Bönnigheim Wenig Spinner im Wald

Wertvolle Eichen in den Wäldern von Bönnigheim.
Wertvolle Eichen in den Wäldern von Bönnigheim. © Foto: Helmut Pangerl
Uwe Deecke 05.07.2018

Längst wird in den Wäldern der Kreisforstämter in Heilbronn und an anderen Orten in Baden-Württemberg wieder vor einem Schädling gewarnt, der bei Menschen unangenehme Reaktionen auf der Haut auslösen kann: dem Eichenprozessionsspinner. Im Rheintal, im Neckarland, im östlichen Albvorland/Ries und auf der Flächenalb liegen die Verbreitungsgebiete, die in diesem Jahr besonders beobachtet werden.

In befallenen Regionen sollten Eichenwälder nur auf den Wegen betreten werden, empfiehlt das Landwirtschaftsministerium. Denn die Haare der Raupe stellen ein gesundheitliches Risiko dar, wenn man mit ihnen in Berührung kommt. Sie bohren sich in die Haut und können Hautrötungen, Pusteln oder Schleimhautreizungen hervorrufen. Das führte in der Vergangenheit auch schon dazu, dass mit Hubschrauber-Spritzungen gegen den Eichenprozessionsspinner vorgegangen wurde. Der Zyklus der Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners verläuft in sieben bis zehn Jahren und hat dort gerade einen Höhepunkt erreicht. Warnhinweise gibt es jetzt unter anderem an Plätzen von Kinderfreizeiten im südlichen Landkreis Heilbronn, also nicht allzuweit entfernt von den Wäldern rund um Bönnigheim.

Doch für den Landkreis Ludwigsburg gibt es derzeit noch keine aktuellen Warnungen, berichtet Revierförster Burkhard Böer auf Nachfrage der BZ. „Es scheint ein lokales Problem zu sein“, sagte Böer, der im Bönnigheimer Stadtwald mit der Raupe bislang kaum Probleme hatte. Eher schon im Bietigheimer Brandholz oder im Großsachsenheimer Wald habe es den Eichenprozessionsspinner in der Vergangenheit gegeben, dessen Haare auf den Boden fallen und dort lange liegen bleiben. Sie könnten auch noch nach Jahren allergische Reaktionen auslösen, erklärt der Förster, wenn es ausreichend trocken ist. Bei feuchten oder mit nassem Laub bedecktem Boden, gehe von ihnen aber keine Gefahr aus.

„Das sind Zyklen, und im Moment sehe ich noch keine Aufwärtsbewegung“, bewertet er die momentane Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners. Den Baum selbst schädige die Raupe nur dann, wenn noch ein Spätfrost oder Gewitterstürme dazu kommen. Der Schwammspinner, wie er vor Jahren verbreitet war, sei noch ein Faktor, der begünstigend wirken würde.

Viel mehr Sorgen machen dem Förster derzeit die Borkenkäfer in der Fichte, die nach den Sturmschäden in diesem Jahr dann schnell aus dem Wald abtransportiert werden mussten. Sie zu finden sei eine Sysiphusarbeit, sagt Böer. Denn es reiche eine vergessene kleine Fichtenkrone, um dem Schädling die Vermehrung zu ermöglichen. „Wir hatten viel Sturmholz und konnten es erst spät aufarbeiten“, so der Förster zum Flachwurzler Fichte, der es bei Trockenheit besonders schwer hat, standhaft zu bleiben. Es sei ein ständiges Überprüfen, um zu schauen, ob man was vergessen hat.

„Wir hatten in diesem Jahr Glück mit ausreichender Winterfeuchtigkeit, die Wasserspeicher sind gefüllt“, sagte Böer zum Zustand des Waldes, der sich so eine Feuchte im Boden vor allem für die Jungkulturen wünscht. Für kleine Pflanzen sei der Regen im Frühjahr ein Segen gewesen, denn sie hätten damit deutlich bessere Überlebenschancen.

Haare der Raupe lösen Allergien aus

Der Eichenprozessionsspinner ist ein eher unscheinbarer, graubrauner Nachtfalter, der als Schmetterling harmlos ist. Seine Raupen tragen jedoch Gifthaare, die auf der Haut und an den Schleimhäuten der Menschen allergische Reaktionen hervorrufen können. Der Eichenprozessionsspinner kommt ausschließlich an Eichen vor, bevorzugt an besonnten Waldrändern, in lichten Eichenwäldern und an Einzelbäumen, und breitet sich seit dem Jahr 2004 in Baden-Württemberg in bis dahin nicht bekannter Weise aus.

Das Problem sind weniger die Fraßschäden der Raupen als vielmehr die gesundheitlichen Beeinträchtigungen für den Menschen, die zu Abwehrmaßnahmen zwingen. Ab dem dritten Larvenstadium verfügen die Raupen über Brennhaare, die bei Hautkontakt Reaktionen auslösen können, welche von juckenden Pusteln bis zu allergischen Schockreaktionen reichen. Die Brennhaare konzentrieren sich in Gespinstnestern, in denen sich die Raupen versammeln und verpuppen. dee

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