Erligheim Sieg mit Romanze und Sonate

Yannick Kleinert ist Bundespreisträger im Wettbewerb Jugend musiziert.
Yannick Kleinert ist Bundespreisträger im Wettbewerb Jugend musiziert. © Foto: Susanne Yvette Walter
Susanne Yvette Walter 07.06.2018

Yannick Kleinert, 18 Jahre, aus Erligheim hat ein Erfolgskonzept: Sein Saxophon ist ihm so heilig, dass er es in Ruhe lässt, wenn ihn die Muse einmal nicht küsst. Vom täglichen Zwang zu üben hält der junge Musiker gar nichts. Und dennoch hat er es bis  zu einer Spitze geschafft, die viele nur von weitem sehen: Yannick Kleinert hat einen ersten Preis beim Bundeswettbewerb von Jugend musiziert gewonnen und reist mit seinem Instrument nun bald nach Amerika. „Ich übe, wenn ich Lust dazu habe und zwinge mich nicht. Das bringt sowieso nichts und macht auch keinen Spaß“, erläutert Yannick Kleinert  seine Stategie. Stattdessen begebe er sich immer wieder neu auf eine musikalische Reise mit seinem facettenreichen Instrument. Er fahre gut damit, nicht nur bei der Vorbereitung auf den Wettbewerb Jugend musiziert, sondern generell als Saxophonist, der auch im sinfonischen Jugendblasorchester Baden-Württemberg seinen Platz hat.

Wurzeln im Musikverein

„Ich habe im Musikverein Bönnigheim bei Rainer Falk angefangen“, erzählt er. „Er hat mich von Anfang an gefördert.“ Beim Kreisjugendorchester Ludwigsburg sammelte er weitere Erfahrungen, bis er  nach dem Landeswettbewerb 2015 im  infonischen Jugendblasorchester bei Felix Hauswirth landete. Nie hätte Yannick Kleinert geglaubt, mit dem Saxophon so weit zu kommen, hat er doch wie viele andere Kinder auf der Blockflöte klein angefangen. Dann kam Matthias Leucht in sein Leben – als Jazz-Lehrer an der Bönnigheimer Musikschule. „Mit Jazz habe ich angefangen. Aber dann wuchs mein Interesse am klassischen Saxophon, und ich habe einen Lehrer in Stuttgart gefunden, der mir sympathisch war“, erzählt er. Ein dreiviertel Jahr lang haben beide den Wettbewerb vorbereitet mit einem modernen Programm, das auch für Saxophon arrangierte Stücke enthält. „Für Saxophon gibt es nicht so viel Literatur. Daher sind auch Stücke zugelassen, die eigentlich für andere Instrumente geschrieben wurden“, erläutert Yannick Kleinert.

In seinem Fall war das zum Beispiel eine Romanze für Bratsche von Max Bruch. Dazu kam eine Sonate im Stil des großen französischen Komponisten und Pianisten Francis Poulenc und ein Stück für Kenner und Liebhaber von Pierre Philipp Bauzin.

Als Ausgleich zum Üben im stillen Kämmerchen genießt Yannick Kleinert die Begegnung mit Gleichgesinnten im Orchester. „Immer wieder gibt es gemeinsame Arbeitsphasen und Konzertreisen zum Beispiel nach China, Hong Kong, Griechenland und dieses Jahr Costa Rica“, erzählt Kleinert, der noch in anderen Ensembles der Stuttgarter Musikschule mitwirkt. „Dieses Jahr wurde mir ein Stipendium der Ohio Northern University angeboten, um dort eine Woche an einem amerikanischen Band Camp teilzunehmen, das mir Weiterbildungsmöglichkeiten bietet. Die Stuttgarter Musikschule unterstützt mich dabei ungemein, so habe ich für den Bundeswettbewerb von Porsche einen finanziellen Zuschuss bekommen. Also mal sehen, was die Zukunft noch bringt“, sagt er.

Die Aufregung vor dem großen Schritt vor die Fachjury in Lübeck beim Vorspiel des Bundeswettbewerbes hielt sich bei dem sonnigen Saxophonisten offensichtlich sehr in Grenzen. „Ich bin höchstens fünf Minuten, bevor es losgeht, wenn überhaupt, aufgeregt und dann muss ich mich ja gleich voll konzentrieren, so dass dafür kein Platz bleibt. Danach war mir das sowieso egal. Ich habe das nicht so gesehen, dass ich hier unbedingt einen ersten Preis machen muss“, erklärt er. Seine Eltern haben ihn auf der Reise nach Lübeck begleitet und saßen am Meer, während ihr Sohn sich der Jury stellte.

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