Die Dauerausstellung in der Bönnigheimer Burgstraße ist etwas fürs Auge. Hier sind viele Grabsteine zu sehen, in unterschiedlichen Formen, Farben und Materialien, die es heute auf dem weltweiten Markt gibt. Ein Quarzit aus Brasilien, modernistische schwarze Bögen, Stelen aus Naturstein, Quarz aus dem Odenwald oder Fels aus Österreich. Michael Stahl hat nach eigener Schätzung rund 90 Prozent der Erdgräber in Bönnigheim mit einem Grabstein versehen und ist im Familienbetrieb groß geworden.

Steinmetz seit 1805

Seit 1805 gibt es den Steinmetzbetrieb an der Burgstraße, der sich hauptsächlich um Grabsteine kümmert.   „Grabsteine und Grabmale machen schon 80 bis 90 Prozent unseres Geschäfts“, sagt der 55-Jährige. Der Rest liege im Baugewerbe, wo schon mal besondere Materialien für Treppen, Fensterbänke oder Böden verlangt werden. Bei der Ludwigsburger Firma Kirschler hat er gelernt, und dem Grabstein ist er als Steinmetz- und Steinbildhauermeister treu geblieben. Im Jahr 2000 hat er den elterlichen Betrieb an der Burgstraße übernommen, wo einmal ein landwirtschaftliches Anwesen stand. Zwar gebe es heute auch mehr Urnengräber, etwa für weit entfernt wohnende Angehörige, aber auch nach wie vor sehr viele Grabsteine, die verlangt werden.

Mit den Hinterbliebenen richtig umzugehen, hat er nicht mal auf der Meisterschule gelernt. „Man muss den Leuten Zeit geben“, so der Bönnigheimer, „heute gehört auch dazu, dass man dasitzt und zuhört“. Wenn Trauernde kommen, haben sie oft keine festen Vorstellungen, was sie eigentlich wollen. Poliert oder rau, klassisch oder als Stele, Sandstein oder Quarz, dazu die passende Schrift: Manchmal brauche man drei Termine für ein Ergebnis, erklärt der Steinmetz, und man müsse immer Schritt für Schritt vorgehen. Fertige Bilder auf dem Computer zu zeigen, das sei unpassend, findet er. Dann zeichnet er lieber selbst den Schriftzug und es wird ausprobiert, wie es auf dem Grabstein aussieht.

Seine Steine werden aus dem Katalog ausgewählt und meist in der richtigen Form geliefert. Nur weiche Steine wie den Sandstein bearbeitet er selbst, wofür er in der Werkstatt die passenden Maschinen hat. Dort probiert er auch aus und fertigt hohe gewundene Stelen, durch die innen Wasser fließt und anschließend außen wieder nach unten. Doch so etwas hat noch keinen Platz auf dem Friedhof, eher schon im besonderen Garten.

„Der Trend geht wieder zum Heimischen“, beobachtet er, also zu Sandstein und Muschelkalk aus der Gegend. Die Hinterbliebenen sehen darin einen Bezug zur Heimat des Verstorbenen. Aber auch längliche Stelen würden heute öfter verlangt als früher, berichtet der Steinmetzmeister. Wenn es künstlerisch werden soll, dann kommen auch Bilder in den Stein, die ein befreundeter Künstler seit 20 Jahren für ihn anfertigt. Der Fantasie sind dabei kaum  Grenzen gesetzt, wenn an die Vorlieben des Verstorbenen erinnert werden soll. Ein Schäferhund oder ein Segelschiff mussten schon auf einen Stein, Fußballschuhe wurden schon verewigt oder auch ein LKW-Modell, das als Bronze auf einem Grabstein im Hohensteiner Friedhof steht.

Zu nah sollte man die Trauer nicht an sich heranlassen, glaubt Stahl. Wenn er auf dem Friedhof arbeitet, trifft er immer wieder alte Kunden, mit denen er ins Gespräch kommt. Dort gibt es Gruppen, die täglich kommen, viele um dieselbe Uhrzeit, und sich dort treffen. „Der Friedhof ist eine Begegnungsstätte“, weiß der Steinmetz aus Erfahrung.

Und seine Arbeit dort dauert. Das Grab muss manchmal eingefasst werden, ein Fundament muss hergestellt werden, der Stein muss transportiert, beschriftet und mit dem Kran vom Laster an die richtige Stelle gehievt und angebracht werden. Und er muss dauerhaft halten, was in den Kommunen immer wieder überprüft wird.

Dass hier verstaubte Verordnungen für die Grabsteine immer noch gelten, versteht er manchmal nicht. Fotos der Verstorbenen auf dem Grabstein sind hier zum Beispiel nicht gestattet. Dann kommt schon wieder Kundschaft in die Ausstellung, und er muss sich um sie kümmern. Mit Fingerspitzengefühl und viel Zeit, versteht sich.