Er würde alles noch einmal genauso machen. Wenn der Bönnigheimer Michele D'Amico heute an den Tag zurückdenkt, an dem er sich zwischen eine Frau und ihren Angreifer stellte, ist er sich sicher: Heute würde er sich wieder so entscheiden. Gemeinsam mit seinem Sohn Fabio saß er damals in einem Kaffee in der Nähe des Ludwigsburger Bahnhofs. Man sprach über das Geschäft und die bevorstehende Hochzeit des ältesten Sohnes, als schrille Schreie die Situation plötzlich umschlagen ließen.

Nicht weit entfernt bemerkten die beiden, wie ein Mann mit einem Messer im Streit auf seine Frau einstach - und überlegten nicht lange. Gemeinsam griffen Vater und Sohn ein, überwältigten den Angreifer und hielten ihn mit vollem Körpereinsatz so lange fest, bis schließlich die Polizei eintraf. Der Frau haben sie damit vermutlich das Leben gerettet - an sich selbst dachten sie in der damaligen Situation hingegen kaum. "In dem Moment denkt man überhaupt nichts. Es passiert alles in Sekundenschnelle", erinnert sich Michele D'Amico heute. Dass die Situation brenzlig war, sei ihnen erst im Nachhinein bewusst geworden. Dennoch sind sich beide sicher, dass sie wieder helfen würden.

Auch Karin Fülbier erinnert sich noch genau an den Tag, an dem sie in eine ähnlich gefährliche Situation geriet. Die Ludwigsburgerin war auf dem Fahrrad in der Nähe der Ludwigsburger MHP-Arena unterwegs, als sie beobachtete, wie eine 14-Jährige in einen Streit mit einer Mädchengruppe geriet. Erst wurde geschubst, dann irgendwann fiel das Mädchen zu Boden, wo die rund zehn Angreiferinnen ihr immer wieder brutal in den Oberkörper und ins Gesicht schlugen. Auch Karin Fülbier überlegte nicht lang, sondern griff direkt ein. Mit ihrem Rad fuhr sie in die Nähe des Opfers und schreckte damit die angreifenden Mädchen auf. Sie ließen von ihrem Opfer ab und gaben Karin Fülbier so die Möglichkeit, sich um das am Boden liegende Mädchen zu kümmern und die Polizei zu informieren.

Am Dienstag standen die drei mutigen Bürger nun gemeinsam im Foyer des Ludwigsburger Rathauses, wo sie für ihr Engagement ausgezeichnet wurden. Erstmals vergab der Verein "Sicheres Ludwigsburg" den neu entwickelten Zivilcouragepreis, und der ging in diesem Fall gleich an alle drei Preisträger. "Zivilcourage trägt dazu bei, dass das subjektive Sicherheitsgefühl einer Stadt wächst", erklärte Konrad Seigfried, Vorsitzender des Vereins und erster Bürgermeister der Stadt Ludwigsburg. Man wolle dieses Thema in der öffentlichen Wahrnehmung grundlegend stärken und mit dem Zivilcouragepreis keine besonders spektakulären Dinge auszeichnen. Stattdessen würden Alltagsgeschehnisse herausgehoben, in denen die Handelnden ein besonderes Maß an Zivilcourage an den Tag gelegt hätten.

Michele und Fabio DAmico sowie Karin Fülbier haben instinktiv richtig reagiert. "Anderen Menschen, die in eine ähnliche Situation kommen wie ich, würde ich raten, auch zu helfen", sagt Michele D'Amico, und sein Sohn Fabio nickt: "Mich hat es damals geradezu schockiert, dass keiner außer uns eingegriffen hat. Da standen so viele Menschen drum herum und niemand hat geholfen." Auch Christoph Hölscher, Direktor des Amtsgerichts Ludwigsburg, wies in seiner Laudatio darauf hin, wie wichtig die Bereitschaft der Bevölkerung sei, zu helfen. Es komme jedoch nicht darauf an, sich selbst in Gefahr zu begeben. "Schon die zur Hilfe bereite Anwesenheit von Zeugen kann den Ausgang eines Verbrechens verändern", sagte er. Auf die Auszeichnung des Vereins sind die Preisträger zu Recht stolz.