Kirchheim Wenig Hoffnung aus dem Ministerium

Die B 27 führt mitten durch Kirchheim und zerschneidet den Ort. Doch auf viele Jahre hinaus wird sich daran nichts ändern, machte Staatssekretär Steffen Bilger jetzt im Rathaus deutlich.
Die B 27 führt mitten durch Kirchheim und zerschneidet den Ort. Doch auf viele Jahre hinaus wird sich daran nichts ändern, machte Staatssekretär Steffen Bilger jetzt im Rathaus deutlich. © Foto: Martin Kalb
Kirchheim / Uwe Deecke 05.12.2018

Im Kirchheimer Ratssaal waren die Vertreter der
B 27-Bürgerinitiative und auch Verkehrsplaner Stefan Wammetsberger, um Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) die Lage Kirchheims zu erläutern. Möglich geworden war der Termin auch durch den Einsatz des Landtagsabgeordneten Eberhard Gienger (CDU), der die Strecke bestens kennt. „Die Politik ist durchaus beeinflussbar durch solche Maßnahmen“, sprach er der Bürgerinitiative Respekt aus, deren Vorhaben zur Umgehungsstraße  sinnvoll sei. In Zeiten, in denen man Geld habe, gebe es bessere Möglichkeiten, als die Bundesstraße quer durch den Ort zu führen, so Gienger. Da war Bilger vom Verkehrsministerium noch nicht da, der sich auf dem Weg von Esslingen verspätet hatte.

„Die B 27 ist seit Jahren ein Problem“, leitete Bürgermeister Uwe Seibold das Gespräch ein. Man habe in Kirchheim mit dem Neckar, der Bahn und der Bundesstraße viele Bezugspunkte zum Verkehr. Der größte davon sei die B 27: „Kirchheim hat das Problem, dass die Bundesstraße durch den Ort geht und ihn zerschneidet“, so Seibold. Damit einhergehen Gefahren für Kinder, die sie auf dem Weg zur Schule oder zum Kindergarten mit ihren Eltern queren müssen. Einher gehen aber auch rund 20 000 PKW und rund 1500 LKW am Tag.

Das beobachten die Mitglieder der Initiative seit Langem, ebenso wie die Zunahme des Verkehrs. „Wir sind unter ,ferner liefen’ im Bundesverkehrswegeplan“ sprach BI-Sprecher Rolf Riecker das Problem an. Die B 27 sei wie eine Grenze, die fast jeder Kirchheimer queren müsse, die Verkehrsgefährdung sei für alle groß und das Rotlicht der Ampel werde oft ignoriert. Dabei sollte inzwischen der Verkehr weniger über die B 27 von Nord nach Süd als vielmehr von West nach Ost und zurück laufen. Das belegen die Zahlen, die Verkehrsplaner Stefan Wammetsberger vorlegte, die im Jahr 2016 errechnet wurden. Die meisten Autos wollen gar nicht weiter auf der B 27 fahren, sondern biegen ab in Richtung Autobahn.

Dennoch steht nach wie vor die Zählstelle für Fahrzeuge südlich an der B27, wo die wenigsten fahren. Eine Vollumgehungsstraße mit zwei Tunneln würde den Verkehr im Ort um 65 Prozent entlasten, so Wammetsberger, bei einer Teilumgehung seien es rund 30 Prozent. Steffen Bilger verwies auf den Hinweis von seinen Fachleuten aus dem Ministerium zur Wirtschaftlichkeit. „Der volkswirtschaftliche Nutzen muss nachgewiesen werden“, so der Staatssekretär. Die Vollumgehung sei aber auch deshalb nicht auf dem Bundesverkehrswegeplan, weil sie vom Land nicht aufgenommen wurde. Das Land sei Antragsteller, ohne den der Bund überhaupt nicht planen dürfe.

Vor dem nächsten Bundesverkehrswegeplan ab 2030 konnte er daher keine Hoffnung darauf machen, dass sich an der Situation etwas ändert. Den Wunsch nach einer Mautüberwachung nahm der Staatssekretär mit, hier könne man nachjustieren.

Dass eine günstige Teilumgehung von der Hohensteiner Straße zur Max-Eyth-Straße Richtung Autobahn 5000 Autos am Tag weniger bedeute, sprach ein weiteres Mitglied der BI an. Sie ist das realistische Ziel der Bürgerinitiative, nachdem man vom Bund wohl wenig erwarten kann, der sich nach Landesvorschlägen richten muss.

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