Bönnigheim Spaßpädagogik baut Brücken zwischen den Generationen

Im Kulturkeller bot Kabarettist Matthias Jung Spaßpädagogik für die ganze Familie mit „Teenietus – Pfeifen ohne Ende?!“.
Im Kulturkeller bot Kabarettist Matthias Jung Spaßpädagogik für die ganze Familie mit „Teenietus – Pfeifen ohne Ende?!“. © Foto: Helmut Pangerl
Bönnigheim / Susanne Yvette Walter 06.11.2018

Matthias Jung versucht sich humorvoll als Übersetzer und Vermittler zwischen den Generationen. Allein diese Ankündigung sorgte dafür, dass der Kulturkeller in Bönnigheim am Samstagabend gut gefüllt war. Der von ihm so genannte „Teenagerblues mit seinen Teenietones“ beschäftige viele: Ist das Alien im Kinderzimmer ganz normal oder züchten wir gerade Pfeifen ohne Ende, so wie es sich im ersten Moment vielleicht anfühlt? So lauteten die Jungschen Ansatzpunkte

Jung entschied sich, vom Sozialpädagogen zum Kabarettisten zu mutieren und im Fernsehen sein Glück zu versuchen. Seit zehn Jahren tingelt er auf den Kleinkunstbühnen und tut das, was er in seinem Studium gelernt hat, nur mit viel Humor und als Brückenbauer zwischen den Generationen.

Am Samstagabend kam er nach Bönnigheim auf Einladung des Vereins Kulturfenster, um dort mit seinem „Chill mal“ Eltern und Erziehenden, Lehrern und allen, die mit dem „Phänomen Teenager“ zu tun haben, eine Perspektive zu schaffen im täglichen Umgang. Für einige ist Jung so etwas wie ein Retter in der Not, denn er spricht aus, was Eltern erschreckt und Angst macht. Er nennt die Bettwanzen beim Namen, die Asthma kriegen, weil „im Jugendzimmer die Selbstvernachlässigung des Bewohners wieder mal aus allen Ecken springt und der Staub seine Patina schweigend darüber legt“.

Wie weit Teenager gehen in Sachen Gleichgültigkeit gerade beim Thema Ordnung macht tatsächlich so vielen Erziehenden Sorge und sorgt für Verunsicherung, so dass Matthias Jung ein gefragter Ratgeber ist, der sich über Allgemeinplätze dem Thema nähert und Strömungen beschreibt, die zu Strömen werden und Kummerfalten auf die Stirn der Erziehenden werfen. Doch auch die bekommen den Spiegel vor die Nase gehalten mit dem Hinweis „Helikoptereltern, die ihren Kindern Permanentlösungen anbieten und sich dann wundern, warum sie keinen eigenen Antrieb haben. Die Mutter ist oft die Leiterin der Luftwaffe. Die kreiselt nicht. Die geht direkt runter“, brachte es Matthias Jung auf den Punkt.

Der Comedian fühlt sich als Deutschlands lustigster Jugendexperte und macht sich das „Chill mal“ zum Wahlspruch. Bei ihm wird das erschreckend unbekannte Land mit dem Namen „Teenagerpsyche“ zu einem Ort der Begegnung zwischen den Generationen. Er zeigt direkt, wie Jugendliche ticken, und schafft es, Fakten schmackhaft zu servieren, garniert mit Humor und Selbstironie. Damit nimmt Jung den Dampf aus dem Kessel, schafft ein gutes Klima für den neuen Anlauf zuhause. Denn: „Am Ende der Energie ist noch ganz viel Pubertät übrig“, ist einer seiner Slogans.

Jung prägte den Begriff Spaßpädagogik für die ganze Familie. Doch die Zielgruppe bleibt lieber zuhause oder verbringt den Samstagabend an der Bushaltestelle mit der „Peergroup“, als den Worten ihres Anwalts zu lauschen. Dabei tastet sich der Kabarettist über die Allgemeinplätze mitten hinein in die Teenagerseele. „Wer viel schläft, kann im Haushalt nichts helfen, denn Hausaufgaben muss er schließlich auch noch machen“, schaut er hinein in die Jugendratio. Kalkulation und das bewusste Einsetzen der Energien mache der Teenager von heute gerne zu seiner Aufgabe Nummer eins.

Damit auch Eltern bald wieder in der Lage sind, schmunzelnd den Abtrünnigen am Kragen zu schnappen und auf den rechten Pfad der Tugend in die Küche oder ins Jugendzimmer zurückzuführen, machte der humorvolle Pfälzer in Bönnigheim sein Publikum stark für eine neue Staffel: Tief Luft holen und mitlachen sollen die Eltern seiner Meinung nach, wenn der allwissende Nachwuchs mal wieder fragt, welche Staffel der Tagesschau gerade im Fernsehen kommt und Netflix die Fernsehwelt regiert.

Info Matthias Jung schrieb vor seiner Solokarriere für TV-Formate wie Harald Schmidt, „7 Tage 7 Köpfe“ und „TV Total“, bis er feststellte, „dass Rampenlicht sehr gut für den Teint ist“.

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