Weinbau Zwischen 20 und 25 Wengerter riskieren den Umbruch

Lauffen/Besigheim / Michael Soltys 01.12.2018

Wie mühsam es ist, Weinberge in Steillagen zu bewirtschaften und wie sehr Weingüter und Genossenschaften befürchten, dass dies auf Sicht nicht mehr wirtschaftlich ist und die Steillagen aufgegeben werden – das hatte in dieser Woche erneut der „Winzerdialog“ in Gemmrigheim gezeigt (die BZ berichtete). Die Arbeit ist hart, die Arbeitszeit lang, der Ertrag gering, unter anderem, weil sich für den Trollinger, der die Lagen beherrscht, kein guter Preis erzielen lässt. Ein Ausweg: der Anbau hochwertiger Sorten, die Weine mit einem internationalen Geschmacksbild ermöglichen, für die Verbraucher deutlich mehr zahlen.

Hohe Förderung in Aussicht

Darum kümmern sich Genossenschaften und private Erzeuger,  die sich zu einer Steillagen-Initiative zusammengeschlossen haben. Beim Land haben sie einen aussichtsreichen Antrag auf eine Förderung gestellt, um praktische und wissenschaftliche Unterstützung von der Weinbauschule in Weinsberg und der Uni in Geisenheim zu bekommen.  Mit 500 000 Euro soll bis Ende 2022 die Erprobung und Erforschung von Anbaumethoden und Marketing vorangetrieben werden.

Doch wer macht dabei mit? Denn schließlich sind es die Wengerter, die ihre Grundstücke roden müssen, um darauf Sorten wie Carménère, Nero d’Avola, Montepulciano d’Abruzzo oder Sauvignac anzubauen, mit denen es in der Region keinerlei Erfahrung gibt. Zwischen 20 und 25 Wengerter, eventuell mit einer durchschnittlichen Fläche von fünf Ar, könnten sich das vorstellen, berichten Dietrich Rembold von den Lauffener Weingärtnern und Götz Reustle von der Felsengartenkellerei in Hessigheim. Das ist das Ergebnis einer Informationsveranstaltung in den Räumen der Genossenschaft in Lauffen. Möglicherweise ist es auch gar nicht notwendig, zu roden. Stattdessen können alte Trollinger-Reben mit Propf-Reisen veredelt werden, sagte Rembold. Seine Genossenschaft werde ihre Wengerter organisatorisch und finanziell unterstützen.

Um den Ausbau der Trauben werde sich die Weinsberger Versuchsanstalt kümmern. Rembold hofft, dass sich die Beteiligten auf wenige Sorten konzentrieren. Sicher sei, dass die Zeit drängt, einmal um den Anforderungen des Förder-Antrags gerecht zu werden, aber auch weil die Wirtschaftlichkeit der Steillagen auf dem Spiel stehe. Nicht jedes Haus sollte seine eigene Schiene fahren. „Wir wollen einen Ruck erzeugen“, so Rembold.

Geschmack und Wertigkeit

Am Ende des Versuchs sollten zwei Fragen beantwortet sein, machte Götz Reustle deutlich: Welche Sorten vertragen die Bedingungen in den Steillagen und lassen sich zu Weinen verarbeiten, die für „15 Euro aufwärts“ verkauft werden können? Und welche Anforderungen stellt der Markt an Geschmack, Flaschenausstattung und emotionale Wertigkeit? Damit befasse sich die Uni in Geisenheim in Form von Marktstudien. Bis dies entschieden ist, werden die Wengerter allerdings auch schon Cuvées mit neuen Sorten ausprobieren, über die sie schon verfügen können. Eine tragende Rolle könnte dabei auch die traditionelle Sorte Lemberger spielen.

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