Kirchheim / Von Uwe Deecke  Uhr

Mangelnder Respekt vor Einsatzkräften, Schaulustige mit Handys und renitente Hausbesitzer: Der Hessigheimer Kommandant und Kreisfeuerwehrvorsitzende Klaus Haug sprach erst vor kurzem in Kirchheim bei der Generalversammlung das aktuelle Thema an. Einsatzkräfte würden häufiger bei der Ausübung ihrer Tätigkeit behindert oder verbal und körperlich angegriffen, so Haug.

Im September 2018 wurde in Erfurt die bundesweite Resolution „Nein zur Gewalt gegen Feuerwehrangehörige“ verabschiedet, die Haug als Delegierter des Landes Baden-Württemberg unterstützte. Sie fordert mehr Respekt vor Einsatzkräften, die Sensibilisierung der Bevölkerung, eine bessere Wertevermittlung und eine Strafverschärfung bei Zuwiderhandlung. Für Betroffene Einsatzkräfte soll in gebotenem Umfang für Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen Sorge getragen werden.

Der Deutsche Feuerwehrverband setzt sich in der Resolution auch für die Einrichtung einer zentralen bundesweiten Anlaufstelle für Betroffene von Gewalt ein. Das Spektrum ist beachtlich und reicht vom fehlenden Verständnis für erforderliche Absperrungen bis zum stark alkoholisierten Patienten, der sich den Helfern widersetzt. Dazu kommen mancherorts gewaltbereite Jugendliche, die mit Steinen und Flaschen auf Einsatzkräfte im Löscheinsatz werfen.

Absperrung missachtet

Die Bandbreite reicht nach der Einschätzung der Feuerwehr von verbalen und nonverbalen Angriffen (Beleidigungen, Drohungen, drohende Gesten) bis hin zu körperlicher Gewalt (Treten, Schlagen, Schubsen, Anwendung von Waffen). So weit, dass Feuerwehrleute Schutzwesten gegen Angriffe tragen, ist es im Landkreis noch nicht. Doch es gibt durchaus Beispiele, wo es für Feuerwehrleute gefährlich wird.

Vor kurzem kam es bei Mundelsheim bei einem Kaminbrand zu dem Fall, dass ein Autofahrer die Absperrung durchbrach und beinahe Einsatzkräfte überfahren hätte. „Wir erleben tagtäglich solche Fälle“, so der Kommandant auf Anfrage der BZ. Auf der Autobahn wird mit Tempo 200 an Leitkegeln am Einsatzort vorbei gerast, in Hessigheim gab es den Fall, dass sich ein Hausbesitzer weigerte, die Feuerwehr ins Haus zu lassen. In Heilbronn fuhr ein Hauseigentümer sogar den Rettungswagen beiseite, der vor seiner Einfahrt stand – mit dem Verletzen hinten drin.

In Rettungswagen fotografiert

Und es werde viel gefilmt und fotografiert. „Wir hatten auch schon Menschen, die mit dem Handy in den Rettungswagen fotografiert haben“, berichtet der Vorsitzende aus dem Alltag als Feuerwehrmann. Der Landkreis habe daher für die Wehren in Freiberg und Möglingen bereits Gafferwände angeschafft, die so etwas verhindern sollen.

„„Da ist kein Respekt mehr da“, findet Haug, und es sei ein Unding, wenn Sachen ins Netz gestellt würden, wo Verletzte auf dem Boden liegen. Erfahrungen dieser Art hat auch der Kirchheimer Kommandant Christian Scherb gemacht. Und beim tödlichen Unfall an der B 27 mit einer Rentnerin im letzten Jahr standen viele Schaulustige auf beiden Seiten, manche filmten auch mit dem Handy. „Es gab sehr viele Schaulustige“, so Scherb, und auch Eltern, die ihren Kindern die Verletzten gezeigt hätten.

Einen besonders krassen Fall habe man erlebt, als eine Reanimation direkt von oben gefilmt wurde, was dann der Polizei gemeldet worden sei. Dabei ergeht es den Berufsfeuerwehren und der Polizei in der Regel noch schlimmer, insbesondere in den Städten. „Was wir erleben, gibt es bei der Polizei seit Jahren“, so der Vorsitzende zu der aktuellen Entwicklung. Es gibt zwar Gesetze bei Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte oder Behinderung hilfeleistender Personen, doch angezeigt werde nur selten. Die Dunkelziffer sei hoch, so Haug.

Noch ruhig gehe es in Bönnigheim zu, erklärt Kommandant Mike Etzel. Gewalt oder ausfälliges Verhalten gegenüber Einsatzkräften gebe es hier kaum, denn man kenne sich im Ort. „Auf dem Land ist die Hemmschwelle größer“, vermutet der Kommandant. Lediglich bei Straßensperrungen gebe es immer welche, die sich mit dem Auto auf dem Radweg noch vorbeidrücken wollen. Sonst liefen hier die Einsätze aber meist ungestört ab.