Schwerpunkt Pflege Pflegekräfte zu finden ist schwer

30 Pflegekräfte kümmern sich im Freudentaler Kompentenzzentrum für Demenz um 30 Patienten.
30 Pflegekräfte kümmern sich im Freudentaler Kompentenzzentrum für Demenz um 30 Patienten. © Foto: Helmut Pangerl
Freudental / Von Uwe Deecke 10.02.2018

Im Grünen und direkt am Freudentaler Schloss ist das Kleeblatt-Pflegeheim gelegen, das hier auf zwei Etagen professionelle Hilfe bietet. Im unteren Stockwerk ist das Kompetenzzentrum angesiedelt, das sich in zwei Wohngruppen à 15 Personen um Demenzerkrankte kümmert. Im Wohnbereich können seit 2016 von 9 bis 16 Uhr zusätzlich auch fünf Tagespflegeplätze angeboten werden. Das bedeutet, die Menschen bleiben in ihrer vertrauten Umgebung und nehmen an einem oder mehreren Tagen das Angebot zur Tagespflege wahr, bekommen soziale Kontakte und Abwechslung. Sicherheit muss indes gewährleistet sein für die Wohngruppen: Es ist ein abgeschlossener Bereich, frei zugänglich ist der umzäunte Park.

Aktive Teilhabe am Geschehen

Wichtiger Teil des Konzepts ist die aktive Teilhabe am Geschehen und die selbst bestimmte Tagesgestaltung unter Anleitung des Pflegepersonals. Das bedeute in der Praxis zusammen singen, musizieren, backen oder auch die Zeitungslektüre mit anschließendem Gespräch, sagt Kleeblatt-Geschäftsführer Stefan Ebert. „Wir sind voll belegt momentan“, so der Geschäftsführer, und auch die Tagespflege werde gerne in Anspruch genommen.

Wichtig sei bei der täglichen Arbeit auch der Kontakt zu den Verwandten: Sie wissen am besten Bescheid über die Vorlieben und Gewohnheiten ihrer Angehörigen, was gerade bei Demenz eine entscheidende Rolle spiele. Oft erinnern sich Patienten noch sehr gut an alte Liedtexte aus der Jugend, aber nicht mehr daran, was am Tag zuvor war. 30 Pflegekräfte kümmern sich um die 30 Patienten, so Ebert zum Personalschlüssel, dazu kommen noch Kräfte in der Hauswirtschaft. Und der Pflegenotstand gehe inzwischen soweit, dass man bereits in China Pflegekräfte akquirieren lasse, die dann hier noch zusätzlich ausgebildet werden. „Es ist sehr schwierig gerade“, so der Geschäftsführer, der nur müde über die 8000 versprochenen Stellen im Koalitionsvertrag lächeln kann.

Schwierige Lage

„Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein, wir bräuchten 100 000“, beschreibt er die nahe Zukunft im Pflegeberuf. Wer die Stellen dann bezahlt und wer neue Häuser baut, sei offen. Letztlich müssten die Bewohner am Ende bezahlen, was momentan oft schon schwierig genug sei. Je nach Pflegegrad gibt es finanzielle Unterstützung für die Demenzerkrankten, die in Freudental in einer der beiden geschlossenen Wohngruppen leben oder zur Tagespflege kommen. Die Frage bei solchen Versprechungen sei: Wer schafft den Pflegeplatz und wer bringt das Personal? Bereits jetzt sei es schon schwer genug, Bewerber für die Stellen zu bekommen, was sich in Zukunft wohl noch verschärfen werde.

Den Pflegeberuf besser darzustellen, sei eine der zukünftigen Aufgaben. Immer noch existiere das Vorurteil, dass hier zu wenig verdient werde, doch das Gegenteil sei der Fall.

Über 1000 Euro im ersten Ausbildungsjahr und 2800 bis 2900 Euro brutto im Monat sei im Vergleich zu manch anderen Berufen ein guter Verdienst. Wichtig sei auch zu vermitteln, dass die Menschen hier gerne arbeiten und Spaß daran haben. Die Pflegeberufe haben mehr ein Imageproblem als ein reales, gleichzeitig haben sie aber immer noch zu geringen Zulauf.

„Das Wichtigste ist, dass man gerne mit Menschen arbeitet“, führt Ebert aus. Die Ausbildung sei interessant und breit gefächert. Die Azubis lernen viel über Körper, Ernährung, Psyche und auch den Umgang mit dem Tod, dem sich die Patienten stellen müssen. Medikamente zu spritzen oder Verbände zu legen sind ebenso wichtig wie eine gute Beobachtungsgabe. „Man bekommt viel zurück“, sagt der Ludwigsburger zum Alltag der Pflegekräfte. 60 Azubis hat er in den 26 Häusern des Kleeblatts in der Region, und alle konnte man anschließend halten.