Bönnigheim / Andreas Lukesch  Uhr

In den klassischen Medien, den neuen Medien, im persönlichen Umgang miteinander – Bönnigheims Bürgermeister Kornelius Bamberger macht in nahezu allen Bereichen der öffentlichen Auseinandersetzung eine – wie er es in der jüngsten Gemeinderatssitzung nannte – „abnormale Normalität“ aus und meinte damit: „Das fast schon grenzenlose Verfolgen der eigenen Interessen greift immer weiter um sich.“ Und bei diesem Interessenaustausch in den Entscheidungsfindungsprozessen vergessen nach seiner Einschätzung immer mehr Menschen ihre gute Kinderstube.

Der Bürgermeister nutzte die Bekanntgabe seines Verzichts auf eine erneute Kandidatur bei den Bürgermeisterwahlen im kommenden Jahr in Bönnigheim zu einer für viele überraschenden gesellschaftlichen Generalabrechnung (die BZ berichtete). Abstand wolle er nach rund 30 Jahren kommunalpolitischer Erfahrung gewinnen – von „negativen Entwicklungen in unserer Gesellschaft“, in der der zwischenmenschliche Umgang auch und gerade gegenüber öffentlichen Institutionen zu wünschen übrig lasse. Bamberger beklagt einen Wandel in der Diskussionskultur, sieht in dem Zusammenhang auch die sozialen Medien mehr als kritisch. „Es wird zunehmend weniger auf Augenhöhe diskutiert, werden weniger Fakten ausgetauscht. Ein Diskurs, an dessen Ende ein Ergebnis steht, ein Kompromiss, der für alle Beteiligten nachvollziehbar ist.“ Stattdessen würden oft Argumente des Gegenübers erst gar nicht angehört und eine Diskussion gleite schnell ins Persönliche ab.

Dass zu einer solchen Entwicklung auch zwei Seiten gehörten, will Bamberg in Bezug auf Bönnigheim nur eingeschränkt gelten lassen. Er verweist auf Amtskollegen im Landkreis, die ähnliche Erfahrungen machten, und er glaubt auch nicht, dass eine Verwaltung beispielsweise über Facebook in einen Dauerdialog mit der Bürgerschaft treten müsse. „Mal abgesehen vom notwendigen personellen Aufwand denke ich, dass wir da nichts versäumt haben. Bei uns trifft man sich, wenn wichtige Dinge besprochen werden müssen. Und wer im Rathaus anruft oder eine E-Mail schreibt, der bekommt auch eine anständige Antwort.“

Gleichwohl erkennt Bamberger die Veränderungen im Verhältnis zwischen Bürger und Institution an. „Da hat sich sehr viel verändert – und zwar durchaus zum Guten“, betont der Rathauschef, der sich noch an Zeiten erinnert, in denen das Obrigkeitsdenken gegenüber Verwaltungen vorherrschend war. „Heute sind wir ein Dienstleister wie jeder andere private Dienstleister auch.“

Der Bürgermeister als Wahlbeamter bleibe aber derjenige, der Entscheidungen treffen und auch den Kopf dafür hinhalten müsse. „Das ist sein Job.“ Und dass es zunehmend schwerer wird, junge Fachleute für diesen Job gewinnen, ist für ihn nachvollziehbar – unter anderem auch, weil sie in vorderster Position die veränderte allgemeine Stimmung aushalten müssten.