Experte Wein richtig lagern und genießen

Christian Dautel vom Bönnigheimer Weingut Dautel, weiß, wie man Wein richtig lagert. Wichtig ist, dass die Temperatur konstant ist, die Lagertemperatur sollte zwischen 12 und 15 Grad liegen.
Christian Dautel vom Bönnigheimer Weingut Dautel, weiß, wie man Wein richtig lagert. Wichtig ist, dass die Temperatur konstant ist, die Lagertemperatur sollte zwischen 12 und 15 Grad liegen. © Foto: Helmut Pangerl
Bönnigheim / Bettina Nowakowski 14.12.2017

Eine der wichtigsten Fragen ist für viele Weinliebhaber: Wie lagert man Wein richtig? „Wichtig ist, dass die Temperatur konstant ist“, erklärt der Bönnigheimer  Weinexperte Christian Dautel. Die Lagertemperatur sollte zwischen 12 und 15 Grad liegen. Aufbewahrungsort und Luftfeuchtigkeit spielen bei der Weinlagerung ebenfalls eine Rolle.

„Um das Austrocknen der Korken zu verhindern, sollte die Luftfeuchtigkeit zwischen 65 und 75 Prozent liegen“, empfiehlt Christian Dautel. Ein möglichst dunkler Raum, der gut zu lüften ist, wäre optimal, am besten natürlich ein klassischer Gewölbekeller mit naturbelassenem Boden.

Aber auch normale Kellerräume erfüllen ihren Zweck, sofern sie konstant kühl sind. Direkte Sonneneinstrahlung ist für keinen Wein gut. Die Weinflaschen sollten wenig bis gar nicht bewegt werden, denn wiederholte Erschütterungen können den Geschmack beeinträchtigen. Flaschen mit Naturkorken am besten immer liegend lagern, damit der Korken nicht austrocknet. „Bei Weinflaschen mit Schraubverschluss gibt es unterschiedliche Meinungen“, so Christian Dautel. „Da würde ich es vom Lagersystem abhängig machen, ob die Flaschen stehend oder liegend lagern.“

Auch unterschiedliche Lagerungszeiten wirken sich auf Rot- und Weißwein, Champagner und Sekt aus. „Es kommt immer auf die Qualität des Weines an und den eigenen individuellen Geschmack“, meint der Weinfachmann.

„Grundsätzlich werden Rotweine mit der Zeit runder, aber auch Weißweine werden harmonischer und komplexer, wobei vordergründig fruchtige Primär­aromen etwas zurücktreten.“ Eine generelle Antwort darauf, welchen Wein man wie lange lagern sollte, gibt es nicht. Edler Champagner und Sekt bleiben nach dem Kauf zwei bis drei Jahre liegen.

Alle Weißweine sollte man mindestens sechs Monate nach der Füllung erst einmal ruhen lassen. Leichtere Weißweine können dann innerhalb von ein bis drei Jahren, kräftigere Weißweine, eventuell aus dem Holzfass, zwischen zwei und zehn Jahren getrunken werden. Der Rotwein braucht wenigstens ein Jahr Ruhe nach der Füllung, danach kann er innerhalb von zwei bis zehn Jahren genossen werden. „Bei einer Lagerung von mehr als 20 Jahren sollte man sich mit dem Wein und dem Weingut aber auskennen“, rät Christian Dautel.

Grundsätzlich empfiehlt er, sich nicht auf viele Einzelflaschen verschiedener Weinsorten zu konzentrieren, sondern eher auf einen bestimmten Wein und davon mehrere Flaschen vorrätig zu haben. „Da kann man den Wein auch mal zwischendurch probieren und herausfinden, ob er schon schmeckt, oder ob man besser noch ein bisschen wartet.“

Angebrochene Flaschen werden wieder gut verschlossen und kühl gelagert, auch im Kühlschrank. Entscheidend sei dabei der Füllstand der Flasche: eine dreiviertelvolle hält sich besser als eine fast leere Flasche. „Vor allem junge Weine werden geschmacklich oft erst nach ein bis drei Tagen richtig interessant“, meint Christian Dautel.

Ältere Weine, die schon ein paar Jahre Flaschenreife hinter sich haben, können dagegen oft schneller an Geschmack verlieren. Der Spruch, „desto älter der Wein, umso besser“ sei nur bedingt richtig. Laut Dautel sind leichte, fruchtbetonte Weißweine eher für einen raschen Verbrauch innerhalb von ein, zwei Jahren geeignet. „Generell würde ich aber sagen, dass die meisten Weine viel zu früh getrunken werden.“

Für 90 Prozent der Weine gelte, sie jünger als ein Jahr zu trinken, „ist schade, älter als 10 bis 15 Jahre ist oft schwierig.“

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