Bönnigheim/Erligheim/Sachsenheim Schulen können nicht überall Schwimmunterricht anbieten

Bönnigheim/Erligheim/Sachsenheim / MICHAELE GLEMSER 27.09.2014
Nach aktuellen Studien können immer weniger Grundschüler schwimmen. Diese Erfahrungen machen auch Schulleiter aus unserer Region, die immer weniger Lehrschwimmbäder zur Verfügung haben.

Die Wartelisten von Sabine Scheihing sind lang. Wer im Januar oder September 2016 einen Schwimmkurs für Tochter oder Sohn beim DRLG Bönnigheim-Kirchheim belegen möchte, sollte sich umgehend anmelden. "Dies verwundert immer wieder viele Eltern. Früher konnten wir bei Bedarf rasch einen freien Platz in einem Kinderschwimmkurs anbieten. Inzwischen sind unsere Kurse schon eineinhalb Jahre im Voraus ausgebucht", macht Scheihing deutlich. Sie ist bei der DLRG Bönnigheim-Kirchheim schon seit vielen Jahren für die Kinderschwimmkurse zuständig, die allesamt im Kirchheimer Lehrschwimmbad stattfinden.

Über eine solche Einrichtung würde auch Joachim Obert, stellvertretender Rektor der Grundschule in Erligheim-Hofen, noch gerne verfügen. "Unser Lehrschwimmbad wurde im Jahr 1991 aus gesundheitstechnischen Gründen geschlossen und nicht mehr reaktiviert, da die Kommune das Bad finanziell einfach nicht mehr am Leben erhalten kann. Aus dem Lehrschwimmbad ist eine Gymnastikhalle geworden", stellt Obert mit Bedauern fest. Er denkt noch gerne an die vielen schönen Schwimmstunden mit seinen Schülern zurück. "Ich habe früher Schwimmunterricht schon in der ersten Klasse gegeben. Die Schüler haben sich darauf riesig gefreut. Bei mir hat kein Kind die vierte Klasse verlassen, das nicht schwimmen konnte. Im Alter von sechs oder sieben Jahren hatten die Schüler noch keinerlei Angst vor dem Wasser und haben intuitiv das Richtige gemacht. Heute können viele mit acht oder neun Jahren immer noch nicht schwimmen und haben regelrecht Angst vorm Wasser", betont Obert.

Nachdem das Lehrschwimmbad in Erligheim geschlossen wurde, ist der engagierte Lehrer noch vier Jahre mit seinen Schülern nachmittags mit Bussen ins Lehrschwimmbad nach Hohenhaslach gefahren. Doch 1995 hat er diese Unternehmungen aufgeben müssen, da der logistische Aufwand einfach zu groß war. Zudem gibt es das Lehrschwimmbad in Hohenhaslach heute auch nicht mehr.

"Seit dieser Zeit findet an unserer Schule kein Schwimmunterricht mehr statt, und unsere Eltern sind auf ihre Eigeninitiative angewiesen. Doch Mütter und Väter haben immer weniger Zeit, mit ihren Kindern schwimmen zu gehen oder ihnen das Schwimmen überhaupt beizubringen. Auch im Rahmen der Ganztagsschulangebote bleibt für das Schwimmen kaum noch freie Zeit übrig. Statt ins Schwimmbad zu gehen, sitzen viele Kinder lieber am Computer. Früher konnten Kinder in der ersten Klasse schwimmen, heute können sie ein Smartphone bedienen", macht Obert deutlich.

Ähnliche Beobachtungen hat auch Doris Engelbrecht, Rektorin der Grundschule Kleinsachsenheim gemacht. Dort gibt es seit 2001 kein eigenes Lehrschwimmbecken mehr. "Die Schwimmleistung der Schüler ist ohne Schwimmunterricht zurückgegangen", stellte Engelbrecht fest. Daher ist sie froh, dass seit vergangenem Jahr an ihrer Schule wieder regulärer Schwimmunterricht allerdings im Hallenbad in Großsachsenheim angeboten werden kann.

Nach einer aktuellen, bundesweiten Studie der DLRG kann nur jeder zweite Viertklässler schwimmen, wenn er die Grundschule verlässt. Die Verantwortlichen der DLRG führen diese alarmierenden Zahlen auch auf die zunehmende Schließung öffentlicher Lehrschwimmbäder zurück.

"Selbst wer das Seepferdchen hat, ist noch längst kein sicherer Schwimmer, sondern kann sich meist höchstens eine Bahn über Wasser halten. Die Kinder neigen dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen und dann wird es gefährlich. Deshalb ist es so wichtig, dass der Nachwuchs gut und sicher schwimmen lernt", betont der Erligheimer Konrektor Obert, der wohl auch künftig an der Grundschule Erligheim-Hofen den Mädchen und Jungen keinen Schwimmunterricht mehr ermöglichen kann.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel