Verkehr Tempo 30 künftig auch tagsüber?

Kirchheim / Uwe Deecke 17.05.2018

Die Lärmwerte würden in Kirchheim nach dem Lärmaktionsplan durchaus ausreichen, um ganztägig Tempo 30 anzuordnen. Doch es gebe, so sagte Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold, im Gemeinderat auch große Befürchtungen, dass sich der Verkehr dann nach innerorts verlagere. Bereits prognostiziert wurden in einer erstellten Verkehrskonzeption 2000 bis 2500 zusätzliche Fahrzeuge pro Tag auf den innerörtlichen Schleichwegen über die Bahnhofstraße, Wilhelmstraße und Schillerstraße.

Der vor längerem im Gemeinderat vorgestellte Lärmaktionsplan des Büros BS Ingenieure errechnete eine klar erhöhte Lärmbelastung an der Bundesstraße, die bis zu 24 000 Fahrzeuge am Tag aufnimmt (die BZ berichtete). 65 bis 70 Dezibel betreffe 118 Einwohner, über 70 Dezibel gebe es bei  57 Einwohnern. Die dichte Bebauung bewirke Schallreflexionen, die sehr hohe Immissionspegel bis zu 74 Dezibel erzeugen, so das Ergebnis der Untersuchung.

Noch eine Untersuchung

Bereits umgesetzt wurde eine Belagserneuerung im Jahr 2009, die 2 Dezibel Reduzierung brachte, auch wurden Lärmschutzfenster in einzelnen Häusern eingebaut. Auch einige Lärmschutzwände wurden errichtet und es gibt nachts bereits die Tempo-30-Regelung. Würden auch tagsüber nur 30 Kilometer pro Stunde gefahren, bringe dies zwei bis drei Dezibel Lärmminderung, so die Untersuchung, doch diese sollte im Rahmen einer zusätzlichen Verkehrsuntersuchung hinsichtlich des Ausweichverkehrs betrachtet werden.

Dies fordert nun auch das Regierungspräsidium, das in seiner Stellungnahme noch einige Fragen offen sieht. Die Stuttgarter Behörde „sieht hinsichtlich der von der Gemeinde vorgesehenen Geschwindigkeitsbeschränkung auf der B27 auf Tempo 30 tagsüber weiteren Prüfungsbedarf und hat deshalb noch keine Zustimmung erteilt“, heißt es in der Vorlage zur heutigen Gemeinderatssitzung. Einige Punkte müssten noch geklärt werden: „Führen die Verlagerungsverkehre zu Lärmproblemen im nachgeordneten Netz und in welchem Umfang?“, will das Regierungspräsidium vorab wissen.

Um dies zu ermitteln, müsste die aktuelle Lärmsituation im nachgeordneten Netz, also der Schillerstraße, Wilhelmstraße und Bahnhofstraße, mit der zu erwartenden künftigen Situation gegenübergestellt und verglichen werden, fordert die Kommune. Weil dies aber nicht untersucht worden ist, sei ein neuer Auftrag an das Ingenieurbüro erforderlich.

Des Weiteren will das Regierungspräsidium klären lassen, inwieweit die Verlagerungsverkehre zu Verkehrssicherheitsproblemen im nachgeordneten Netz führen. Im Klartext bedeuten die Zweifel der Behörde, dass womöglich durch eine Tempo-30-Regelung tagsüber der Lärm nur innerorts verlagert wird und es zu Sicherheitsproblemen kommt.  Zum Thema Sicherheit könne das Landratsamt erst eine Prüfung durchführen, wenn die Ergebnisse einer neuen Untersuchung vorliegen, so die Haltung der Verwaltung. Je weniger Verdrängungsverkehr es auf den Ausweichstraßen gebe, desto geringer sei die Wahrscheinlichkeit für größere Sicherheitsprobleme, erklärt Bürgermeister Uwe Seibold auf Anfrage der BZ. „Ein Grundsatz ist, dass bei der Einführung von Tempo 30 der Verkehr nicht verlagert wird“, so Uwe Seibold. Er findet es nicht nachvollziehbar, dass die kommenden Ampeln an der B27 in die Betrachtung nicht einfließen.

Seine Verwaltung schlägt vor, das geforderte Maßnahmenkonzept gegen Schleichverkehr, das von baulichen Veränderungen bis zum LKW-Verbot reicht, zur Prüfung der Straßenverkehrsbehörde Ludwigsburg zukommen zu lassen. Außerdem sollen die Berechnungen zur Lärmsituation im nachgeordneten Netz erst nach Prüfung der vorgelegten Maßnahmen durch das Landratsamt und das Regierungspräsidium Stuttgart durchgeführt werden.

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