Bönnigheim Polizeiposten wird aufgelöst

Der Polizeiposten in Bönnigheim gehört bald der Vergangenheit an. Ab Herbst werden die administrativen Aufgaben mit Kirchheim zusammengelegt. Im Jahr 2020 soll dann der neue Posten in Kirchheim stehen.
Der Polizeiposten in Bönnigheim gehört bald der Vergangenheit an. Ab Herbst werden die administrativen Aufgaben mit Kirchheim zusammengelegt. Im Jahr 2020 soll dann der neue Posten in Kirchheim stehen. © Foto: Helmut Pangerl
Von Uwe Deecke 26.07.2018

Jetzt ist es amtlich: Der Polizeiposten in Bönnigheim wird aufgelöst und mit dem neuen Posten in Kirchheim zusammen gelegt. Die Pläne, von der die Stadtverwaltung schon im April unterrichtet worden war, sollen bereits zum 1. September greifen, wie der stellvertretende Polizeipräsident Burkhard Metzger am Dienstag im Gemeinderat sagte. Der Ludwigsburger machte deutlich, welche Vorteile die Zusammenlegung für die Polizei hat. Man wolle die operative Arbeit optimieren und den administrativen Aufwand verkleinern, indem mehr Beamte in einer Einheit arbeiten. Die Bewirtschaftung von Gebäuden reduziere sich ebenfalls, wenn nur ein Posten unterhalten werde müsse. Wenn ein Posten manchmal nur mit einem Beamten besetzt sei, seien Einsatz- und Präsenzzeiten eingeschränkt und auch die Eigensicherung der Beamten durch einen Kollegen könne nicht statt finden. „Unter Eigensicherungsgesichtspunkten ist das ein Unding“, erklärte Metzger vor dem Gremium.

Im Zuge der Polizeistrukturreform werden seit 2014 kleine Polizeiposten zusammen gelegt, um leistungsstärkere Einheiten zu schaffen. Seitdem gibt es 10 Polizeireviere mit insgesamt 30 Polizeiposten in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen. Nur vier davon haben weniger als vier Stellen, darunter Bönnigheim und Kirchheim. Zwar habe Kirchheim weniger Einwohner, so Metzger, aber aufgrund des Bahnhofs, des Kernkraftwerks und großer Einkaufszentren mehr Straftaten. Im Jahr 2017 entfielen auf Bönnigheim 246 und auf Kirchheim 326 Straftaten, was die Pro-Kopf-Belastung je Haushaltsstelle in Kirchheim deutlich über den Durchschnitt treibt.

Die Umsetzung soll so erfolgen, dass in Kirchheim sechs Beamte mit zwei Einsatzwagen arbeiten und erweiterte Präsenzzeiten möglich werden. Die Reduzierung des administrativen Aufwands betrage damit 50 Prozent. „Jeder Arbeitgeber würde so handeln“, so Metzger.

Kritik und Unverständnis

Im Gemeinderat stießen die Pläne auf Unverständnis und Kritik. „Das ist für uns natürlich schlimm“, so Hans Martin Jäger von der UWG, zumal es gerade Beschwerden wegen des neuen Spielplatzes gebe. Unverständlich sei, dass man plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt werde. Man habe früher in den Gemeinderat gewollt, doch es sei immer wieder wieder verschoben worden, machte der stellvertretende Polizeipräsident deutlich. „Das machen wir eine Zeit lang mit, aber nicht immer“, so Metzger. Nun sei nichts mehr zu machen und die Zusammenlegung beschlossene Sache. „Da ist irgendwas schief gelaufen“, sagte Jäger, gerne wäre man im Gemeinderat bereit gewesen, sich an Kosten und einem Gebäude zu beteiligen.

Dass es der Polizei seit April trotz zahlreicher Angebote nicht möglich war, mit dem wichtigen Thema öffentlich in den Gemeinderat zu kommen, lässt ahnen, dass es an der Kommunikation der Stadtverwaltung erheblich haperte. Michael Gerdes von der UWG machte seinen Unmut an den Plänen an der Reform fest. „Die Zusammenlegung ist ein Zeichen, dass wir den Notstand verwalten“, kritisierte er.  Wie man die Präsenz in der Fläche ausbauen wolle, wenn solche Zusammenlegungen erfolgen, sei ihm ein Rätsel. Jährlich würden 1800 Bewerber eingestellt, so Metzger, es gingen aber mehr in Rente und erst ab 2022 sei mit einer Zunahme an Beamten zu rechnen.

Zwar soll die Zusammenlegung am 1. September starten, doch aufgrund von Gesprächen zwischen Stadtverwaltung und der Ludwigsburger Behörde konnte Neubürgermeister Albrecht Dautel noch eine Schonfrist aushandeln. Bis der neue Polizeiposten in Kirchheim im Jahr 2020 gebaut ist, behalte man noch beide Standorte, auch wenn die administrative Arbeit im Herbst zusammengelegt werde, gestand Polizeipräsident Metzger zu.

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