Museum Stadt ist um eine Attraktion reicher

Dr. Karl-Friedrich Freiherr von Richthofen und Museumsleiterin Charlotte Nerl-Steckelberg präsentierten das Porträt von Sophie La Roche.
Dr. Karl-Friedrich Freiherr von Richthofen und Museumsleiterin Charlotte Nerl-Steckelberg präsentierten das Porträt von Sophie La Roche. © Foto: Uwe Deecke
Bönnigheim / Uwe Deecke 09.10.2018

Dass man am Bönnigheimer Kultursonntag in den Roten Saal im Stadionschen Schloss auswich, hatte seinen Grund. Das Interesse war groß und das kleine Museum Sophie La Roche über der Vinothek hätte dafür wohl kaum ausgereicht.

Museumsleiterin Charlotte Nerl-Steckelberg freute sich über das Porträt der Schriftstellerin, das sie nun ein Jahr lang bis zum 20-jährigen Jubiläum des Museums in den eigenen Räumlichkeiten zeigen darf. Nach der Gründung im Jahr 1999 seien es inzwischen 19 Jahre, in denen man versuche, das Gedenken an Sophie La Roche wachzuhalten, so die Museumsleiterin.

Nur ein Schwarzweißfoto existierte bislang von der damals 23-jährigen Vorreiterin in Sachen Frauenbewegung, die sich für ganzheitliche Erziehung und gute Lebensführung stark gemacht hatte. Dass es nun im Original auftauchte, ist Dr. Karl-Friedrich Freiherr von Richthofen zu verdanken, der als ehrenamtlicher Archivar des Familienverbandes in Melle bei Osnabrück die Kunstschätze der Familie verwaltet und 1975 ins frühere Gut nach Schlesien gereist war.

Auf dem Dachboden entdeckt

Dort, erklärte der Freiherr, habe man auf dem Dachboden mehrere Bilder gefunden. Nach 20 Jahren seien sie an die rechtmäßigen Besitzer übergegangen, sie wurden gereinigt und gefirnist. Es gab eine Anfrage an das Museum, und bald war klar, dass es sich um ein Porträt der jungen Sophie La Roche handeln würde. Und auch das Alter des Bildes konnte schnell bestimmt werden. Eine Notiz des Sohnes auf der Rückseite verweist auf das Jahr 1753. „Ewige Jugend“ trete einem mit dem Bild der Sophie entgegen, anders als die meisten Porträts innerhalb der Familie, so der Familienarchivar. Und auch Intellekt in einer Familiengeschichte, die von Richthofen ausführlich beleuchtete.

Enge Verbindung

„Es ist ein Bild, das uns sehr mit Bönnigheim verbindet“, so der Freiherr, von einer „Persönlichkeit, die in einem bewegten Leben vor viele Herausforderungen gestellt war und in vielem voraus war“. Der Schlossbesitzer Graf von Stadion, der Mäzen des Künstlers Johann Heinrich Tischbein, habe als „Aristokrat alten Stils“, aber auch als Aufklärer und Anhänger Voltaires gegolten. Sophie, die in seinem Schloss mit ihrem Mann Georg Michael Frank von La Roche lebte, sei täglich damit beschäftigt gewesen, Zeitungen in mehreren Sprachen auszuwerten und habe aus „therapeutischen Gründen zur Feder gegriffen“. Ihre intellektuellen Fähigkeiten hätten sie zu ihrem Erfolg befähigt. Während ihrer Zeit in Bönnigheim vollendete Sophie La Roche (1730 bis 1807) ihren ersten großen Roman „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“, der zum Bestseller wurde.

Für Leiterin Charlotte Nerl-Steckelberg ist das Werk, das ab Dienstag im Museum hängen wird, eine deutliche Aufwertung ihres Museum, das im nächsten Jahr Jubiläum feiert. Und auch bestens geeignet, den Literarischen Radweg zwischen Lauffen, Brackenheim, Kirchheim und Bönnigheim noch bekannter zu machen.

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