Bönnigheim / Uwe Deecke

Es ist ein Problem, das es früher so nicht gab. Im Jahr 2017 gingen die Ernteausfälle der Obstbauern bis hin zum Totalausfall. Zwischen 30 und 70 Prozent waren es je nach Sorte im Bönnigheimer Apfelland der Familie Sartorius. Um den Betrieb zu sichern, entschied sie sich, ein Wasserrückhaltebecken zu bauen und die Anlagen mit Kreiselregnern auszustatten.

„Es war eine Investition für die Zukunft“, sagt Meik Sartorius, der weiß, wie sich das Wetter verändert hat. Mit Hagel lebt der Betrieb schon länger, und letztes Jahr gab es in der Gegend auch Hagelschäden. Rund die Hälfte der   Flächen haben deshalb Hagelnetze, die vor allem die jungen Bäume schützen.

Das Apfelland muss keine Lieferantenverträge erfüllen, alles wird im eigenen Hofladen vermarktet. Bis Juni sei man noch mit der Ernte aus dem letzten Jahr versorgt, so Sartorius. Doch die muss gut aussehen, Dellen durch Hagel kommen nicht gut an beim Kunden, dessen Ansprüche gestiegen sind. „Die Akzeptanz hat sich verändert, die Frucht soll makellos sein“, weiß der Obstbauer.

Beim Frost waren im letzten Jahr keine Schäden zu verzeichnen, doch das könnte sich dieses Jahr noch ändern. Die Vorhersagen seien nicht zuverlässig gewesen, so Sartorius, eigentlich hätte es von Sonntag auf Montag Minusgrade geben sollen, nun war es einen Tag später. Die Apfelblüte ist vorbei, und an den Zweigen hängen die fünf Millimeter großen Früchte, um die es geht. Sie werden künftig mit Kreiselregnern bewässert, wenn die Temperaturen fallen und die Ernte bedrohen.

Acht Hektar mit 35 Regnern

35 Regner stehen im Abstand von acht Metern pro Hektar, um acht Hektar geht es am Ortsrand von Bönnigheim, nahe der alten Ziegelei. Dort wollte die Familie zuerst die tiefe Abbaumulde der Ziegelei nutzen, was sich dann aber nicht realisieren ließ. Daneben ließ man dann das große Becken ausgraben, 100 Meter lang, 25 Meter breit und acht Meter tief. Es ist gerade bis auf einen Meter gefüllt mit Regenwasser und dem Wasser einer nahen Quelle. Davor steht die Pumpe und die technische Einrichtung, die den Zu- und Abfluss steuert.

In Handarbeit wurden die Schläuche in den Boden zu den Apfelbaumreihen gebracht, wo sie dann zu den vier Meter hohen Kreiselregnern führen. Um 1.30 Uhr am Dienstagmorgen kam dann die Nachricht aufs Handy, dass es kritisch wird, berichtet Meik Sartorius. Man prüfte nochmals die Thermometer und entschied sich, die Anlage in Gang zu setzen. An der Null-Grad-Marke bewässerte sie bis um sieben Uhr die Bäume. Gemessen wird dabei die Feucht- und die Trockentemperatur, wobei die Feuchttemperatur ausschlaggebend für die Pflanzen sind. Sie war bei minus ein Grad, die erste Warnmeldung ging sofort raus und eine halbe Stunde später kam das Wasser aus den Kreiselregnern auf die Pflanzen.„Man muss bewässern bis die Temperaturen wieder im Plus sind“, erklärt der Bönnigheimer, was diesmal aber schnell erreicht war. Konzipiert ist die Anlage so, dass es für fünf bis sechs Frostnächte genügend Wasser gibt. Auch für die Tröpfchenbewässerung in den Baumreihen wird sie verwendet, das Wasser reicht dafür mühelos. „Bisher noch keine Schäden“ verzeichnet Sartorius nach der Frostnacht, doch bis zu den Eisheiligen seien Minustemperaturen noch möglich. Schlimmer habe es in dieser Woche am Bodensee ausgesehen wo es deutlich unter null Grad gegangen sei. Weil das Wetter und die Niederschläge heute aber kaum noch berechenbar sind, hat sich der Betrieb dagegen gewappnet.

Was in Südtirol und anderen Gegenden schon lange übliche Praxis ist, hat nun auch in Bönnigheim Einzug gehalten. Schließlich geht es um die Arbeit von einem ganzen Jahr.