Löchgau / Von Uwe Deecke

Der Gasverbrauch im Süden steigt, gleichzeitig soll die Versorgungssicherheit mit einer neuen Erdgasleitung gewährleistet werden. Rund 30 Teilnehmer waren am Montagabend in die Löchgauer Gemeindehallte gekommen, um sich an den Schautafeln zu informieren oder an großformatigen Karten den favorisierten Verlauf der Neckarenztalleitung mit den Projektverantwortlichen zu diskutieren.

29 Kilometer lang

Rund 29 Kilometer lang wird sie werden, nachdem das Regierungspräsidium im Raumordnungsverfahren einen Trassenkorridor favorisiert hat. Beginnen will die EnBW-Tochter „terranets bw“ mit dem Anschluss bei Wiernsheim Ende nächsten Jahres. Von dort verläuft die Trasse über Eberdingen, Vaihingen, Oberriexingen, zwischen Sachsenheim und Bietigheim nach Löchgau, von wo es weiter in Richtung Heilbronner Industriegebiet gehen soll (die BZ berichtete). Ein Hauptgrund des Baus, erklärte Projektleiter Christoph Kröhnert an der Karte, sei der beantragte Bau eines Gaskraftwerks, das dort entstehen soll. Transportieren wolle man in der Hochdruckleitung hauptsächlich westeuropäisches Gas der Trans-Europa-Naturgas-Pipeline, die von Holland nach Italien verläuft und auch viel Nordseegas aus Norwegen in den Süden bringt.

„Wir wollen alles, was an Informationen kommt, aufnehmen und bewerten“, so Kröhnert, und auch kleine Änderungen in der Trassenführung seien noch möglich. Besonders gefordert waren diese im Bereich der Petershöfe und am Scheulerhof, wo die Trasse zwei Varianten der Umgehung zeigt und dann kerzengerade Richtung Nordosten zum Steinbach führt. Hier die Feldwege zu nutzen statt alle Grundstücke zu queren, war eine vehemente Forderung der Grundstücksbesitzer. Der gerade Verlauf missfiel einigen der Teilnehmer. Sie befürchten, dass bei den vielen kleinen Parzellen unnötig viele Besitzer tangiert werden und dass später auch kein Bau eines Schuppens mehr möglich ist. Dort, wo Wasserleitungen liegen, sei auch ein Schutzstreifen was eine parallele Verlegung verhindere, machte Kröhnert deutlich. Die Pläne waren den Teilnehmern dabei nicht aussagekräftig genug. „Warum kann man die bestehenden Leitungen nicht sehen?“, fragte einer der Anrainer, so habe die Diskussion keine echte Grundlage.

300 Meter Mehrlänge

Die vorgeschlagenen neuen Verläufe an den Petershöfen nahm der Projektleiter schriftlich auf, versprechen wollte er aber nichts. Dies bedeute 300 Meter Mehrlänge, und man sei auch gehalten wirtschaftlich zu planen. Problematisch sei auch bestehende asphaltierte Feldwege zu nutzen. Dann müsse jedes Mal gesperrt und aufgegraben werden, wenn es zu Wartungsarbeiten komme. Die bereits planfestgestellte Süd-Erdgasleitung (SEL), in deren Trasse man weiter Richtung Norden möchte, ist dabei ebenso ungewiss wie der Kraftwerksbau bei Heilbronn. Gleichwohl habe man die offizielle Anfrage der EnBW zum Bau des neuen Gaskraftwerks so Kröhnert. Dass mit dem Bau der Erdgasleitung auch die Netzentgelte für die Verbraucher steigen, sprach ein Besitzer aus den Petershöfen an. „Dann möchten wir auch mitbestimmen“, so der Teilnehmer.

Die Anregungen wurden beim ersten Dialogmarkt jedenfalls aufgenommen, mit ungewissem Ausgang. „Es kann auch sein, dass wir ablehnen“, machte Kröhnert klar, wenn andere Interessen wie Naturschutz oder Wirtschaftlichkeit entgegenstehen. Im aktuellen Planfeststellungsverfahren sollen die Pläne nach der Bewertung im zweiten Halbjahr öffentlich ausgelegt werden.

Beginnen will man im Herbst 2020 bei Wiernsheim, Löchgau wird von der Baumaßnahme erst ganz am Schluss des Projekts betroffen sein.