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BZ
Löchgau / Uwe Deecke  Uhr

Heute stelle nicht ich die Fragen, sondern ihr“, erklärte BZ-Redakteur Michael Soltys vor der Klasse 4b der Jakob-Löffler-Schule. Sonst sei er derjenige, der für die Zeitung und damit die Öffentlichkeit Fragen stellt und die Antworten notiert. Mit so vielen Fragen hatte er dann aber doch nicht gerechnet, das Interesse an seiner Arbeit war groß. Die Deutschstunde wurde zur Fragestunde, und schon vorher hatte Lehrerin Franka Weigend zwei Schulstunden lang mit den Schülern überlegt, was man fragen könnte.

„Begleitet Sie immer ein Fotograf?“, wollte ein Löchgauer Viertklässler wissen. Das entscheide man von Fall zu Fall, aber heute brauche man in jedem Fall ein Foto, sagte der Redakteur. „Wie viele Reporter arbeiten bei der BZ?“, fragte eine Schülerin. Reporter seien nicht unbedingt gleichzusetzen mit Redakteuren. Sie sind vor Ort, wenn etwas passiert, befragen die Beteiligten und sind meist unterwegs. Die 13 Redakteure für Lokales, Sport und Kultur der BZ arbeiteten sehr viel im Haus, es sei denn es gebe offizielle Termine, besondere Anlässe oder Sportereignisse, die man besuchen müsse.

„Was passiert, wenn jemand zu spät liefert?“, sprach eine Schülerin ein heikles Thema an. „Dann bekommt er zunächst eins auf den Deckel“, sagte Soltys. Bis um Mitternacht müssten die letzten Texte, etwa über die Bietigheim Steelers, in der Redaktion vorliegen, der große Rest aber schon vorher. Der Druckvorgang dauert dann nur kurze Zeit für alle Zeitungen, die am frühen Morgen schon im Briefkasten liegen. Und weiße Flecken gebe es niemals in der Zeitung. Wenn ein Text mal ausfalle, setze man sich in der Redaktion kurz zusammen und finde schnell ein neues Thema.

„Was passiert, wenn ein Reporter Fehler macht“, fragte ein weiterer Viertklässler. Die Redaktion lese die Seiten gegenseitig, aber manchmal passierten trotzdem  Fehler. Wichtig im Beruf sei, dass man mit Sprache umgehen und sich ausdrücken kann, eine schlechte Mathenote sei nicht so entscheidend. Stress gebe es nur dann, wenn zwischen den geplanten Terminen noch etwas passiere und der Zeitplan durcheinander gerate. „Es ist spannend und es gibt jeden Tag etwas Neues“, erläuterte der Redakteur.

Woher die Infos aus der ganzen Welt denn herkämen, wollte ein weiterer Schüler der 4a wissen. „Wir haben Korrespondenten, die Texte an uns liefern, in Brüssel, Berlin, in Peking oder den USA“, machte der BZ-Redakteur deutlich. „Hat sich schon jemand beschwert?“, fragte eine weitere Schülerin. Das gebe es schon, wenn es jemandem nicht passt, was über ihn geschrieben wurde oder wenn ein Name falsch gedruckt wurde. Meist aber werde dann nachgefragt und der Wahrheit auf den Grund gegangen und die Aufregung lege sich dann oft von alleine.

Ob denn oft Leserbriefe kämen, wollte ein Viertklässler wissen. Fast jeden Tag einer, verriet Soltys, man sammle sie und prüfe nach, ob der Brief auch tatsächlich vom angegebenen Absender komme. Beleiddigungen oder Unwahrheiten seien nicht erlaubt, dann gehe der Brief zur Überarbeitung an den Verfasser zurück.

Dann hatte der Redakteur aber doch auch noch eigene Fragen. „Wie viele von Euch haben die Zeitung morgens im Briefkasten?“, wollte er wissen. Immerhin acht von 18 haben eine, und sie interessieren sich hauptsächlich für Polizeiberichte, Sport, Wetter und die Witze. Die Hägar-Cartoons, so viel wurde auch deutlich, werden auch nicht von Redakteuren gezeichnet, sondern sie werden eingekauft. Am Ende gab es für jeden Schüler noch einen „Pressausweis“.