Dass Schwaben und Schotten die Sparsamkeit gemein haben, ist bekannt. Die Bönnigheimer Feuerwehr teilt sich aber auch noch die Leidenschaft für das Dudelsackspiel mit den Schotten. Nur größere Feuerwehren haben eigene Musikzüge, die „Backdraft Pipes and Drums“ sind jedoch eine echte Ausnahme.

Es sind nicht nur Bönnigheimer, die im Musikzug mitspielen. „Aus Vaihingen ist einer dabei und auch einer aus Kochersteinsfeld“, sagt Thomas Weiß, der selbst aus Löchgau kommt. Seine Leidenschaft für das ungewöhnliche Instrument war endgültig geweckt, als er hörte, dass in Bönnigheim ein solcher Musikzug geplant war. „Mich hat das Instrument schon immer fasziniert“, sagt der 52-jährige Elektroingenieur, der wie die meisten anderen Mitglieder der 14-köpfigen Band keine Feuerwehrausbildung hat.

Angefangen haben die Musiker mit pakistanischen Instrumenten, erklärt der Abteilungsleiter. Diese waren zwar billig, aber die Qualität ließ arg zu wünschen übrig. Bald stieg der Musikzug auf einen schottischen Hersteller um, der zwar beste Qualität liefert, aber eben auch seinen Preis hat. „Unser Händler ist Schotte und hat immer das passende Argument für eine Preiserhöhung“, sagt Weiß, rund 1000 Euro müsse man heute schon hinlegen. Die bezahlen die Bandmitglieder ebenso selbst wie ihre Trommeln und Kilts, die zum  Auftritt dazu gehören.

Der bisher größte war in diesem Jahr beim Landesfeuerwehrtag in Heidelberg, wo sie zwei Platzkonzerte spielten. Rund zehn Auftritte seien es im Jahr, macht Weiß deutlich, auf Umzügen, Feuerwehrjubiläen  oder Hochzeiten. In jedem Jahr begleiten sie traditionell aber auch das Fest an der Bönnigheimer Pfeifferhütte, wo das DRK bewirtet.

Gegründet hat den Musikzug im Jahr 2011 Stefan Schwarz, der heute nicht mehr bei der Feuerwehr ist. Auslöser war das 150-Jahr-Jubiläum der Bönnigheimer Feuerwehr, wo sie 2014 auftreten wollten. Im Sommer 2012 begann die Gruppe ein intensives sechswöchiges Marschier- und Musiziertraining, so dass man im September fit genug war, um schon beim Jubiläum der Marbacher Feuerwehr im Festzug mitzulaufen.

Bei der Hauptversammlung im Jahr 2013 wurden der Abteilungsleiter und sein Stellvertreter per Handschlag für die Ämter verpflichtet. Anfangs kamen alle von der Feuerwehr, die meisten seien aber, auch wegen der vielen Proben, abgesprungen und wurden durch „Zivilisten“ ersetzt. „Wir sind heute zwar offiziell Feuerwehrmänner, aber wir löschen nicht“, sagt Weiß, der von Beginn an Zugführer war.

Ein Schotte ist auch dabei

Der Musikzug habe auch einen echten Schotten in der Band, der aber erst noch das Dudelsackspielen lernen musste. Das geschehe ein Jahr lang mit der Flöte, auf der Melodien lange geübt werden, bevor man dann ans Instrument darf, erklärt der Löchgauer. Und man habe auch Lehrer da, die das Wissen professionell vermittelten.

Drei Jahre Vorbereitungszeit für den großen Auftritt zum Jubiläum seien schon sportlich gewesen, denn man müsse lange üben. Dazu kommt das gleichzeitige Marschieren, was mit dem gemeinsamen Spielen nicht ganz einfach ist. Zu den Übungsabenden des Musikzugs im Feuerwehrhaus seien Gäste willkommen. Immer donnerstags ab 19 Uhr „kann jeder kommen und am besten dabei bleiben“, sagt Weiß.

Und auch VHS-Kurse bietet der Musikzug inzwischen an, im Wintersemester soll es sogar einen Fortgeschrittenenkurs für Dudelsack-Enthusiasten geben. Drei neue Mitglieder habe der Musikzug dadurch schon gewonnen, und es sollen noch mehr werden. Ständig gesucht würden auch Trommler für die Band.

Wenn es das Wetter erlaubt, ist Weiß mit seinem Dudelsack auch auf der Besigheimer Weinkanzel hoch über der Enzmündung in den Neckar zu hören. Und bei jedem Wetter natürlich zu Hause. Was seine Nachbarn sagen? „Die, denen es gefällt, freuen sich, da höre ich öfter Applaus. Die anderen sagen nichts“, verrät der Löchgauer.