Erligheim / SUSANNE YVETTE WALTER Der Zauber der Manege muss warten und kommt erst später wieder: Im Moment renoviert Zirkus Belissimo, ein kleines Familienunternehmen sein Equipement.

Voraussichtlich bis Ende August will der kleine Zirkus Belissimo im Erligheimer Industriegebiet bleiben. Dort hat er buchstäblich seine Zelte aufgeschlagen, um alles gründlich zu renovieren. Der Famileinzirkus hat vor kurzem in Erligheim gastiert. Betrieben wird er von zwei Brüdern, die aus einer Zirkusfamilie stammen,  und deren Frauen.

„Die Stangen müssen neu gestrichen werden und auch sonst ist vieles in die Jahre gekommen, deshalb haben wir uns jetzt eine Auszeit genommen und renovieren unsere Wägen und Zelte hier in Erligheim auf der grünen Wiese“, berichtet Walter Frank, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Jessica, seinem Bruder Giuliano Frank und dessen Ehefrau Sabrina mit dem Zirkusunternehmen eine Familientradition fortführt.

„In der achten Generation betreibt meine Familie einen Zirkus“, erklärt Walter Frank, und Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Das ist auch der Grund, warum er daran festhält, auch wenn die Zeiten für kleine Wanderzirkus-Manegen sehr schwer geworden ist. „Im Moment haben wir keine Chance. Die Leute kommen zurzeit nicht so. Wir glauben aber, dass sich  im August oder September, wenn die größte Hitze vorbei ist, und König Fußball nicht mehr regiert, wieder mehr Leute für den Zirkus interessieren werden“, ist Walter Frank zuversichtlich.

Solange wollen er und seine Familie sowie eine große Schar von Haustieren in Erligheim bleiben. Zwei Kinder haben Walter und Jessica Frank. „Die wachsen so auf wie mein Bruder und ich früher“, beschreibt Frank das Leben seiner Familie. In ganz Deutschland sei der Zirkus Belissimo unterwegs, vorzugsweise aber in Baden Württemberg. Die Familie lebt im Winter in Leinfelden-Echterdingen.

Das Geld ist knapp, wie bei den meisten kleinen Wanderzirkus-Truppen heute. „Wir freuen uns über Spenden oder auch über Heu, wenn jemand seine Wiese gemäht hat und uns das zur Verfügung stellt. Damit ist uns schon sehr geholfen. Im Moment fällt die Show aus, die Tiere fressen aber trotzdem“, macht Walter Frank deutlich. Auch Landwirte, die Heu verkaufen, sind für die Familie willkommene Helfer, ansonsten bleibt ihnen nur, wie jedem anderen Hausbesitzer auch, der Weg in die Tierhandlung, um die vielen Mäuler zu stopfen.

Während der Show verdienen sich die rund 50 Haustiere ihr Futter selbst. Besonders stolz sind Walter und Jessica Frank auf die Haustier-Nummern in ihrem Programm. Ponys, Esel, Ziegen, Hunde, sogar Kühe, Laufenten und Schafe gehören zum Zirkus Belissimo. „Die Ziegen klettern – auch über ein Brett, das man über den Rücken zweier Kühe legt“, verrät Walter Frank ein Detail aus der Show. Dazu kommen wenige,  dafür aber wohl sehr gute Akrobatik-Nummern. „Wir machen Seilakrobatik und das auch sehr gut, eine Nummer mit Hullahup-Reifen und Tellerakrobatik“, macht Walter Frank neugierig. Wohin die Familie weiterziehen will, wenn sie im August ihre frisch gerichteten Zelte in Erligheim abbricht, weiß sie noch nicht. Im Moment gibt es noch kein Engagement. Doch Walter Frank ist zuversichtlich. „Uns buchen auch andere Zirkusse mit einzelnen Showeinlagen. Wir geben im Seniorenheim genauso eine Vorstellung wie im Kindergarten“, beschreibt er seinen Akionsrahmen.

Den Platz in Erligheim haben die Franks gepachtet. Strom und Wasser bekommen sie von den Firmen in ihrer Umgebung und bezahlen dafür. Hier endlich sollen die Wägen auch mit dem Schriftzug des Zirkus Bellissimo versehen werden. Im Moment steht irreführend Zirkus Frankoni auf dem größten Wagen, der einem anderen Zirkusunternehmen abgekauft worden war.