Wilhelm Flaig aus Bönnigheim-Hohenstein hält sich nicht für einen Poeten. „Heimatdichter“, die Bezeichnung gefällt ihm schon besser. Der über 80-Jährige hat sich in seiner Heimat Hohenstein unsterblich gemacht, weil er der Gemeinde eine Fülle von Gedichten hinterlässt, die „den Flecken“ und seine Umgebung ins Visier nehmen. Da gibt es zum Beispiel das „Hohensteiner Zwiebelfestlied“.

„Das Hohensteiner Zwiebelfest war das erste Straßenfest im Stadtbereich Bönnigheim. Darüber habe ich ein Gedicht geschrieben“. Wilhelm Flaig, der Grandsegnieur unter den Heimatdichtern in der Region, stöbert sogleich in seinem Ordner. In seinem Büro steht eine ganze Ordnerwand mit der Aufschrift „Historische Gesellschaft“. Flaig erzählt, wie sein Freund Otto Händel seiner Zeit die Zwiebelproduktion in großem Stil gestartet habe und bis heute der Zwiebelhof in Hohenstein ein Begriff ist. „Willsch du was für die Gsonheit doa, so isch des gar net schwer, da gesch Du halt nach Hohstoi na, zom Zwiebelfescht do her“, heißt es da zum Beispiel. Zum Zwiebelfestlied gehört natürlich zwingend ein „Hohensteiner Knoblauchlied“.

Ein Werk aus seiner Feder, das bekannt ist bei jung und alt: Das „Lied der Hohensteiner“ – ein Heimatlied wie aus dem Bilderbuch mit klangvollem Lobpreis auf die Schönheit der Natur. „Wir lieben die Heimat, den Ort und den Flecken, wo wir unsere Häuser haben, hier sind wir zuhause, im Reiche der Schnecken, da wächst der Wein, an dem wir uns laben“, heißt es darin.

Aus den Reihen der Historischen Gesellschaft Bönnigheim ist Wilhelm Flaig nicht wegzudenken. Schon als Jugendlicher war er in der Theatergruppe des TSV dabei und hat sich in verschiedene Rollen gedacht. „Beim TSV ist jedes Jahr ein Theaterstück gespielt worden. Da hat man halt mitgemacht. Anfangs haben wir ja die Stücke noch gekauft, aber dann habe ich gedacht: Das kostet doch alles Geld. Das kann ich auch“, erinnert sich Wilhelm Flaig.

Den jugendlichen Liebhaber hat er öfter mal gespielt und den Narr im Bauernschwank, das waren seine Rollen. Bereits als Teenager hat der Hohensteiner so gerne die Leute hochgenommen im Theaterstück. „Für jeden haben wir eine spezielle Bemerkung gefunden. Mit der Zeit ist das Theaterspielen dann immer umfangreicher geworden. Und der Bedarf an Stücken stieg. Dann hab ich halt manchmal selbst eines geschrieben“, erzählt er. Und so ist Wilhelm Flaig einfach hineingerutscht und hat die Geschehnisse im Flecken Hohenstein ins Auge genommen. „Das war schon während des Krieges ein Thema, erst recht danach waren die Theaterstücke Wegbegleiter für die Menschen in einer schweren Zeit“, bringt Flaig es auf den Punkt.

Beim Hohensteiner Zwiebelfest hatte Wilhelm Flaig einst noch eine Rolle für sich entdeckt, die als Büttel. „Als Büttel bin ich dann durch den Flecken gezogen und hab die Leute zum Theaterstück eingeladen und sie darauf aufmerksam gemacht, dass es gleich anfängt“, erzählt er.  Wilhelm Flaig ist zusammen mit Kurt Sartorius und Eberhard Schmidt der Mitbegründer der Historischen Gesellschaft. „Unser Anliegen war und ist die Geschichte vom Flecken und von der Stadt lebendig zu halten. Deshalb habe ich in den Anfangstagen der Historischen Gesellschaft auch mal ein Stück geschrieben. Das wurde dann hinter der Burg aufgeführt, das ist das sogenannte Ganerbenstück“, erinnert sich Flaig.

