Leider, so muss Manfred Häusser vom Obst- und Gartenbauverein, ehemaliger Geschäftsführer der Strombergkellerei, feststellen, gibt es kaum Äpfel und Birnen auf den Bäumen im Obstsortengarten im Schlossfeld in Bönnigheim. So gut das Jahr 2018 für die Apfelernte war, so schlecht ist es in dieser Saison. „Eigentlich dachten wir bei der Festlegung des Termins für die Führung, wir könnten den Teilnehmern viele Äpfel an den Bäumen zeigen“, sagt Häusser. Doch: Nur vereinzelt hängen Äpfel an den Ästen. „Meist ist es so, dass einem Jahr mit vielen Äpfel eines mit wenigen folgt, die Bäume müssen sich erholen“, so sagt er.

Die Teilnehmer an diesem Rundgang sind meist private Besitzer eigener Obstbäume. Sie kommen sogar aus Heilbronn, um sich die Sorten erklären zu lassen. Denn Obstsortengärten, so sagt Manfred Häusser, gibt es selten. Der nächste ist in Neckarweihingen. Ein Mann hat vor Kurzem die Obstwiese seiner Mutter übernommen, jetzt will er weitere Sorten anbauen. Ein anderer experimentiert mit Veredelungen seiner alten Bäume. Eine Frau ist ganz begeistert, dass es auch Mispelbäume gibt. „Die brauchen erst ein paar Nächte Frost“, sagt Häusser zu ihr. Aber sie solle bei der Bönnigheimer Stadtverwaltung anrufen, man könne sich dort für die Ernte einzelner Bäume anmelden. Die Bewohner des Schlossfelds machen das zum Teil auch. „Die wohnen mitten im Paradies“, sagt Häusser. Was nicht abgeerntet wird, bleibt hängen oder wird vom Bönnigheimer Bauhof gepflückt, verkauft, zu Saft oder Bränden verarbeitet. Der Erlös wird für den Erhalt des großen Gebiets verwendet. „Das ist mühevolle Arbeit, denn das ist Handarbeit, da muss man Baumschnitte machen, ernten, die Wiese mähen“, so Häusser.

Der weibliche Sanddornbaum, so Häusser, wird den Winter wohl nicht überleben, er hat keine Blätter mehr und die orangenen Früchte sind vertrocknet. Ein Teilnehmer erzählt, dass die Beeren auch „Zitrone des Ostens“ genannt werden. Er weiß, dass der Sanddorn in der DDR an der Ostseeküste als Vitamin-C-Lieferant angebaut wurde, „weil es keine Zitronen und Orangen gab“. In Süddeutschland sei es eher schwierig, den Baum anzubauen, weil er sandigen Untergrund benötige. Die Bäume, so erklärt Manfred Häusser auf Nachfrage, würden nicht gespritzt.

Der Obstsortengarten im Schlossfeld


Als Ausgleichsmaßnahme für das Wohngebiet Schlossfeld wurde der Obstsortengarten 2001 auf städtischem Grund angelegt. Die Initiative wird getragen von der Stadt Bönnigheim,  dem Nabu, dem BUND, dem Kreisnaturschutzbeauftragten, dem Kreisobstberater, dem Erwerbsobstbauverband, der Historischen Gesellschaft und dem Obst- und Gartenbauverein Bönnigheim.

500 Bäume tragen 300 regionale, alte und seltene Sorten. Die vorherrschenden Arten im Bönnigheimer Obstsortengarten sind der Apfel und die Birne in vielen Sorten. Es finden sich aber auch Süßkirsche, Sauerkirsche, Zwetschge, Mirabelle, Zibarte, Quitte, Walnüsse, Speierling, Sanddorn, Esskastanie, Mandel, Pfirsich, Maulbeere und Mispel.

Sorten sind beispielsweise Moserapfel, Spielberger Wieslesapfel, Geisinger Liebling, Andenken an den Kongress, Katzenkopf, Knausbirne, Grünmöstler, Roter Herbstkalvill, Bratzelapfel, Blauluiken, Schorndorfer Dornbirne, König Karl von Württemberg. sz