Was füllte da die nur noch selten geöffnete Melchinger Traditionsgaststätte "Ochsen" am Mittwoch bis auf den allerletzten Platz? War es eine Festgesellschaft, eine Bürgerversammlung, ein Verkaufsabend bei dem man Luxuskreuzfahrten gewinnen konnte? Nein, "bloß" ein Mundartstammtisch, zu dem Adelbert Barth, freier Mitarbeiter der HZ, und Berthold Biesinger, Lindenhof-Urgestein, geladen hatten.

Besucher waren nicht nur aus Melchingen gekommen, auch Ringinger, Burladinger, Junginger und sogar Rottenburger saßen eng gedrängt beisammen. Den Auftakt machten der Liedermacher Pius Jauch aus Bösingen und Berthold Biesinger. Der eine mit schwäbischen Songs, der andere mit Dorfgeschichten. Dann war die Bühne - genauer: der Platz am Kachelofen - frei für jedermann. Mit Beiträgen dreier Gäste hatte Adelbert Barth gerechnet, es wurden aber viel mehr, die etwas zum Besten gaben, die erzählten, sangen, schwadronierten, teils ulkten, teils das Publikum melancholisch stimmten.

Beifall, Zustimmung oder herzliches Gelächter erarbeiteten sich der Melchinger "Dreixang" (Uli Barth, Erwin Ott und Paul Bausch); der Mundartpoet Werner Gaus aus Haigerloch; Liedermacher Anton Rauscher aus Reutlingen; Jimmy Maas, ebenfalls Songwriter und aus Melchingen; Peter Barth aus Jungingen mit seinem Akkordeon; der Burladinger Nachtwächter Willi Gastel mit grob-heiteren Scherzen, in denen er auch die Ehre der Kernstadt verteidigte; Jo Schmieg aus Bisingen mit seinem brüllend komischen Epos über Moses und die Zwiebeln sowie Gastgeber Adelbert Barth, dessen Reime Lena Barth auf ihrer Gitarre begleitete. Ein Bombenerfolg. Für Barth, für Biesinger, für ihren überlokalen Verein "schwäbische mund.art". Vor allem aber für das Schwäbische.

Info Ein nächster Mundart-Stammtisch findet am 20. April in Stetten/Haigerloch im "Querbau" statt. Eine Melchinger Neuauflage ist für Herbst geplant.