Bönnigheim / Uwe Deecke  Uhr

Einfache Unkrautvernichtung ohne viel Bücken und ohne den Einsatz von Chemie, geht das? Unternehmer und Tüftler Frank Kölle verkauft seit vielen Jahren alle Arten von Gartentechnik im Bönnigheimer Industriegebiet: Rasenmäher, Kettensägen, Hochdruckreiniger, Hochgrasmäher, Motorsensen, Schneeschieber und natürlich Kehrmaschinen bekommt man hier, die auf Straßen und Wegen für Sauberkeit sorgen. Ein urschwäbisches Unternehmen also, das sich über viele Jahre seine Stammkundschaft über den Landkreis hinaus erworben hat. Und hier arbeiten auch schwäbische Tüftler. Das Unternehmer hat sich vor gut zehn Jahren verjüngt, als Frank Kölle die Geschäftsführung von seinem Vater Wilhelm übernommen hat. Und auch der war ein Tüftler, der ständig die Maschinen verbesserte und für die hiesigen steilen Weinberge nutzbar machte.

Dass sich aus Rasenmähern auch etwas anderes machen lässt, diese Idee kam ihm bei einem Lieferantenbesuch im Jahr 2017. „Das müsste man mal probieren“, hat er sich damals gesagt. Kölle ersetzte die Messer im Rasenmäher durch eine selbst hergestellte Aluminiumscheibe mit dicken Nylonfäden. Das Ergebnis war überzeugend: Der „Fugenblitz“ ließ sich so schnell wie ein Rasenmäher bewegen und der Pflasterbelag war hinterher völlig sauber, ganz ohne Chemie und großen Aufwand, wie ihn die teuren Heißwasserreiniger verursachen.

„Später bin ich auf die Idee mit dem Drei-D-Drucker gekommen“, erklärt der Tüftler im Gespräch mit der BZ. Statt der Aluscheiben kann der Drucker passende Kunststoffscheiben herstellen, die die vier Millimeter starken Nylonfäden bewegen. Der Trick seiner Erfindung, die er sich schützen ließ: Sie geht mit den rotierenden Nylonfäden ganz auf den Boden bis in die Fugen und eliminiert dort jedes Unkraut, das sich auf Pflasterfläche gerne ansammelt. Das Unkraut wird auch im Auffangbehälter gesammelt, in einem Arbeitsgang ist alles erledigt.

Der erste Kunde war der Bönnigheimer Bauhof, der gleich vom „Fugenblitz“ überzeugt war, auch im benachbarten Kirchheim war bald einer im Einsatz. Dann stellte er sein selbst gemachtes „YouTube“-Video, ganz ohne Text und nur mit dem Originalsound des Honda-Motors ins Netz und alles ging von selbst. Der erste Bahnkunde kam aus Nürnberg. Er kaufte das Gerät für die großen Pflasterflächen, die dort ständig gereinigt werden müssen. Inzwischen seien 20 Bahnhöfe in ganz Deutschland mit seinem Fugenblitz ausgestattet, darunter Frankfurt, Düsseldorf und München, so Frank Kölle.

Überwiegend Professionelle

Noch sind es weniger Privatkunden, die sich einen „Fugenblitz“ anschaffen. „80 Prozent sind Professionelle“, verrät Kölle, also Dienstleister, Landschaftsgärtner, Fuhrunternehmen und Bauhöfe von Kommunen, die so ihre großen Flächen säubern.

200 bis 500 Quadratmeter können mit einem Nylonsatz gereinigt werden, dann muss man neue Fäden einziehen. Für Ecken und Kanten wie etwa bei Treppen hat Kölle auch eine Lösung gefunden: Dort kommt sein „Randblitz“ zum Einsatz, der auch an schwierigen Stellen arbeiten kann.

Bei den Messen, die der gelernte Landmaschinenmechaniker besucht, rennt er mit seiner Erfindung offene Türen ein. Für Kunden die es ohne Verbrennungsmotor und leiser mögen, hat der 40-Jährige bald auch eine passende Lösung mit einem akkubetriebenen Fugenreiniger. „Wir arbeiten dran“, verrät der Tüftler, der noch nach den passenden Maßen für einen Akku sucht, der in die momentanen Maschine funktioniert. Im Frühjahr soll es soweit sein, dass der „Fugenblitz“ mit Elektroantrieb und ganz ohne Kabel verkauft werden kann, die Öko-Lösung schlechthin. Seine Erfindung gibt es entweder komplett als Maschine oder für geschickte Bastler als einfacher Anbausatz.

300 000 „YouTube“-Klicks

Dass sein Video inzwischen schon 300 000 Mal angeklickt wurde, hat den Schwaben auch etwas verwundert. Bestellungen gab es inzwischen viele, doch seine Drei-D-Drucker können nur wenige Kunststoffscheiben, die auf Maisstärkebasis hergestellt sind, anfertigen. Deshalb will er auch bald aufrüsten und sich noch weitere Drucker anschaffen. Und irgendwann auch mal sein Video vertonen.