Markante Bauten Wohnen unter Glas und Stahl

Besondere Architektur in Bönnigheim: das Pyramidenhaus. Unternehmer Bruno Staiger kam auf die Idee als er die Hannovermesse besuchte.
Besondere Architektur in Bönnigheim: das Pyramidenhaus. Unternehmer Bruno Staiger kam auf die Idee als er die Hannovermesse besuchte. © Foto: Helmut Pangerl
Bönnigheim / Uwe Deecke 01.12.2018

Das 20 Meter hohe Pyramidenhaus im Bönnigheimer Schlossfeld ist einzigartig im Land. Und das wird es nach dem Willen des Erfinders wohl auch bleiben. Volle 14 Ar hat das Grundstück, mit Platz für vier Wohnungen und einen riesigen Wintergarten. Ein Haus unter der Glaspyramide, das der Erligheimer Unternehmer Bruno Staiger ersann, gibt es so nur einmal und ist das Ergebnis von jahrelangem Tüfteln und einer Leidenschaft für Architektur.

„Ich habe zehn Jahre gebastelt und getüftelt“, sagt Bruno Staiger, der in Erligheim sein Ventiltechnik-Unternehmen aufgebaut hat, das sein Sohn heute leitet. Der schwäbische Unternehmer hat sich damit einen Traum verwirklicht und in Erligheim, wie er sagt, „grüne Architektur“ verwirklicht. Vier Jahre hat es gebraucht bis er das Grundstück im Süden des Bönnigheimer Schlossfelds dann hatte und Architektin Ursula Herrmann das Baugesuch einreichen konnte. „Sie haben sofort ja gesagt“, erinnert er sich an die Baurechtsbehörde im Landkreis, und auch der Gemeinderat, den er zuvor eingeladen hatte, stimmte für den ungewöhnlichen Bau im Süden des Schlossfelds.

Die Idee dazu hatte er auf der Hannovermesse, wo es ein Restaurant unter einer Pyramide gab. Mittlerweile gibt es auch Hotels unter Glas, doch ein Haus in dieser Form hat nur er. Die Idee habe er sich patentieren lassen, er wolle damit aber kein Geld verdienen. Nachdem das Haus gebaut war, habe es Anfragen für 21 Pyramidenhäuser in Dubai und noch mehr in Abu Dhabi gegeben, erinnert sich Staiger. Doch er wollte nicht, und so ist das Bönnigheimer Haus ein Unikat. Mit Patenten kennt sich Staiger nach 45 Jahren als Unternehmer aus. „Selbst unser Patentanwalt hat gestaunt, dass so ein Patent möglich ist“, erklärt der Erligheimer. Dass er seine Patentrechte einklagen wird, wenn jemand den Bau kopieren will, steht für ihn fest.

Drei Familien wohnen in dem Pyramidenhaus, das als erste Haus-in-Haus-Konstruktion auf Emissionsreduzierung und geringen Energiebedarf ausgelegt ist. Es ist so konzipiert, dass es dank der Speicher im Keller im Sommer kühl bleibt, Kapillarrohrmatten in der Betondecke erwärmen und kühlen die Luft im Gebäude. Mit Photovoltaik wird der Strom für die Luft-Wärmepumpe produziert, die das ermöglicht.

Schraubenlos und viel Licht

Die Außenhülle besteht aus einer schraubenlosen Stahl-Glas-­Konstruktion, das Innengebäude aus Betonfertigteilen mit nur 16 Zentimetern Wandstärke. Das Haus benötigt keine fossilen Brennstoffe, die Energiequellen bestehen aus 100 Quadratmetern Photovoltaikfläche und Wärmepumpen. 24 Fenster lassen Licht ins Gebäude, doch auch der 300 Quadratmeter große Wintergarten wird von den Bewohnern genutzt. Damit es im Sommer nicht zu heiß wird, bringen Lüftungsschlitze im Sockel und in den Fensterflügeln Frischluft in die Pyramide.

Marktfähig sei das kaum, weiß Staiger, denn man brauche natürlich viel zu viel Fläche für ein solches Haus. Seine erste Idee war ein 165 Meter hohes Leiterhochhaus für Büros und Wohnungen auf dem Stuttgarter Pragsattel. Sie wurde nie verwirklicht. Der Bau sollte dem mächtigen Trump Tower, der in der Landeshauptstadt im Jahr 2002 durch den Gemeinderat fiel, Paroli bieten. Der Erligheimer Tüftler hat aber schon weitere Pläne. Beim Besuch des Zoos auf Teneriffa kam ihm eine Idee, an der er seit einem halben Jahr am Zeichnen ist. Viel verraten möchte Staiger noch nicht, nur so viel: „Es wird ein Gebäude, das es auf der ganzen Welt nicht gibt“. Man darf gespannt sein.

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