Freudental Zauneidechsen stoppen die Bebauung am Wolfsberg

Alle rechtlichen Voraussetzungen schienen geregelt. Dann forderte das Landratsamt eine artenschutzrechtliche Untersuchung im Wolfsberg in Freudental. Und prompt wurden Zauneidechsen gefunden.
Alle rechtlichen Voraussetzungen schienen geregelt. Dann forderte das Landratsamt eine artenschutzrechtliche Untersuchung im Wolfsberg in Freudental. Und prompt wurden Zauneidechsen gefunden. © Foto: Martin Kalb
Freudental / von Uwe Deecke 18.05.2018

Alles schien vorbereitet: Nach der Fertigstellung der Erschließung könnte am Wolfsberg oberhalb von Freudental eigentlich mit der Bebauung der vier Bauplätze begonnen werden. Wären da nicht die Zauneidechsen. Vier Exemplare hat ein Biologe auf einem Teil der Fläche gefunden, der mit der fehlenden artenschutzrechtlichen Prüfung des Geländes beauftragt war. Hochgerechnet bedeuten dies 40 Tiere auf dem gesamten Baugelände, so zumindest ist die Rechenart für eine Untersuchung. Und die machen eine Bebauung derzeit unmöglich.

Auch in Besigheim waren an der Enz vier Tiere gefunden worden und lösten eine groß angelegte, monatelange Vergrämungsaktion mit schwarzen Folien aus. (die BZ berichtete). Die Tiere sollten zu einem Habitat weiter südlich vertrieben werden und dort ihre neue Heimat finden. Inzwischen aber sind sie zurück und fühlen sich an alter Stätte wieder wohl.

In Freudental soll das nicht passieren, wie Bürgermeister Alexander Fleig in der Sitzung des Gemeinderates am Mittwoch erklärte. „Es kommt nur eine Umsiedlung in Frage“, so der Rathauschef zum geplanten Vorgehen. Nördlich des Geländes verfügt die Kommune über eine kleine Grünfläche, die als neues Refugium für die eingesammelten Zauneidechsen dienen soll. Das Problem: Die Fläche ist klein und grenzt unmittelbar die nördlichen Bauplätze der Bauherren an, von denen der erste bereits ein Baugesuch eingereicht hat.

„Sie haben einen großen Aktionsradius, das wird so nicht funktionieren“, wandte Norbert Schmatelka von der Bürgergruppe ein. Tatsächlich wird der Platzbedarf pro Tier auf 110 Quadratmeter geschätzt, so dass die Fläche für die vermutlich 40 Tiere nicht ausreichen werde. Auch die Entfernung zum alten Ort ist ein Problem. Denn die Eidechsen hätten nur wenige Meter bergab, und sie wären schon wieder an Ort und Stelle. Das will die Verwaltung mit einem Zaun verhindern, der die Rückkehr somit unmöglich macht. Mit diesem Vorgehen wäre zumindest Zeit gewonnen, und es könnte gebaut werden, wenn das neue Habitat besiedelt ist. „Es geht eigentlich nur um die Bauphase“, sagte Helmut Schrenk von der Bürgergruppe, der auch die Kosten ins Spiel brachte. Bis zu 5000 Euro pro Tier habe in Stuttgart eine Umsiedlung gekostet, die in diesem Fall die Kommune bezahlen müsste. Sie hat den Bebauungsplan bereits als Satzung beschlossen und muss nun nachbessern.

Das Landratsamt hatte Ende April in seiner Stellungnahme zum geänderten Bebauungsplan „Wolfsberg II“ eine Bestandserfassung zur Prüfung eventueller Verstöße gegen artenschutzrechtliche Verbote gefordert, die bis dahin nicht erfolgt war. Eine artenschutzrechtliche Prüfung sei nicht vorgenommen worden, da man bei der Planung von einem gerodeten Gelände ausgegangen sei, erklärte Alexander Fleig.

Doch dies wurde von der Behörde nicht anerkannt. Sie forderte diese Prüfung für Vögel und Zauneidechsen, die nun durch den Biologen stattfand. Dieser fand zwar keine Vögel, aber eben die besagten vier Zauneidechsen. Aktuell wird vom Biologen ein Konzept zur Umsiedlung erarbeitet, das noch mit der Naturschutzbehörde abgestimmt werden muss. Die Umsetzung muss dabei zeitnah und vor Realisierung des ersten Bauvorhabens erfolgen. Fall es mit dem benachbarten Habitat nicht klappen sollte, gibt es aber noch eine weitere Option. Er stelle seinen Garten mit Trockenmauern gerne für die Tiere zur Verfügung, erklärte Andreas Büdenbender von der Bürgergruppe. Zunächst aber will es die Kommune mit der Umsiedlung versuchen: Der Gemeinderat stimmte dem neuen Entwurf zur Aufstellung des Bebauungsplans sowie den Maßnahmen zur Sicherstellung der Artenschutzauflagen einstimmig zu.