Jahresgespräch Schuldenfrei, aber nicht reich

Erligheims Bürgermeister Rainer Schäuffele kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. 2019 wird nach seiner Einschätzung ein "Planungsjahr".
Erligheims Bürgermeister Rainer Schäuffele kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. 2019 wird nach seiner Einschätzung ein "Planungsjahr". © Foto: Martin Kalb
Erligheim / Von Roland Willeke 10.01.2019

Eine positive Gesamtbilanz für 2018 zieht der Erligheimer Schultes Rainer Schäuffele. Schließlich gelang es, endlich einen Knopf an ein Projekt zu bekommen, das man lange vor sich her geschoben hat: die Sanierung des Rosenfelds. Die Erneuerung der Infrastruktur in dem aus den 1960er-Jahren stammenden Bungalowgebiet war das größte Projekt der Gemeinde im letzten Jahr und wird voraussichtlich um die 1,6 Millionen Euro kosten, wie Schäuffele erklärt. Davon gehen noch Zuschüsse des Landes ab, denn es gelang, die Maßnahme in die laufende Ortskernsanierung einzubeziehen.

Das zweite wichtige Vorhaben war die Sanierung des Bürgerhauses Vordere Kelter, das einen Aufzug und einen ordentlichen zweiten Rettungsweg bekam. Im März wurde die Eröffnung mit einem Tag der offenen Tür begangen.

Im Baugebiet Kleines Flürle konnten alle 21 Bauplätze der Gemeinde verkauft werden; die meisten sind bereits bebaut. Derweil hat das Bebauungsplanverfahren für ein weiteres Baugebiet Aichert-Nord mit etwa 50 bis 60 zu erwartenden Bauplätzen bereits begonnen.

Das gesellschaftliche Leben stand im Zeichen etlicher Jubiläen. Mit einem Festabend und einer bebilderten Festschrift - als Ergänzung zum Erligheimer Heimatbuch, das vor 25 Jahren erschien – wurde das 1225-jährige Bestehen der Gemeinde gefeiert. Und erst unlängst beging der Liederkranz sein 175-jähriges Jubiläum mit einem Konzert.

Für Rainer Schäuffele ebenfalls wichtig ist der unter Beteiligung der Erligheimer entstandene Gemeindeentwicklungsplan als Richtschnur für die weitere Entwicklung des Orts.

Bei der Unterbringung von Flüchtlingen – derzeit leben 41 Flüchtlinge in der Gemeinde, davon sind fünf privat untergebracht – kann sich Rainer Schäuffele immer noch auf den Runden Tisch Asyl verlassen, auch wenn es mittlerweile weniger aktive Helfer gibt. Die Unterbringung erfolgt nach wie vor dezentral in Häusern und Wohnungen, die der Gemeinde gehören oder von ihr angemietet wurden.

Die wichtigsten Investitionen 2018 galten der Sanierung des Rosenfelds und dem Umbau des Bürgerhauses Vordere Kelter.

Die Haushaltslage Ende 2018 wurde davon nur wenig berührt. Nach wie vor kommt Erligheim ohne Kreditaufnahme durchs Jahr und ist damit eine der vier Gemeinden im Landkreis, die tatsächlich schuldenfrei sind. „Keine Schulden zu haben, heißt aber nicht, dass wir reich sind“, beugt Rainer Schäuffele allzu großen Erwartungen an die Spendierfreudigkeit der Gemeinde vor.

Er schielt dabei auf einige Kommunen im Süden des Landkreises, die zwar nicht schuldenfrei sind, aber über – im Vergleich zu Erligheim – gigantische Rücklagen verfügen. Unzufrieden ist er deshalb nicht, hat Erligheim es doch geschafft, sich beim Vergleich der Steuerkraftsumme unter den 39 Kreiskommunen von Platz 31 auf einen guten 24. Platz zu verbessern.

Zumindest für 2019, dem ersten Jahr, in dem in Erligheim nach den Regeln des Neuen Kommunalen Haushalts- und Rechnungswesens gebucht wird, erwartet Schäuffele, dass die Gemeinde weiterhin Schulden vermeiden kann. Was dann kommt, ist ungewiss und hängt unter anderem davon ab, ob Erligheim positive Abschlüsse im Ergebnishaushalt erzielen wird.

Die Aussichten auf die Entwicklung 2019 legen nahe, dass keine großen Investitionen seitens der Gemeinde zu erwarten sind. „2019 wird ein Planungsjahr“, ist Schäuffele überzeugt.

Von Interesse sind 2019 auch zwei private Investitionsprojekte. Mit gespannter Erwartung blickt Rainer Schäuffele auf das Anwesen Hauptstraße 1, früher wegen seines heruntergekommenen Zustandes das Sorgenkind der Gemeinde. Seit es einen neuen Investor gibt, scheint es aufwärts zu gehen. Inzwischen liegt die Baugenehmigung vor und im März soll der Umbau begonnen werden. Wegen der hohen Abschreibungen für das denkmalgeschützte Objekt sei das Anwesen für private Investoren durchaus interessant, findet Schäuffele.

Für das Objekt Löchgauer Straße 8 liegen inzwischen Baupläne vor, denen der Gemeinderat zustimmen könnte. Im Januar oder Februar soll das Gremium entscheiden. Das Bauvorhaben stößt in der Gemeinde insofern auf Interesse, als die Investoren in ihren Plänen auch eine Apotheke vorgesehen haben. Bei aller Freude darüber, ist Rainer Schäuffele noch skeptisch. „Das einzige, was uns retten kann, ist der starke Durchgangsverkehr an der Straße“, meint er. Denn für sich betrachtet, biete Erligheim mit seinen 2900 Einwohnern eigentlich zu wenig Potenzial für eine Apotheke.

Die wichtigsten Projekte 2019 sind – zumindest planerisch –  die Entwicklung des Baugebiets Aichert-Nord und die Planung eines Krippenhauses beim Kindergarten. Nach Möglichkeit soll das schon ab Herbst gebaut werden. Mit der Erschließung Aichert-Nord könnte 2020 begonnen werden.

Seine persönlichen Erwartungen an das Jahr 2019 fasst Schäuffele in einem Satz zusammen: „Es sollte so weitergehen wie bisher.“

Beim Stichwort Sorgenkind der Gemeinde fällt ihm die große Scheune im Hinterhof des Gasthauses Grüner Baum ein. Die Scheune – nach der Kirche das höchste Gebäude der Gemeinde – steht unter Denkmalschutz und gehört der Gemeinde und einer Erbengemeinschaft. 2019 könnten erste Pläne für eine neue Nutzung das Licht der Welt erblicken, hofft Schäuffele.

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