Bönnigheim Zwei Torbögen erinnern an die „Krone“

Michael Soltys 16.08.2018

Die „Krone“ war einst das größte der zahlreichen Gasthäuser im historischen Bönnigheim. In den Güterbüchern der Stadt, eine Art Grundbuch früherer Jahrhunderte, lässt sich ihre Geschichte bis zum Jahr 1577 verfolgen, als ein gewisser Lorentz Linkh die Herberge mit Scheune und Hof erwarb. Schon Mitte des 17. Jahrhunderts wird das Haus anlässlich verschiedener Besitzerwechsel „zu der Cronnen“ oder auch „Cronen Herberg“ genannt, nur wenig später ist vom Besitzer regelmäßig als vom „Cronenwirth“ die Rede.

Die Krone selbst existiert heute nicht mehr. Sie fiel den Kriegshandlungen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer, als am 7. April 1945 zuerst französische Truppen und nach deren Vormarsch auch deutsche Truppen die Innenstadt unter Beschuss nahmen. Mit ihr wurden damals erhebliche Teile des alten Stadtkerns und auch das historische Rathaus von Bönnigheim zerstört.

Nur noch die Grundmauern

Nur ein paar Grundmauern blieben übrig. Eine Aufnahme aus dieser Zeit zeigt die Torbögen der „Kronenscheuer“, die seit Jahrhunderten zu dem großen Anwesen gehörte, wie die von Stadtarchivarin Helga Engster-Möck ausgewerteten Güterbücher belegen. Die Torbögen sind heute Bestandteil des Hauses in der Schlossergasse 10 in Bönnigheim, erläutert Kurt Sartorius, der Vorsitzende der Historischen Gesellschaft. Zerstört wurde damals ein zusammenhängender Gebäudekomplex mit zwei landwirtschaftlichen Anwesen und die „Krone“ selbst mit den Geschäftsräumen eines „Konsum“, der Volksbank und weiteren Wohneinheiten.

Der Verkauf an einen besonders prominenten Einwohner der Stadt zum Preis von 10 000 Gulden etwa im Jahr 1856/1857 verrät, wie groß das Anwesen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war. Als Käufer ist in den Grundbüchern der Reutlinger Gustav Werner erwähnt, der Begründer der Wernerschen Anstalten. Um der Not der damaligen Zeit zu begegnen, gründete Werner in Württemberg mehrere „Rettungsanstalten“, in denen er vor allem jungen Menschen eine Arbeit verschaffte und sie damit von der Straße holte.

Nach und nach gingen die Gastwirtschaft, mehrere Anbauten, ein Küchengarten, die Scheune und der Keller in Werners Besitz über, wie die Güterbücher zeigen. Vorbesitzer Phillip Jacob Meurer, ein Weinhändler, war in Konkurs geraten. Von ihm übernahm Werner das Recht, zu jeder Zeit Wein in den Keller zu tragen und in der Kronenscheuer einschlagen zu lassen, mithin zu lagern. Werner richtete zunächst eine Strickerei und eine Strickschule in der Gaststätte ein, in der er vor allem Schulmädchen beschäftigte, wie ein Beitrag in den Ganerbenblättern der Historischen Gesellschaft 1984/85 darlegt. Schließlich erweiterte er die Kronenscheune, um dort eine Weberei einzurichten. Die „recht verwahrlosten Jugendlichen“, wie es damals hieß, erhielten dort eine Weberlehre. Hauben und Kittel wurden verkauft.

Wirtschaftliche Probleme

Im Jahr 1864 arbeiteten 55 Männer und Frauen in der Anstalt, die jedoch mehr und mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und in einen Aktienverein umgewandelt wurde. Ein Jahr später waren nur noch wenige Webstühle in Betrieb. Im Jahr 1866/67 wurde die Weberei nach Reutlingen verlegt, und der Aktienverein verkaufte das Anwesen an Christoph Friedrich Bausch, den Sonnenwirt. Bausch hatte schon ein paar Jahre vorher einen „Schopf“ in unmittelbarer Nachbarschaft erworben. Damals wie heute wurden nachbarschaftliche Ansprüche schriftlich festgelegt. Bausch wurde verboten, seinen Schopf aufzustocken, „damit dem angrenzenden Fabrikgebäude der Weberei zum Bruderhaus das Licht nicht entzogen wird“, wie Helga Engster-Möck in den Güterbüchern herausgefunden hat.

Neben den Resten der Kronenscheune hat sich bis heute auch der Keller erhalten. Er spielte in den letzten Kriegstagen eine besondere Rolle. Bönnigheimer, die damals dem Jungvolk angehörten, berichteten noch Jahrzehnte später, dass sie am Tag des Angriffs auf die Stadt mit etwa 150 Personen im Keller der Kronenscheuer Schutz suchten. Doch anstatt dass der Angriff abflaute, hieß es plötzlich, die Kronenscheuer brenne. Unter den Schutzsuchenden, die ihre Habseligkeiten mitgebracht hatten, brach Panik aus, und jeder versuchte, heil aus dem Keller zu kommen.

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