Die Plätze reichten am Samstagnachmittag nicht in der Vinothek am Bönnigheimer Schloss, wo es einmal im Monat Fachkundiges zum Thema Weinbau zu hören gibt und Manfred Schmälzle als Vorsitzender die Teilnehmer begrüßte. Vinothekar Volker Lorenz war eingesprungen, nachdem das Thema Klimawandel ausgefallen war und erklärte die Zuhörer in seinem Vortrag darüber, worauf es bei den Tafeltrauben ankommt, die hier im Land ein Schattendasein fristen. „Wenn man kommerziell etwas macht, gibt es viele Vorschriften“ erklärte Lorenz, der selbst seit 20 Jahren seine 18 Rebstöcke im kleinen Stil hegt und pflegt.

Hunderte Sorten gibt es an Tafeltrauben, die in die Weinbaukartei eingetragen sind. Und einige Vorgaben dafür: Es darf kein Most oder Wein daraus erzeugt werden, erlaubt sind Traubensaft und Schnaps. Wichtig seien sonnige Lage, keine Staunässe im Boden, Schutz vor Frost und viel Wasser, um die Trauben gut auszubilden. „Tafeltrauben brauchen mehr Luft und Sonne“, machte Lorenz deutlich, 2,50 Meter Zeilenabstand und 1,40 Meter Stockabstand sollten die Pflanzen daher haben. Mitgebracht hatte der Hobbywengerter vier Sorten: Piroska, Regent, Muscat Bleu und Nero-Trauben, die probiert werden konnten, dazu auch Traubengelee aus dem eigenen Anbau.

Seit 1999 ist der Anbau nicht mehr an das Pflanzrecht gebunden. Positiv sei, dass es für Private fast keine Vorschriften gebe, Meldepflicht und Flächenbegrenzung seien nicht geregelt. Für seinen Anbau nutzt er ein Netz gegen Vögel und Insekten sowie als Beschattung und „Diebstahlschutz gegen die echten Zweibeiner“.

Wer es selbst versuchen wolle, sei nicht beim Baumarkt sondern beim regionalen Rebveredler gut aufgehoben. Topfpflanzen seien im Frühjahr am einfachsten zu setzen. Wichtig dabei sind ausreichende Bewässerung und das Gras zu entfernen, das zwischen den Stöcken wächst. Und es braucht auch Pflanzenschutz gegen Mehltau, den Lorenz einmal im Jahr vornimmt.

Dass hier viele den Anbau und Verkauf heimischer Tafeltrauben aufgegeben haben, liegt an der geringen Haltbarkeit, sie müssen innerhalb von sechs Wochen verzehrt werden. Und sie seien geschmacklich besser als das, was im Supermarkt geboten werde, ist Lorenz überzeugt.

Beim „Wein der Woche“, einem 2016er Trollinger feinherb der Weinkellerei Kölle, ließ man in der Vinothek den Nachmittag ausklingen.