Mitte September wurden im Technischen Ausschuss erstmals die Pläne vorgestellt, die die Hoffnungsträger-Stiftung als Investor am künftigen Mahlerweg hat. Dort läuft erst die Erschließung, es gibt noch keine Nachbargebäude und die Häuser sollen ganz ans Ende der Wohnbebauung. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie Flächen in diesem Bereich genutzt werden können“, sagte Bürgermeister Albrecht Dautel zu Beginn der Kirbesitzung in der Hohensteiner Wiesentalhalle.

Dautel verwies auf das Eckpunktepapier des Landkreises mit dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, der dringend benötigt wird. Ein Bündnis von Bürgermeistern, Vertretern von kommunalen und privaten Wohnbaugesellschaften, der Architektenkammer, Haus & Grund Ludwigsburg, dem Mieterbund für Stadt und Kreis Ludwigsburg, der Liga der freien Wohlfahrtsverbände, dem Bauernverband, dem Kreisseniorenrat sowie sachkundiger Bürger soll dafür politischen Konsens schaffen, vorhandenes Wissen bündeln und so Interessenkonflikte erkennen und lösen (die BZ berichtete).

Ziele des Papiers sollen nun im Schlossfeld teilweise umgesetzt werden, denn auch in Bönnigheim ist die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum enorm. Entstehen sollen an der Ecke Schlesierstraße/Mahlerweg zwei dreistöckige Gebäude in Holzbauweise mit jeweils acht Wohneinheiten, die von der Hoffnungträger-Stiftung gebaut werden.

Das Konzept sieht vor, die Hälfte der Wohnungen an Bedürftige und die andere an Flüchtlinge zu vermieten, die auf dem Weg in ein selbstständiges Leben sind. Begleitet wird das integrative Konzept von einem Standortleiter und Angeboten im Bereich der Sozialarbeit, Sprachförderung, Arbeitsmarktintegration und Arbeit am Gemeinwesen.

Wie das gehen kann, erläuterte Angelika Röhm vor dem Gemeinderat. „Empowerment“ als Weg aus der Fürsorge sei ebenso wichtig wie die Sozialraumgestaltung, so die Hoffnungsträger-Mitarbeiterin, die selbst in einem solchen Haus wohnt. „Integratives Wohnen ist das stärkste Merkmal“, sagte die Leiterin Nationale Programme bei der Stiftung. Sprachförderung und interkultureller Dialog auf Augenhöhe stünden ebenso im Vordergrund als Beitrag zur Verständigung.

Geplant ist ein Kooperationsvertrag mit der Sozialarbeit der Kommune und die Bindung an eine um 33 Prozent günstigere Miete als ortsüblich. 70 Prozent sollen so geförderter Wohnraum werden, 30 Prozent allgemeiner Wohnraum, um auch engagierten Bürgern ohne Wohnberechtigungsschein das Mitwohnen zu ermöglichen.

„Das Konzept hört sich gut an“, sagte SPD-Rätin Dorothea Bechtle-Rüster, es stehe und falle aber mit Bewohnern und Standortleitung. „Wer wählt die Bewohner aus?“, wollte Bechtle-Rüster wissen, die auch darum bat, für die Stadt Bönnigheim einen Mietspiegel zu erstellen. Was die Bewohner angehe, gebe es zwar Vorschlagsrechte der Kommune, aber die Stiftung wähle als Investor aus, machte Vorstand Marcus Witzke deutlich.

„Haben wir den richtigen Standort gewählt?“, fragte FWV-Rat Frank Müller und bekam damit Beifall aus den Reihen der Zuhörer in der Halle. Der Mahlerweg sei doch weit entfernt von der Stadt, gab er zu bedenken. Es sei leicht, Fahrräder zu bekommen, betonte Witzke, und auch Fahrgemeinschaften zur Arbeit hätten sich anderorts bereits bewährt. Die Diskussion war damit beendet, doch anschließend gab es im Foyer noch Gesprächsbedarf besorgter Bürger. Integration sollte stadtnah geschehen, war ein Einwand, der kam. Gleich wieder seine Wohnung zu verkaufen, überlegte sich ein anderer Bürger.

Die Stadt will die Planungen möglichst offen und transparent begleiten. Dazu wird es für alle Interessierten eine Informationsveranstaltung zum Konzept der Hoffnungshäuser am 17. Oktober in der Turn- und Festhalle geben. Ab 19 Uhr werden Mitarbeiter der Stiftung das Projekt vorstellen und für Fragen zur Verfügung stehen.

Info Das prämierte Hoffnungshaus-Konzept wurde von der 2013 von Tobias Merckle gegründeten Hoffnungsträger Stiftung entwickelt und an vier Standorten im Land umgesetzt, weitere zwölf „Hoffnungshäuser“ sind in Vorbereitung.