Das Forschungsinstitut Hohenstein in Bönnigheim hat aus Anlass des 125-jährigen Geburtstages  des Gründers der Institute, Prof.  Dr.-Ing. Otto Mecheels, ein Buch veröffentlicht, in dem von den Autoren Stefan Mecheels und   Josef Kurz sechs Persönlichkeiten beschrieben werden, die alle eine Ausbildung in Chemie absolviert haben.

So unterschiedlich ihre beruflichen Tätigkeiten waren, war ihnen der forscherische Geist und Fleiß gemeinsam. „Der Beruf war ihr Leben“ heißt es in der Einleitung.

Dies gilt auch für Otto Mecheels, geboren 1894 in Bönnigheim. Besonders interessant ist dessen Hohensteiner Zeit ab  1946, dem Gründungsjahr des privaten Forschungsinstitutes für Textilindustrie und Bekleidungsphysiologie. Bis 1962 hatte Mecheels die Leitung inne.

Sein beruflicher Weg führte ihn nach dem Studium an der Technischen Hochschule (TH)  Stuttgart, dort geprägt vom Ordinarius für Organische und Pharmazeutische Chemie, Prof. Dr. phil. William Küster, in die Praxis der Textilindustrie. Von 1921 bis 1929 war Mecheels bei der Bönnigheimer Nähseidenfabrik Amann und Söhne tätig, in dieser Zeit promovierte er an der TH. Der Leser erfährt viel über die Betriebstechniken und die Unternehmensgeschichte. Aber immer steht der Lebensweg Mecheels im Mittelpunkt, der Überlegungen über die eigene Zukunft anstellte.

Ein Wink des Schicksals war eine Anzeige, in der das staatliche Technikum für Textilindustrie in Reutlingen einen Lehrer für den chemischen Unterricht, speziell für Textil- und Veredelungsmaschinen, suchte. Diese Stelle trat Mecheels nach erfolgreicher Bewerbung im April 1929 an.

Von 1935 bis 1945 war er dann als Oberstudiendirektor der Höheren Fachschule für Textilindustrie in Mönchengladbach tätig. Autor Kurz beschreibt detailliert die Entwicklung der Textilindustrie  in dieser Zeit und wie die Nationalsozialisten Ziele vorgaben, etwa ab 1934 durch das „Nationale Faserstoffprogramm“.

Die Mitarbeiter vor Angriffen der Partei geschützt

Die Beschreibung der Einstellung von Otto Mecheels zu den Nazis gehören mit zu den spannendsten Seiten des Buches, 1946 wird er von der Spruchkammer Ludwigsburg in die Gruppe der Entlasteten eingereiht. „Die Zugehörigkeit zur NSDAP hatte keinerlei Einfluss auf die politische Einstellung des Betroffenen. Er wahrte sich während der ganzen Zeit seine selbständige politische Meinung und hat sich in außerordentlichem Maße mit Erfolg bemüht, seine Mitarbeiter vom Nationalsozialismus fern zu halten und sie vor den Angriffen der Partei zu schützen“, heißt es in der zweiseitigen Urteilsbegründung.

Mecheels hatte schon 1935 die Weichen für einen spätere Forschungsschwerpunkt gestellt, die Herstellung wirksamer Schutzkleidung für Arbeiter im Freien. Ein Aufgabengebiet, das  bis heute in den Hohenstein Instituten eine fachliche Heimat hat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Otto Mecheels am 1. Januar 1946 dann Eigentümer und Leiter des „Forschungsinstituts für Textilindustrie und Bekleidungsphysiologie Hohenstein/Württ.“ Obwohl er von allen Seiten Unterstützung erhielt, gelang es 1946 nicht, eine solide Finanzierung des Institutes auf die Beine zu stellen. Erst Ende 1947 ging sein unternehmerisches Konzept auf – er wusste jetzt wie man ein „gewerbliches Forschungsinstitut“ organisiert und leitete, zudem hatte Mecheels gelernt, dass das Wort „Forschung“ eine magische Kraft besaß.

Der 1979 verstorbene Otto Mecheels konnte  viele Erfolge aufweisen. Schon 1949 gründete er die Lehranstalt Hohenstein für  Bekleidungstechnik und Textilchemie. In Hohenstein wurde eine Mischfaser aus Viskose und Fischeiweiß bis zur industriellen Herstellung entwickelt und grundlegende  Forschungsarbeiten über die Physiologie der  Kleidung geleistet.

Das lesenswerte Buch „Forschung für ein besseres Leben“ hat 514 Seiten, es kostet 59,95 Euro und kann in der Presseabteilung des Forschungsinstituts bestellt werden, ISBN 978-3-00-063322-5.

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