Bönnigheim Schnecke gegen den Schlamm

Betriebsleiter Albrecht Hamm überwacht im Juli 2017 die Funktionen der Bönnigheimer Kläranlage mit Hilfe einer App seines Smartphones. Jetzt sind erneute Investitionen erforderlich.
Betriebsleiter Albrecht Hamm überwacht im Juli 2017 die Funktionen der Bönnigheimer Kläranlage mit Hilfe einer App seines Smartphones. Jetzt sind erneute Investitionen erforderlich. © Foto: Martin Kalb
Von Uwe Deecke 25.07.2018

Die Erneuerung der Schlammentwässserung in der Kläranlage kann nicht mehr warten. Der Technische Ausschuss entschied sich für die günstigste Variante für rund 242 000 Euro.

Seit dem Jahr 2002 arbeitet in der Kläranlage an der Kirchheimer Straße eine Zentrifuge, die den anfallenden Schlamm so stark entwässern soll, dass er zur Energieproduktion verwendet werden kann. Im Faulturm sorgen chemische Prozesse dafür, dass Methangas entsteht, das dann zur Wärme- und Stromproduktion verwendet werden kann. Die Wärme beheizt die gesamte Anlage, der Strom aus dem Blockheizkraftwerk versorgt die Geräte und wird zusätzlich ins Netz eingespeist. Um die in die Jahre gekommene Schlammentwässerung zu erneuern, beauftragte die Stadt das Ulmer Büro SAG Ingenieure mit einer Vergleichsstudie, in der mehrere Möglichkeiten für dieses Verfahren untersucht wurden.

Projektingenieur Karl Rösch nahm Proben der Anlage unter die Lupe und testete im Mai mehrere Varianten der Entwässerung in der Bönnigheimer Kläranlage. „Die Entwässerung ist erneuerungsbedürftig“, sagte Rösch im Technischen Ausschuss. Grund dafür sei der Trockenrückstand im Schlamm, dessen Grenzwerte die 16 Jahre alte Zentrifuge nicht mehr erreicht. Nach 16 Jahren sei die Anlage am Ende der Betriebszeit angelangt, eine reine Instandhaltung daher unwirtschaftlich. „Man muss aktiv werden, bevor das Ganze ausfällt“, so der Ulmer Ingenieur.

Pressen im Test

Verglichen wurden im Test eine Schneckenpresse, wie sie häufig in Anlagen dieser Größe zum Einsatz kommt, eine Bandfilterpresse, eine Zentrifuge und die mobile Schlammentwässerung durch eine Fremdfirma. Ermittelt wurde unter anderem der Schlammdurchsatz, der Abscheidegrad und der Stromverbrauch, um die jährlichen Betriebskosten ermitteln zu können. Die Schneckenpresse, so das Fazit der Vergleichsstudie, habe mehr Vorteile als die anderen Systeme. Die Zentrifuge habe einen hohen Stromverbrauch, mehr Verschleiß und bei größeren Anlagen einen hohen Schallpegel. Die mobile Entwässerung habe hohe laufende Kosten und benötige den Bau eines zusätzlichen Speichers.

Auch bei den Kosten habe die Schneckenpresse die besten Werte: Sie liegt bei Investitionskosten von rund 242 000 Euro inklusive aller Nebenkosten. Die jährlichen Betriebskosten belaufen sich auf rund 59 000 Euro. Gegenüber der Zentrifuge benötige die weit verbreitete Schneckenpresse weniger Strom, Brauchwasser und Personalaufwand.

Wie es mit dem Phosphat im Klärschlamm aussehe, fragte CDU-Rat Frank Sartorius im Anschluss an den Vortrag. Dafür gelte eine Verordnung, die ab 2024 eine Phosphat-Abtrennung bei großen Anlagen verlange, so Rösch, für die Bönnigheimer Anlage sei dies kein Thema. Ob auch eine thermische Behandlung durch Wärmetrocknung in Frage komme, wollte Bürgermeister Albrecht Dautel wissen. Die wäre nur bei einer größeren Anlage interessant, so der Ulmer Ingenieur, und hier absolut unwirtschaftlich. Der Ausschuss stimmte für den SAG-Vorschlag und beauftragte die Verwaltung, die Anschaffung einer Schneckenpresse auszuschreiben.

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