Brackenheim Rotweine sind die Gewinner

Karlheinz Häberle, Nebenerwerbswengerter aus Erligheim bei der Lese von Lemberger-Trauben. Sie geraten in diesem Jahr besonders gut.
Karlheinz Häberle, Nebenerwerbswengerter aus Erligheim bei der Lese von Lemberger-Trauben. Sie geraten in diesem Jahr besonders gut. © Foto: Helmut Pangerl
bz 02.10.2018

Noch sind nicht alle Trauben gelesen. Doch schon jetzt steht fest: Der 2018er ist ein Jahrgang, der die gesamte Weinbranche in Württemberg strahlen lässt. Trotz der extremen Trockenheit in diesem langen Sommer sind die Qualitäten und  die Mengen „außerordentlich gut“, sagte Dr. Roman Glaser, der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes am Montag in Brackenheim.

 Die 41 Winzergenossenschaften aus Württemberg, die dem Verband angehören, bearbeiten etwa 70 Prozent der Rebfläche in Württemberg. Sie rechnen in diesem Jahr mit einer Erntemenge von 86 Millionen Liter. Im schwachen Vorjahr hatten sie nur 59,6 Millionen Liter in die Keller gebracht.

In das Loblied auf den aktuellen Jahrgang stimmte auch Rainer Lang ein, der Vorstandsvorsitzende der Weingärtner Stromberg-Zabergäu, in deren Räumen der Genossenschaftsverband seine Zahlen bekannt gab. Vor allem die Rotweine werden von dem anhaltend sonnigen Wetter profitieren. Das sind gute Nachrichten für eine Genossenschaft, deren Rotweinanteil immerhin bei 75 Prozent liegt, mit einem Schwerpunkt auf dem Lemberger (26,7 Prozent) und einem zweiten auf dem Trollinger (18,3 Prozent), wie Lang deutlich machte.

Das Lesegut, dass die 1070 Mitglieder aus der Region zwischen Brackenheim, Bönnigheim und Sachsenheim in den vergangenen drei Wochen abgeliefert haben, sei absolut gesund gewesen, so Lang. Der Beginn der Lese am 6. September war aus seiner Sicht früh, aber nicht extrem früh. Die Öchsle-Werte seien gegen Ende des Sommers sehr früh hoch gegangen, aber die Genossenschaft habe mit der Lese abgewartet, bis die physiologische Reife sich in den Trauben gut entwickelt habe, die Trauben also mürbe und vollreif wurden, sodass sich beim Essen die Kerne leicht vom Beerenfleisch lösen.

Etwa bis Ende dieser Woche soll die Lese in ganz Württemberg abgeschlossen sein, sagte Verbandschef Glaser. In Brackenheim geht man davon aus, dass am Schluss etwa 9,2 Millionen Kilo Trauben im Keller der Genossenschaft landen. Lang rechnet damit, dass  im Schnitt 132 bis 135 Kilo Trauben pro ar geerntet werden. Das sei etwas mehr als im vergangenen Jahr.

Die ganze Lese, die auf lediglich vier Wochen Dauer angesetzt ist, verlief entspannt, ergänzte Albrecht Hauber, der önologische Vorstand der Weingärtner Stromberg-Zabergäu. Im Weinberg war keinerlei Fäulnis zu finden, die kühlen Nächte gegen Ende September haben die Aromenbildung in den Trauben noch einmal deutlich gefördert. Über alle Rebsorten hinweg werden 88 bis 89 Grad Öchsle Zuckergehalt gemessen, so Lang, im vergangenen Jahr waren es lediglich 80 Grad. Eines ist für Hauber jetzt schon klar: „Der Lemberger wird der Sieger dieses Jahrgangs“.

Die Genossenschaft hätte sogar noch höhere Mengen ernten können, hätte der Hagel am 4. und 15. Juli nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dort, wo der Hagel am Heuchelberg und am Stromberg niederging, seien 20 bis 30 Prozent der Rebflächen geschädigt worden. Die Natur habe diese Schäden allerdings noch in gewissem Umfang regulieren können. Der neue Jahrgang sei deshalb „voll passend“ für die Genossenschaft, so Vorstandsvorsitzender Lang.

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