Gauselfingen / Eugen Leibold  Uhr
Der vormalige Gauselfinger Textilunternehmer Ferdinand Kanz feiert an diesem Montag Geburtstag. Täglich liest er Zeitung und geht keiner Diskussion aus dem Weg.

Am heutigen Montag feiert der Gauselfinger Ferdinand Kanz seinen 100. Geburtstag.

Der Jubilar wurde am 5. August 1919 als viertes von sechs Kindern der Eheleute Ferdinand und Karoline Kanz in Gauselfingen geboren. Dort wuchs er wohlbehütet zusammen mit seinen Geschwistern in der elterlichen Gastwirtschaft „Sonne“ auf.

Das Glück war auf seiner Seite

Nach dem Besuch der Volksschule in Gauselfingen erlernte Ferdinand Kanz 1933 in der Burladinger Textilfirma Johann Sauter den Beruf des Kaufmanns. Er blieb bis zu seiner Einberufung zum Arbeitsdienst in dem Unternehmen. Anschließend arbeitete er am Westwall. Als er nach dem Dienstjahr zur Wehrmacht eingezogen wurde, setzte man ihn vorwiegend im Bereich der Nachschubverwaltung in Paris ein. Das war sicher ein Grund, dass er den Krieg unbeschadet überstand und 1945 in die Heimat zurückkehren konnte. Ja, er habe viel Glück gehabt in seinem Leben, meint der Jubilar rückblickend und dankbar.

Wieder arbeitete er bei der Firma Johann Sauter, war dort Leitender Angestellter, bis er sich 1956 entschloss, selbstständig zu werden und in Gauselfingen eine eigene Textilfirma zu gründen, die sich vorwiegend auf Babybekleidung spezialisierte.

Bis zu 150 Angestellte

Zeitweise arbeiteten bis zu 150 Mitarbeiter in dem Betrieb. Und wie man in Gauselfingen sagt, sei es ein angenehmes Arbeiten und Ferdinand Kanz ein ebenso verantwortungs- wie verständnisvoller Chef gewesen. Daneben engagierte er sich auch im Vereinsleben, ist Mitglied nahezu aller Verbände im Dorf.

Sein Unternehmen betrieb Ferdinand Kanz bis 1983, dann verkaufte er es und trat in den Ruhestand. Aus heutiger Sicht betrachtet, war es der richtige Zeitpunkt, die Blüte der Textilindustrie hatte ihren Höhepunkt erreicht, die Branche ging schweren Jahren entgegen.

Geheiratet hat Ferdinand Kanz 1948 Frieda, geborene Eisele. Der Ehe entsprossen zwei Söhne, Lothar und Hans-Peter, der eine schlug die Arztlaufbahn ein, der andere wurde Textilmechaniker. Frieda Kanz verstarb im Jahr 2015, nach 67 Ehejahren.

Mit ihr hatte der Jubilar zahlreiche Reisen unternommen, man habe, erzählte er der HZ, ganz Europa gesehen, war einmal sogar am Amazonas in Südamerika. Natürlich war der Tod ein herber Verlust für den Ehemann.

Der Jubilar ist weiterhin rüstig, liest täglich die Lokalzeitung und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Bei bester geistiger Fitness diskutiert er auch immer noch leidenschaftlich gern über das tägliche politische und gesellschaftliche Geschehen.

Gut versorgt und nicht allein

Seit dem Tod seiner Frau lebt er allein in seinem Eigenheim Im Eschle 9. Er ist gut versorgt, die Arbeiten, die er nicht selber machen kann, Einkaufen, Waschen, Kochen, erledigt eine Haushaltskraft für ihn.

Einsam fühlt sich der 100-Jährige nicht, oft schauen Bekannte bei ihm vorbei, Höhepunkte des täglichen Lebens sind für ihn jedoch dann, wenn er Besuch von seinen Söhnen, zumal aber von seinen vier Enkeln erhält.

Heute wird gefeiert, allerdings im kleinen Familienkreis, daheim Im Eschle 9. Zu seinem hohen Festtag gratuliert auch die HZ ganz herzlich.