Obwohl es sich um den gleichen Absender handelte, erhielt ein Starzelner die beiden Gebührenbescheide am Montag in separaten Kuverts. Beide Male waren sie mit 70 Cent frankiert und der Inhalt, die Briefe, auf denselben Tag datiert. Der HZ-Leser wunderte sich, warum die Stadt Burladingen die beiden Dokumente, wenn sie schon zeitgleich ankamen, nicht auch gemeinsam verschickte. Schließlich könnte man doch Papier, Geld und Transport (und damit verbunden die Umwelt) schonen, befand der Starzelner. Die HZ machte sich daher auf die Suche nach Antworten und fand sie auch.

„Zufällig war in diesem Jahr das Datum der Rechnung identisch“, erzählt Silke Nadler, Leiterin des Steueramts der Stadt Burladingen. „Die Abrechnungen wurden jedoch an unterschiedlichen Tagen im Rechenzentrum gedruckt und automatisch kuvertiert“, sagt sie. Wie die Leiterin des Steueramts erklärt, handelt es sich um organisatorische und rechtliche Gründe, weshalb das Verschicken beider Bescheide auf einmal nicht möglich ist. Dies umfasste 10 800 Briefe: 5000 Sendungen für das Wasser und Abwasser; 5800 für die Grundsteuer.

So werden die Abrechnungen mittels unterschiedlicher Veranlagungsverfahren versendet, so Silke Nadler. Der Rechnungslauf für die Grundsteuerbescheide wird dann zu dem Termin, den das Rechenzentrum Reutlingen festlegt, gedruckt und automatisch frankiert. Die Jahresrechnung für Wasser und Abwasser sei hingegen erst dann im Rechenzentrum gedruckt worden, so die Steueramtsleiterin, als die Stadt Burladingen den Rechnungslauf nach dem Zugang der Ablesungen und Beendigung der Zählerstandserfassung beantragt.

„Grundsätzlich nicht möglich“

„Egal, ob das Datum identisch ist oder nicht, es war und ist grundsätzlich organisatorisch nicht möglich, beide Veranlagungsverfahren in einem Kuvert zu verschicken“, hebt Silke Nadler hervor. Dies scheitere schon allein daran, unterstreicht sie, dass auf Grundsteuerbescheiden oftmals nicht nur ein Objekt zur Veranlagung kommt oder nur landwirtschaftliche Flächen beschieden werden. „Die Bescheide können nicht 1:1 einander zugeordnet werden“, so die Steueramtsleiterin.

„Hinzu kommen noch rechtliche Gründe“, bemerkt Silke Nadler. Denn: Werden mehrere Schriftstücke mit verschiedenen Inhalten in einem Briefumschlag zugestellt, dann muss sich aus der Geschäftsnummer, die auf dem Kuvert angebracht ist, ergeben, welchen Inhalt die Sendung hat. Nur auf diese Weise kann der Adressat, der mehrere Schriftstücke erhalten hat, deren Vollständigkeit prüfen. Und dies sei aus technischen Gründen nicht möglich, da die Buchungszeichen der beiden Veranlagungsverfahren nicht einander zugeordnet werden können.

Silke Nadler betont: „Mir ist keine Gemeinde bekannt, die unterschiedliche Veranlagungsverfahren in einem Kuvert verschickt.“

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-tausend Briefe wurden durch das Rechenzentrum frankiert. Bei der Jahresrechnung Wasser/Abwasser waren es rund 5000 Sendungen, bei der Grundsteuer zirka 5800 Sendungen.