Bönnigheim Qualität entsteht im Weinberg

Bönnigheim / Uwe Deecke 13.08.2018

Eigentlich habe man die Regel, dass keine Bönnigheimer Bürger in der Reihe „Kulturköpfe“ auftreten, sagte Kurt Sartorius, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft, zu Beginn. Und auch wenn Sebastian Häußer ein echter Bönnigheimer ist, er arbeite nun mal in der Felsengartenkellerei in Besigheim. So durfte der Mann reden, der nach Sartorius‘ Worten „Lemberger im Blut“ hat und für einen restlos besetzten Gewölbekeller sorgte.

Sebastian Häußer hat viele Erfahrungen gesammelt seit seiner Ausbildung zum Winzer beim Graf Neipperg, auch in dessen Weinberge bei Bordeaux. Als Vorsitzender des Württembergischen „Weinbergwerks“ bringt er alle drei Jahre besondere Weine heraus, das „Meisterwerk“ aus Cabernet Cubin, Cabernet Sauvignon, Syrah und Lemberger durfte an diesem Abend jeder kosten.

Neue Sorten auf dem Muschelkalk der hiesigen Steillagen anzubauen und erfolgreich zu vermarkten, ist ein Ziel der Kellerei. Dass man die Kulturlandschaft langfristig so erhalten kann, dazu hat auch der Praktiker Häußer so seine Zweifel. Dass man sie als Ausgleichsflächen deklarieren und so retten könnte, das könne funktionieren, sagte der Kellermeister.

Imposant sind die Zahlen: Deutschland rangiert in der Weinproduktion weit hinter Spanien, das zehn Mal so viel produziert. Getrunken wird hier zu Lande aber mehr Wein als in Spanien, und es sind 45 Prozent deutsche Weine, die auf den Tisch kommen. Auf Spanien folgen als größte Produzenten China, Frankreich, Italien, Türkei, USA, Argentinien, Iran, Chile, Portugal, Rumänien und Australien, deren Weine sich hervorragend verkaufen.

Damit das so bleibt, hätten französische Erzeuger schon Flächen in Großbritannien erworben, um für den Klimawandel gerüstet zu sein. Und der Klimawandel sei es auch, der die Ernte früher beginnen lässt. Er teste derzeit die Sorten auf ihren besten Erntezeitpunkt, erklärte Häußer. In zwei Wochen schon werde man mit dem Federweißen in Hessigheim beginnen.

Was sich in den Trauben abspielt, wenn sie reifen, wurde in einem Exkurs zu Tanninen, Zucker, Alkohol und Aromastoffen deutlich. Hier den besten Erntezeitpunkt zu treffen, ist entscheidend. „Die Qualität entsteht im Weinberg“, ist Häußer überzeugt.

Die Historie des Weines kam vor der Historischen Gesellschaft aus Bönnigheim nicht zu kurz, die ab September die Reihe „Kulturköpfe“ in Eigenregie veranstalten wird. Mönche, die Pionierarbeit in Oenologie leisteten, Weinernte im  Mittelalter und Bönnigheimer Keltern kamen ebenso zur Sprache.

Dass im Mittelalter die Anbaufläche vier mal so groß war wie heute, sagt indes wenig zur Qualität. Sie war ziemlich miserabel, zumindest aus Sicht eines heutigen Kellermeisters.

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