Bönnigheim Schnapsmuseum: Rund 400 Exponate der ehemaligen Hammer-Brennerei

Bönnigheim / JÜRGEN KUNZ 06.11.2013
Mehr als 1.000 Exponate der ehemaligen Hammer-Brennerei in Heilbronn gehören jetzt zur Sammlung der Schwäbischen Schnapsmuseums. 400 Ausstellungsstücke werden ab Sonntag im Museum in Steinhaus gezeigt.

"Die Hammer-Brennerei Landauer & Macholl dokumentiert auch ein Stück deutsche Geschichte", ist sich Museumschef Kurt Sartorius sicher. Gemeinsam mit Ralf Wiedenmann, der sich als neues Mitglied der Historischen Gesellschaft bei der neuen Ausstellung über die Heilbronner Brennerei engagiert hat, werden im ersten Obergeschoss des Schwäbischen Schnapsmuseum ab Sonntag rund 400 Exponate präsentiert und damit die wechselvolle Geschichte der vom 36-jährigen Max Landauer 1861 am Kirchhöfle in Heilbronn gegründeten Branntweinbrennerei und Likörfabrik aufgezeigt.

Auch viele Werbeartikel ("Die machen die Ausstellung lebendig", so Sartorius) hat der inzwischen 85-jährige Emil Stückle gesammelt. Stückle war Generalvertreter der Hammer-Brennerei in Berlin und hat einen riesigen Fundus an Exponaten seines ehemaligen Arbeitgebers zusammengetragen und in seinem Haus in Roigheim (bei Möckmühl) aufbewahrt. "Emil Stückle hat die Hammer-Brennerei gelebt", sagt Ralf Wiedenmann, der die mehr als 1.000 Stücke umfassende Sammlung nach Bönnigheim transportiert hat und sich dabei mit dem 85-Jährigen intensiv über das Unternehmen austauschten konnte. Bei einer Ausstellung im Schwäbischen Schnapsmuseum über Alkohol-Werbung hatte der in Berlin lebende Stückle das Museum im Steinhaus kennengelernt und sie, nachdem ihm nach einer Erkrankung die Betreuung seiner Ausstellung in Roigheim nicht mehr möglich war, der Historischen Gesellschaft zum Kauf angeboten.

"Letztendlich ist die Hammer-Brennerei daran gescheitert, dass sie hochwertige Spirituosen produziert hat", ist sich Kurt Sartorius sicher. Nach der Unternehmensgründung durch Max Landauer im Jahr 1861 nahm dieser fünf Jahre später seinen Schwager Leopold Macholl als Teilhaber in die Firma auf, die von nun an "Landauer & Macholl" hieß. 1874 schied der Gesellschafter Leopold Macholl wieder aus, um zusammen mit seinem Bruder in München einen eigenen Betrieb zu erwerben. Danach war die Hammer-Brennerei im Alleinbesitz der Familie Landauer. Auf der Fläche des früheren Karmeliterklosters in Heilbronn wurde 1876 eine neue Dampfbrennerei und Likörfabrik errichtet. In der NS-Zeit wurde der Besitz der jüdischen Familie Landauer enteignet. Die Hammer-Brennerei wurde von Georg L. Schürger übernommen. Dieser war Geschäftsführer der Edeka in Heilbronn, Kreiswirtschaftsberater und NS-Ortsgruppenleiter von Mönchsee. Beim Deutschen Patentamt wurde am 9. September 1940 die Firma als Hammer-Brennerei Schürger & Co. K.G. eingetragen.

Sartorius: "Landauer muss einflussreiche Freunde in Heilbronn gehabt haben, nur so überlebte er die NS-Zeit." Er arbeitete bei Öl-Geiger, welcher ihn als Schlüsselkraft als nicht ersetzbar meldete.

In der Nacht der Zerstörung von Heilbronn am 4. Dezember 1944 fiel auch die Hammer-Brennerei den Bomben und dem Feuer zum Opfer. Fabrik und Vorräte wurden zu über 95 Prozent zerstört. Nach dem Krieg kam die Firma wieder in den Besitz der Familie Landauer. Ein völlig neuer Betrieb, nach modernen Gesichtspunkten, wurde am alten Platz erstellt, der 1960 noch einmal erheblich erweitert wurde. Die Leistungsfähigkeit des Unternehmens war enorm: In den 1960er-Jahren wurden an einem Tag bis zu fünf Eisenbahnwaggons an Maische zu Alkohol gebrannt. Mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigte die Firma, davon rund 160 Vertreter.

1981 stellte die Firma die Produktion ein und wurde aufgelöst. Die Brennerei wurde vom Spirituosen-Hersteller Mampe übernommen.

Bönnigheim brennt
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