Schlafen und Träumen Rückzug in die Höhle beginnt bald

Die Braunbären in Tripsdrill bereiten sich auf ihre Winterruhe vor. Davor müssen sie mit viel proteinreicher Nahrung die Fetterserven aufbauen. Teilweise bleiben sie dann bis zu einer Woche in ihrer Höhle versteckt.
Die Braunbären in Tripsdrill bereiten sich auf ihre Winterruhe vor. Davor müssen sie mit viel proteinreicher Nahrung die Fetterserven aufbauen. Teilweise bleiben sie dann bis zu einer Woche in ihrer Höhle versteckt. © Foto: Tripsdrill
Cleebronn / Von Carolin Domke 08.10.2018

Das haut selbst den stärksten Bären um, wenn die Temperaturen sinken, die Tage kürzer werden und die Nahrung allmählich rar wird. Da geht es den Braunbären in der freien Natur nicht anders als den drei Tieren im Wildpark in Tripsdrill. Seit August heißt es für sie: Vorbereitung für die Winterruhe.

Grund für die Ruhephase ist die Nahrungsknappheit während der Wintermonate. Denn bei den sonst eher dämmerungs- und nachtaktiven Bären verlangsamt sich zu dieser Zeit der Stoffwechsel, erklärt Birger Meierjohann, Pressesprecher in Tripsdrill. Obwohl sie im Park eigentlich genug zu fressen bekommen könnten, um das ganze Jahr über aktiv zu sein – das natürliche Verhalten der Tiere wird auch im Wildpark berücksichtigt. Es komme vor, dass die Pfleger auch Futter bereitstellen. Sobald sie aber merken, dass sich die Bären in ihre Höhle zurückziehen, wird die Fütterung eingeschränkt. Dann kann es durchaus vorkommen, dass man die bis zu 600 Kilo schweren Tiere bis zu einer Woche nicht zu Gesicht bekommt.

Fettreserven aufbauen

Um die Winterphase zwischen November bis zum Frühjahr zu überbrücken, müssen die Pelzträger sich ordentliche viel Winterspeck anfressen. „Von August bis November wird viel proteinreiche Nahrung gefüttert“, erklärt Meierjohann. Dazu zählen vor allem Fisch und viele Nüsse. Gelegentlich wird auch Fleisch verfüttert. Gerade das Protein sorgt dafür, dass die Bären genügend Fettreserven aufbauen. Und das ist zu dieser Jahreszeit wichtig, denn über die Winterruhe verlieren die Säugetiere an Gewicht. Scheinbar nicht wenig, denn wie der Pressesprecher erzählt, „sieht man es den Tieren auch an.“ Wie viel Gewicht sie verlieren, kann nicht genau gesagt werden, denn eine Waage stehe im Gehege nicht bereit. Den Aufwand die Tiere zu sedieren ohne, dass es notwendig ist, würde nur zu viel Stress für sie bedeuten. „Eine Waage wäre zwar technisch möglich, aber ist nicht notwendig.“ Ab dem Frühjahr steht dann zusätzlich vitaminreiche Nahrung wie Obst und Gemüse auf dem Speiseplan, damit die fehlenden Pfunde schnell wieder aufgebaut werden. „Der Bär ist ein Allesfresser“, erläutert Meierjohann die Fütterung.

Tiere sind unterschiedlich

Damit sich die Bären richtig wohlfühlen, stellen die Pfleger auch genügend Stroh bereit, welches die Bären zu ihrer Zufriedenheit in ihrer Höhle herumschieben – erst dann wird reingekuschelt. Ob ein Bär besonders viel schläft oder früher wach wird? „Die Tiere sind zwar unterschiedlich in ihrem Verhalten. Sie zeigen aber kein bestimmtes Muster, dass einer mehr schläft als der andere“, verrät er. Das Verhalten in Bezug auf die Winterruhe von den drei elfjährigen Bären könne jedoch von Jahr zu Jahr variieren.

Für Besucher ist der Wildpark in Tripsdrill das ganze Jahr geöffnet. Selbst im Winter stehen die Fütterung von Wolf, Luchs, Bär und Co. auf dem Programm. Merken die Pfleger jedoch, dass sich die Bären nicht blicken lassen, fällt auch diese Aktion beim Gehege aus. Selbst lautes Jubeln und Kreischen können die schlafenden Tiere nicht wecken. „Die Höhle ist massiv gebaut unter der Erde. Für ein Tier in der Natur wäre es fatal, wenn es geweckt werden würde.“

Neben dem Braunbär halten nur noch die Schildkröten Winterschlaf. „Sie graben sich ein“, aber das sei etwas, so Meierjohann, was die Besucher nicht besonders wahrnehmen oder wonach explizit gefragt werde. Noch ein weiteres Tier im Wildpark hält in einigen Regionen, vor allem in den nördlichen, Winterruhe: der Waschbär. Doch bei den Parkbewohnern sei das Verhalten nicht ausgeprägt und so dreht der neugierige Waschbär auch im Winter seine Runden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel