Bönnigheim Pfarrer und Amtmänner waren Besitzer des „Bären“

Bönnigheim / Michael Soltys 23.08.2018

Bis in das Jahr 1577 reichen die Informationen zurück, die Stadtarchivarin Helga Engster-Möck über das Haus in der Hauptstraße 46 zusammengetragen hat. In historischer Zeit als Gasthaus „Bären“ bekannt, war es eines von sechs Gasthäusern, die es einmal in der südlichen Hauptstraße gab. Über viele Jahrzehnte war es im Besitz der Familie Beer, später der Familie Meurer, die beide in Bönnigheim eine bedeutende Rolle spielten. Im Wechsel mit der „Krone“, die dem Beschuss von Bönnigheim in den letzten Kriegstagen 1945 zum Opfer fiel, und der „Sonne“ beherbergte der „Bären“ Mitte des 19. Jahrhunderts die Poststation, wie aus Veröffentlichungen der Historischen Gesellschaft hervorgeht.

Die Familie Beer, manchmal auch Behr geschrieben, ist ab dem Jahr 1641 als Besitzer des Hauses in den Güterbüchern eingetragen. Die Familie muss aufgrund ihrer öffentlichen Tätigkeit hohes Ansehen in der Stadt genossen haben. 1646 wechselt das Haus mit Scheune, Keller und Hof in den Besitz von Hans Georg Beer. Er war der Enkel des württembergischen Hofbaumeisters Georg Beer, der um 1527 in Bönnigheim geboren wurde. Sein wichtigster Bau war das Neue Lusthaus in Stuttgart.

Hans Georg Beer selbst war Gemminger Amtmann, hat Archivarin Engster-Möck herausgefunden. Er verwaltete die Güter des Ganerben im Gemminger Viertel. Er muss wohlhabend gewesen sein, denn er besaß auch weiteren Hausbesitz im Liebensteiner Teil der Stadt.

Um 1683 gehörte das Haus Georg Reinhard Beer, dem Enkel Hans Georg Beers. Er wird 1691 im Kirchenbuch als Neippergischer Amtmann bezeichnet. Er ist somit mindestens der dritte Amtmann in der Familie Beer über drei Generationen hinweg, denn auch sein früh verstorbener Vater, Hans Thomas Beer, war Liebensteinischer Amtmann. Bruder Johann Friedrich war sogar über 40 Jahre lang Amtsbürgermeister in Bönnigheim.

1722 geht der Bären in den Besitz von Hans Michael Meurer über, dem Wirt der Krone, wie die Güterbücher ihn schon damals bezeichnen. Sein Nachkomme Johann Michael Meurer sei wahrscheinlich der wohlhabendste nichtadelige Einwohner Bönnigheims, vermutet die Stadtarchivarin. Bei seinem Tod 1749 beträgt sein Vermögen etwa 1,8 Millionen Euro nach heutiger Rechnung, er hat Grundbesitz in allen Stadtteilen. 1771 erbt der Sohn, Oberamtmann Ludwig Conrad Meurer, den Bären.

Noch bis in die Mitte des 19. Jahrhundert hinein sind die Meurers Besitzer des Bären. Zwischen 1794 und 1813 ist allerdings Stadtpfarrer Schmidlin als Besitzer in den Güterbüchern vermerkt. Er war mit einer geborenen Meurer verheiratet, die nach dem Tod des Mannes das Haus behält und es an ihren Bruder Philipp Christian Meurer vererbt, Kronenwirt und Bürgermeister.

Die Poststation war im Meurerschen Gebäude, wie das Haus noch lange genannt wurde, von 1853 bis 1858 untergebracht. Dort waltete ein Kaufmann namens Leonhardt seines Amtes, der aber seines Dienstes enthoben wurde, nachdem man ihm Veruntreuung von Staatsgeldern zur Last gelegt hat, so die Historische Gesellschaft.

Danach ging das Haus in den Besitz der Familie des Metzgermeisters Gustav Schweyher über. Eine Aufnahme aus dem Jahr 1930 zeigt den mit Schieferplatten verkleideten Bären mit der Gaststätte und der Metzgerei. Sein Auto hatte Metzgermeister Schweyher vor der Hofeinfahrt geparkt. Diese war laut Historischer Gesellschaft die letzte in Bönnigheim erhalten gebliebene fränkische Toranlage mit einem hölzernen Rundbogentor. Sie wurde später abgebaut und wird bis heute aufbewahrt, so Archivarin Engster-Möck.

Seine Tradition als Gaststätte hat das Haus bis heute bewahrt. Es beheimatet mittlerweile eine Pizzeria.

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