Integration Unklare Sicht auf das Jahr 2018

In dem Mehrfamilienhaus in der Löchgauer Straße hat die Gemeinde Erligheim mehrer Asylbewerber untergebracht.
In dem Mehrfamilienhaus in der Löchgauer Straße hat die Gemeinde Erligheim mehrer Asylbewerber untergebracht. © Foto: Helmut Pangerl
Roland Willeke 19.12.2017

Seit einem Jahr kümmert sich Diakonin Debora Schütz um geflüchtete Menschen in den Gemeinden Bönnigheim, Erligheim und Kirchheim. Im Rahmen einer Projektstelle „Gelebtes Evangelium“ der evangelischen Landeskirche Württemberg hat der Kirchenbezirk Besigheim zusammen mit dem Gemeindeverwaltungsverband Bönnigheim die 100-Prozent-Stelle für fünf Jahre ins Leben gerufen. Für die in Erligheim wohnenden Flüchtlinge bietet Debora Schütz regelmäßig an Dienstagen ihre Sprechstunde an. Daneben arbeitet sie mit den ehrenamtlichen Helfern zusammen. Gerade sie sind in Erligheim sehr rührig und treffen sich regelmäßig am „Runden Tisch Asyl“, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Im Alltag bieten die Ehrenamtlichen Hilfe in allen Lebenslagen, beispielsweise im Kontakt mit Behörden oder beim vertraut werden mit der deutschen Sprache und den lokal üblichen Sitten und Gebräuchen.

Seit Februar 2017 ist auch die Caritas in der kommunalen Anschlussunterbringung tätig. Man arbeitet in einer so genannten „Komm-Struktur“. Darunter, so Hauptamtsleiter Pietro Leonetti, sei zu verstehen, „dass die Leute freiwillig kommen“, um sich Rat und Hilfe zu holen.

36 Flüchtlinge im Ort

Derzeit leben in Erligheim 36 Flüchtlinge. Einer kam erst in der letzten Woche im Rahmen einer Familienzusammenführung hinzu. Die meisten wohnen in kommunalen Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünften, wie in der Löchgauer Straße. Zehn Personen konnten bei privaten Vermietern untergebracht werden. Eine nicht ganz einfache Angelegenheit, wie neulich offenbar wurde, als zu einem von der Gemeinde organisierten Treffen für potenzielle Vermieter zwar Verwaltungsmitarbeiter und Mitglieder des Runden Tisches Asyl erschienen, aber kein einziger Erligheimer, der eine Wohnung zu vermieten gehabt hätte, wie sich Bürgermeister Rainer Schäuffele im Gemeinderat erinnerte.  

Jetzt schaut man gespannt ins neue Jahr. Denn ab Januar soll der Pakt für Integration, den die Landesregierung mit den Kommunen geschlossen hat, seine Wirkung entfalten. Mit dem Pakt für Integration stellt das Land den Kommunen in diesem und im kommenden Jahr insgesamt 320 Millionen Euro zur Verfügung. 140 Millionen Euro werden in konkrete Integrationsförderprogramme und -maßnahmen investiert. 180 Millionen Euro erhalten die Kommunen pauschal als Unterstützung für die Integrationsarbeit vor Ort.

Dort sind die Einzelheiten des Programms indes noch nicht angekommen. So weiß man in Erligheim zur Stunde noch nicht, ob und wie viele Integrationsmanager im Ort tätig sein werden und in welchem organisatorischen Rahmen. Darauf zielte auch ein Einwand von Gemeinderat Gustav Schabinger ab, der sich fragte, welche der beteiligten Institutionen in Erligheim –  Diakonie, Caritas oder Integrationsmanager – die Gesamtverantwortung trage.

Wie sich die Integrationsmanager, die der Landkreis zusammen mit den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege – AWO, Diakonie, Caritas und andere – rekrutiert, auf die Arbeit von Diakonin Schütz auswirken wird, ist noch nicht abzusehen. Debora Schütz hofft, künftig mehr Zeit für Projektarbeit zu haben. Für ihre bisher geleistete Arbeit erhielt sie den ausdrücklichen Dank des Gemeinderats.

Im Gespräch mit der BZ nannte Hauptamtsleiter Pietro Leonetti einen bisher vorläufigen Personalschlüssel, demzufolge ein Integrationsmanager für 80 Personen zuständig sein soll. Auch die Integrationsmanager werden in einer Komm-Struktur arbeiten, berichtete er im Gemeinderat. Das einzig Konkrete, was bisher festzustehen scheint, ist, dass Erligheim für 26 in der Kommune lebende Flüchtlinge Mittel aus der Pauschalzuwendung des Landes bekommen wird.

Im Erligheimer Rathaus weiß man schon, dass 2018 weitere 18 Menschen mit Fluchterfahrung, so der amtliche Sprachgebrauch, zur Anschlussunterbringung ins Dorf kommen werden. Für sechs Personen hat man bereits Plätze, zwölf sind noch unterzubringen. Hauptamtsleiter Leonetti hält diese Zahlen für einigermaßen belastbar und zeigte sich überzeugt, dass die Gemeinde ihre Aufnahmepflicht 2018 erfüllen kann.