Wie er zum Gedichte schreiben und zum Schauspielern kam? „Das liegt in der Familie. Mein Großonkel war ein bekannter Schauspieler, der Eugen Klöpfer. Der hat in München und Augsburg gelebt und später in Berlin. Aber dann ist er halt bissle nah an den Hitler rangekommen. Dann war er nach dem Krieg nicht mehr so beliebt“, weiß Wilhelm Flaig.

Heute schreibt Flaig noch Gedichte für Hochzeiten und Geburtstage und ist da, wenn ihn die Historische Gesellschaft braucht. Doch seine heimliche Liebe gilt heute „Wilhelms Schwabentrank“, das ist sein selbst gemachter Kräuterlikör, zum dem es natürlich auch ein Gedicht gibt: „Blutwurz, Salbei, Thymian, die stehn als erste vorne dran. Wacholder, Minze und Melissen über ihre Heilkraft wissen. Schafgarbe, Wermut und Güldenkraut mit Ingwer ist es schnell verdaut. So helfen diese Kräutlein zehn, dass alle Wehs schnell vergehn.“

Sophie von La Roche schrieb den ersten Frauenroman


Die sicher in ganz Deutschland bekannteste deutsche Bönnigheimer Schriftstellerin ist Sophie von La Roche. Auch, da sie noch heute zum Schulstoff gehört. La Roche wurde 1730 in Kaufbeuren geboren und starb 1807 in Offenbach am Main. 1770 bezog sie mit ihrem Mann Georg Michael Anton La Roche das Bönnigheimer Schloss. Ihr Mann war Oberamtmann von Bönnigheim.

Auf Schloss Bönnigheim schrieb sie den ersten Frauenroman: „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“. Hier hatte sie auch die Idee zur Frauenzeitschrift Pomona, die sogar Katharina II von Russland las. In ihren Häusern traf sich die Creme de la Creme der deutschen Literaterszene. Sie war die Grande Dame der zeitgenössischen Geisteswelt.

Nach dem einjährigen Aufenthalt in Bönnigheim zogen die La Roches nach Ehrenbreitstein bei Koblenz. Dort war Goethe gern gesehener Gast. Später zog die Familie nach Speyer, dort besuchte Friedrich Schiller die Schriftstellerin oft. Durch ihre Tochter Maximiliane, die mit dem Kaufmann und Diplomaten Peter Anton Brentano verheiratet war, wurde sie zur Großmutter von Bettina von Arnim und Clemens Brentano.

In dem Roman „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ wird ein Abschnitt des Lebens von Sophie von Sternheim, Tochter eines geadelten Obersten und seiner aus dem englischen Adel stammenden Frau, geschildert. Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich durch Briefe Sophies an ihre Freundin Emilia, jedoch kommen auch andere Verfasser in Briefen zu Wort. Der Roman fand bereits direkt nach Erscheinen begeisterte Leser und Leserinnen und zählt zu den Werken, die die literarische Epoche der Empfindsamkeit wesentlich beeinflusst und die Gattung des Frauenromans begründet haben. Da sich das Fräulein von Sternheim den Adels-Konventionen widersetzt und trotzdem tugendhaft bleibt, nehmen sich die Leserinnen die Protagonistin als Vorbild an Selbstbestimmung.
Mit Hilfe ihrer großbürgerlichen, pietistisch geprägten Herkunft konnte Sophie La Roche  vor dem Hintergrund der europäischen Aufklärung ihre menschlichen Gefühlsäußerungen und ethischen Werte verständnisvoll verdeutlichen. Sie wendet sich damit an das neu entstehende Lesepublikum der Frauen des Bildungsbürgertums. sz

Info Sophie von La Roche, „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“, Reclam, 9 Euro.
Armin Strohmeyr, „Das Leben der Sophie von la Roche – Sie war die wunderbarste Frau“, Südverlag, 24 Euro.