Die Besetzung in der Komödie „Chaim und Adolf“ ist professionell und charakterstark. Hier prallen Charaktere aufeinander in einer Begegnung wie sie überall dort denkbar ist, wo deutschstämmige Juden den Bezug zu ihren Wurzeln suchen.

In der Komödie, die 2017 auch verfilmt wurde macht sich Chaim Eisenberg, besagter Israeli mit deutschen Wurzeln auf und  kommt zum wiederholten Male zum Wandern ins Schwabenland in dasselbe Dorf und in denselben Gasthof wie immer. Doch eines fehlt ihm in der Idylle: Ein adäquater Schachpartner. Gastwirt Martin weiß Rat, denn dafür kommt nur einer in Frage: Bauer Adolf. Der Vorname des Bauern löst bei Chaim zunächst Verwunderung und Empörung aus. Er versteht nicht, dass dieser Vorname immer noch von Eltern für ihr Kind ausgesucht wird, mit Blick auf die Vorgeschichte um Diktator Adolf Hitler. Dennoch lässt er sich auf die Schachpartie ein, und Adolf entpuppt sich als kluger und schlagfertiger Partner mit Witz und Humor.

Mehr verbunden als geglaubt

Mit dem gemeinsamen Spiel, das von Gastwirt Martin aufmerksam verfolgt wird, beginnt gleichzeitig eine Spurensuche in die Vergangenheit. Am Ende finden die beiden sogar heraus, dass sie mehr verbindet als sie je geglaubt hatten. Mehr noch als die Liebe zu Springer, Bauer, König und Dame verbinden die beiden verwandtschaftliche Bande. Doch bis es so weit kommt, sind Auseinandersetzungen von Nöten. Beide „Großmeister im Schach“ sind markante Charaktere und zeigen das auch mit völlig verschiedener Prägung. in den Rollen erlebt man Martin Olbertz, Franz Xaver Ott und Stefan Hallmayer.

Einen treffenderen Spielort als die ehemalige Synagoge in Freudental hätte man wohl nicht finden können. Hier hängen alte Schwarz-Weiß-Fotografien an den Wänden von ehemaligen jüdischen Bürgern in Freudental, die entweder emigriert sind oder ins Konzentrationslager gebracht wurden. Hier fällt es leicht sich vorzustellen, wie ein Nachfahre von ihnen die Neugierde packt und er seine Wurzeln in der alten Heimat spürt und neu entdeckt.

Das Gespräch von Chaim und Adolf kommt auch auf eine einzigartige Liebesgeschichte, die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs ablief und bis heute wirkt. Tatsächlich sind die beiden Schachspieler durch ihre Vorfahren genau in diese Liebesgeschichte verwoben und finden sich bald als Cousins wieder. Große Gefühle keimen auf.

Die Verschiedenartigkeit der beiden bleibt, die verschiedene Prägung, die Lebensführung. Dafür hat das Theater Lindenhof markante Schauspielcharaktere abgestellt, die temperamentvoll und emotional mit gekonnter Zurückhaltung oder frei heraus ihre Rollen füllen.

Die Reaktionen im Publikum auf „Chaim und Adolf“ sind entsprechend. Alle Augen sind auf das Geschehen gerichtet. Ist Verständnis untereinander möglich trotz Vorurteilen und verschiedener Prägung? Bei Chaim und Adolf funktioniert dieses Verstehen letzten Endes. Doch zuvor kochten während der Schachpartie immer wieder die Gemüter hoch. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist für beide nicht einfach. Am Ende liegen sich die Cousins, so wie sich das die meisten gewünscht haben, in den Armen und freuen sich über diesen Schachzug des Schicksals.