Ihre Einladung zur „Kulturköpfe“-Reihe in Bönnigheim nutzte Simone Stork, Leiterin des Keltenmuseums in Hochdorf, gerne zu einem ausgiebigen Exkurs. Die rund 20 Geschichtsinteressierten, die auf Einladung der Historischen Gesellschaft in die Alte Apotheke gekommen waren, erfuhren viel darüber, wie sich Museen im Lauf der Zeit verändert haben. „Säulen, Stufen als Annäherungshindernis und schrullige Gestalten“, so ist das Klischee eines Museums, in das Scharen von Kindern getrieben werden.

Das Staunen stehe zu Beginn, dann das Nachdenken und schließlich das Wissen, so Stork. Heute sei man indes in der „Teppichbodenzeit“ angelangt: „Kathedralen der Emotionen“ mit Glasvitrinen und ausgefeiltem Lichtdesign stellen das Erleben und weniger das Wissen in den Vordergrund. „Wir gehen weg vom Inhalt zum Erleben“, resümierte die erfahrene Historikerin. „Man hat viel erlebt, aber hat man auch etwas gelernt?“, fragte sie zu den neuartigen Museen, die mit viel Hightech und Effekten für den besonderen Museumsbesuch werben.

Die Museumslandschaft erlebe einen großen Wandel. Und die Grenzen zu Fantasy und altertümlichem Spektakel seien oft fließend, wenn man sich die Museumsplakate zu Keltenthemen anschaue, die vor allem die Kinder ansprechen.

Es sei eine Gratwanderung, was man in einem Keltenmuseum noch verantworten kann. Keltische Hochzeiten, Lesungen, Musik – oftmals gehe es um harte Währung, wenn keltische Heilsversprechen aus alter Zeit zum Produkt werden. „Baumkreishoroskope“, wie sie heute verkauft werden, habe es zur Keltenzeit nie gegeben und seien eine reine Erfindung. Und Keltenspiele mag Simone Stork nicht so sehr, seit sich manchmal auch ein Hakenkreuz auf der Haut zeige, wenn der Wams in der Hitze abgelegt werde.

Dann kam sie aber doch auf das Hügelgrab in Hochdorf zu sprechen, das mit seinen 60 Metern Länge und zahlreichen Grabbeigaben einem keltischen Fürsten aus dem Jahr 550 vor Christus zugeordnet wird. Die keltische Hallstatt-Kultur war von Ostfrankreich bis ins heutige Tschechien verbreitet. Es gibt noch viele Fragezeichen. Waren die Gräber in Hochdorf, Schöckingen und Ludwigsburg rund um ein großes Grab auf dem Hohenasperg angeordnet, und wer regierte hier? Und woher kam das Gold als Grabbeigabe? Stork vermutete Flussgold, dass in der Gegend gewonnen wurde. Manche Fragen blieben allerdings offen. Stork mochte ja nicht alles verraten – und den ein oder anderen auch im Museum wiedersehen.

Info  Das Keltenmuseum in Hochdorf hat Dienstag bis Freitag von 9.30 bis zwölf Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr geöffnet, Samstag, Sonntag und Feiertag von zehn bis 17 Uhr. Es gibt Sonderausstellungen, eine Wanderausstellung sowie Kurse in altem Handwerk. Die nächste Abendführung findet am 13. August um 19.30 Uhr statt.

www.keltenmuseum.de