Nische für ihr Gefährt finden, stellen es notgedrungen beim Friedhof ab und müssen einen Fußweg in Kauf nehmen.

Aber nach einem ersten Schimpfen darüber überwiege bei den Besuchern schnell die Begeisterung, erzählte etwa Physiotherapeutin Saskia Streicher. Auch Kaspar Pfister, der mit der Stadtverwaltung harte Kämpfe wegen der Bauverzögerung ausgetragen hat, sieht es zwischenzeitlich gelassen. Das Schlimmste sei überstanden, die Arbeiten auf dem Marktplatz würden voranschreiten und mit jedem Tag verbessere sich die Situation ein kleines bisschen mehr.

Eine Praxis im Haus ist derzeit noch frei. Pfister will den Leerstand jetzt verstärkt bewerben und geht davon aus, dass ihn die Stadtverwaltung dabei unterstützt. Spätestens dann – das sagte er nicht wörtlich, meinte es aber wohl – wenn an der Rathausspitze mit dem erwarteten Abgang von Bürgermeister Harry Ebert ein Wechsel stattfindet. „Das Ärztezentrum ist ja schließlich ein Gemeinschaftsprojekt der Benevit und der Stadt, die jahrelang um dieses Ärztehaus gerungen hat“, erinnerte er.

Weiter sagte er: „Ich bin es satt, schlechte Nachrichten über Burladingen bundesweit in den Schlagzeilen zu lesen. Über den Bürgermeister und seine Politik, die Abwanderung junger Menschen, über die fehlende ärztliche Versorgung. Unsere Region ist lebenswert. Dazu gehören ganz besonders eine verlässliche Infrastruktur und eine gute medizinische Versorgung für Alt und Jung.“

Eine ArtzpPraxis wäre noch zu haben


Eröffnung Am Donnerstag nahm auch das Hörgerätestudio im Burladinger Ärztehaus seinen Betrieb auf. Nun stünde  noch eine Arzpraxis zur Miete frei, ansonsten ist das Haus voll belegt.