Das Bönnigheimer Klärwerk wird 2017 50 Jahre alt. In einer Stunde kommen dort rund 109 Kubikmeter Wasser an, das nicht nur gereinigt wird: Mit Klärgas im Blockheizkraftwerk wird auch Strom und Wärme erzeugt.

Stete Anpassung seit 1967

Seit dem Bau im Jahr 1967 wurde die Anlage bereits mehrmals erweitert und den neuesten Erfordernissen angepasst. Im Jahr 2008 wurde umfangreich modernisiert, um die Kläranlage auf einen technisch neuen Stand zu bringen. Heute gibt es dort ein modernes Prozessleitsystem, das die Vorgänge steuert und mit einem Zeitstempel versieht. Stromaufnahme, Förderung, Motorsteuerung, Zeiterfassung oder Zulaufmengen, alles werde hier ersichtlich, wie der Leiter Albrecht Hamm erklärt. Der Abwassermeister ist seit 30 Jahren bei der Stadt und kennt die Anlage bis ins letzte Detail.

Nach dem Rechen, der am Beginn jeder Kläranlage steht, kommt der Sandfang als nächster Reinigungsschritt. In der Vorklärung, die zwei Stunden dauert, komme man auf einen Kubikmeter Schlammanfall pro Stunde, sagt  Hamm. Die Vorklärung dauert zwei Stunden, anschließend wird sedimentiert. Bei 37 Grad entsteht im Faulturm nach mehreren Gärungsprozessen in der Methangärung Klärgas, das im eigenen Blockheizkraftwerk genutzt wird. Auf 411 Kubikmeter am Tag rechnet Hamm die Menge hoch, die an Gas entsteht. „Wir produzieren ein Drittel des eigenen Verbrauchs“, so Hamm, der Rest komme vom Blockheizkraftwerk am Schlossfeld.

Wasser-Zusammensetzung variiert nach Wetterlage

Je nach Wetterlage variiere die Zusammensetzung des Wassers, das am Klärwerk ankommt, erklärt Hamm. In diesem Jahr habe es wenig Niederschläge gegeben, die auch im System erfasst werden. 70 Liter bis Mitte der Woche sind sehr wenig zum Durchschnittswert von 650 Litern pro Jahr, wenn man bedenkt, dass im Frühjahr normalerweise die meisten Niederschläge fallen. Die neun Bönnigheimer Regenüberlaufbecken, die mit einer Kapazität von 2520 Kubikmetern der Anlage vorgeschaltet sind, seien daher meist leer. Los gehe es etwa um fünf Uhr morgens, wenn der Tag beginnt. Das meiste Abwasser komme zwischen 9 und 22 Uhr. Gibt es am Schulzentrum Sommerferien oder in einem großen Unternehmen Betriebsferien, spüre man das sofort, sagt der Abwassermeister. Spitzen am Tag gebe es aber keine, denn das Wasser ist lange unterwegs, bis es an der Anlage ankommt.

Wasserqualität im Mühlbach

Mischwasser aus den Haushalten, Prozesswasser und Industrieabwässer kommen hier am Klärwerk an. Vorgeklärt wird das Wasser in den Industriebetrieben oder  bei der Strombergkellerei auch selbst. „Wir haben mit dem Mühlbach einen leistungsschwachen Vorfluter“, so Albrecht Hamm, daher müsse man darauf achten, dass die Ökologie stimmt. Es kommen Kohlenstoffe, Schwefel, Sauerstoff, Phosphat und Stickstoff im Wasser an, das in der Anlage geklärt wird. „Das haben wir ganz gut im Griff“, erklärt der Abwassermeister. Die Wasserqualität habe sich auch so weit verbessert, dass inzwischen auch wieder Fische nach der Kläranlage schwimmen. Im Sommer wird die Anlage nochmals verbessert: Dann werden die Rührwerke aus dem Jahr 1992 durch modernere ersetzt, die mehr Schubkraft bei weniger Energieeinsatz erzeugen. Im nächsten Jahr sei das Schlammentwässerungsaggregat dann an der Reihe und werde erneuert. Zum 50-jährigen Jubiläum ist im Wasserwerk ein Tag der offenen Tür geplant.