Schwerpunkt Stadtführungen Stadt mit außergewöhnlichen Frauen

Meike Junginger in ihrem Element: Bei „Frauengeschichten und Ganerbiat – Starke Frauen, scharfe Klinge“ schlüpft sie in der Rolle der Angelica Brentano und  präsentiert die Geschichten der großen Frauen aus Bönnigheim.
Meike Junginger in ihrem Element: Bei „Frauengeschichten und Ganerbiat – Starke Frauen, scharfe Klinge“ schlüpft sie in der Rolle der Angelica Brentano und präsentiert die Geschichten der großen Frauen aus Bönnigheim. © Foto: Martin Kalb
Bönnigheim / Von Uwe Deecke 10.03.2018

Im Trio mit musikalischer Begleitung oder auch alleine ist seit 2011 Meike Junginger als Stadtführerin in der historischen Altstadt von Bönnigheim unterwegs.

„Jede Gruppe ist anders“, sagt Junginger, die auch im Förderverein der Historischen Gesellschaft ist. Und eine Gruppe belebe auch die Führung, wenn der eine oder andere mit eingebunden wird. Als Stadtführerin tut sie das, indem sie etwa einem Teilnehmer am Arzney-Museum die Rolle des Apothekers zuweist, der dann von ihr auf Schwäbisch die Meinung gesagt bekommt, zum Leidwesen des Apothekers und zur Unterhaltung der Gäste. Und um Unterhaltung geht es bei aller Wissensvermittlung auch.

Entstanden ist das Trio aus Meike Junginger, Jürgen Heß und der Klarinettistin Helga Engster-Möck aus der Schauspielgruppe des Musicals „Franziskus“ heraus, das als Großprojekt vom Musikvereins Stadtkapelle Bönnigheim anlässlich des 100-jährigen Vereinsbestehens umgesetzt wurde. Von den 20 damals mitwirkenden Schauspieler haben diese drei weitergemacht und sind nun ein Teil des Angebots an Bönnigheimer Stadtführungen. „Frauengeschichten und Ganerbiat“ lautet der Titel der Führung, die sich über mehrere Stationen erstreckt und an jedem Punkt eine gespielte Geschichte mit musikalischer Untermalung zeigt. Am Schloss gibt es zur gespielten Szene höfische Musik, in der Cyriakuskirche eher intensives Spiel auf der Klarinette.

Natürlich holt sich Meike Junginger auch den Rat von Kurt Sartorius ein, wenn es um geschichtliche Themen geht. Und auch die Archivarin der Stadt Bönnigheim – Helga Engster-Möck – ist gefragt, wenn Dinge auf ihre Richtigkeit überprüft werden müssen.

Das Ganerbiat, die Vierteilung der Stadt mit allen Folgen und Risiken, und auch die Rolle der Kirche sind manchmal nicht ganz einfach für auswärtige Besucher. Wer glaubt auch heute noch, dass es verboten war, ein Mädchen von der anderen Straßenseite zu ehelichen, weil dazwischen eine Grenze verlief?

Und ihre Frauen, die Junginger vorstellt, kennt nicht jeder: Das Leben von Sophie La Roche oder der kinderreichen „Schmotzerin“ wird fundiert, aber auch unterhaltsam vermittelt.

Meist mache sie das auf Schwäbisch, doch manchmal auch auf Hochdeutsch, wenn gelesen wird, sagt die 53-jährige Stadtführerin. Sprachbarrieren mit Norddeutschen gab es dabei bislang keine, zumindest habe sich noch keiner gemeldet. Zwei öffentliche Führungen gibt es über das Jahr, doch das Trio –  oder auch nur sie – können auch von Gruppen gebucht werden. Zu Geburtstagen, Klassentreffen, Familientreffen oder Taufen habe sie schon gespielt, auch ein Chor war schon dabei. „Der Anspruch ist Unterhaltung mit Wissen“, so Junginger, die ihre Texte auswendig kennt und alles frei spricht.

20 bis 30 Personen nehmen an den Führungen in der Regel teil, auch Kinder. Und für diese seien Unterhaltungselemente besonders wichtig, damit sie interessiert dabei bleiben, weiß die Stadtführerin.

Für die frühere Gemeinderätin sind die Stadtführungen ein Ausgleich zu ihrem täglichen Beruf in der Sozialstation, wo sie die Trauergruppe leitet. „Die Begeisterung und die Nähe zu den Leuten“ machen für sie die Faszination der Arbeit als Stadtführerin aus. Sie will den Menschen etwas Positives mitgeben, bei aller Wissensvermittlung zur Bönnigheimer Geschichte und den schwierigen Frauenrollen, die es damals gab. Aber auch etwas mitnehmen, denn die Führungen sind nicht umsonst. Fünf Taler, zahlbar auch in Euro, kostet die öffentliche Führung, wenn sie als Angelica Brentano und Jürgen Heß als Ganerbe Friedrich von Sachsenheim durch die Straßen Bönnigheims ziehen.

Die nächste Führung startet am 15. April auf dem Kirchplatz bei der Cyriakuskirche.

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