Zwei Jahre lang und schon unter Ex-Bürgermeisterin Monika Chef hatte das Gremium mit dem Bauträger nicht öffentlich beraten, auch was die neue Kita im Erdgeschoss des Gebäudes auf dem Gelände der Papierfabrik angeht. Die knapp 500 Neubürger mit Kindern, die das verkaufte Gebiet besiedeln, verschärfen jetzt schon die Betreuungssituation in der Kommune. Es fehlt an Betreuungsplätzen, das hat die kürzlich vorgestellte Bedarfsplanung fürs nächste Jahr ergeben (die BZ berichtete).

Mit dem Bevölkerungswachstum und der früheren Einschulung steigt die Zahl der Kinder mit Betreuungsanspruch deutlich. Ab 2021 könnte es nach der Zustimmung im Gemeinderat 70 neue Plätze am Holzplatz geben, an dem die beiden unterschiedlich hohen Gebäude gebaut werden sollen. Die beiden Wohn- und Geschäftshäuser mit Kindertagesstätte, die Klaus Echsler vom Ludwigsburger Architekturbüro vorstellte, seien ein „städtebaulicher Hochpunkt“ gegenüber des Rewe-Markts und der davor liegenden Parkplätze. Um die Sicherheit für die Kinder zu erhöhen, sei der Zugang zur Kita hinter dem Gebäude im Norden vorgesehen.

Bebauungsplanänderung

Für die vorgelegte Planung muss der Bebauungsplan geändert werden. Das ist Voraussetzung dafür, dass das Landratsamt den Abweichungen hinsichtlich der Geschosszahl zustimmen kann. Sechs Geschosse plus Dachgeschoss hat das höhere der beiden Gebäude und es wird knapp 22 Meter hoch, etwa doppelt so hoch wie die anderen Gebäude. Die Baugenehmigung könne, so die Kreisbehörde, nur erteilt werden, wenn der Gemeinderat zustimmt und der Bebauungsplan „Am Neckar II“ innerhalb von eineinhalb Jahren geändert wird.

Ob dann noch mehr hohe Gebäude kommen, ist zunächst zweifelhaft, denn es wurden inzwischen für fast alle Grundstücke Baugesuche eingereicht. Dies sei im geänderten Bebauungsplan zu regeln, machte Gemmrigheims Bürgermeister Jörg Frauhammer deutlich.

Auch aus den Reihen der Bürger gab es Widerspruch gegen die Planung. „Mich stört die Höhe“, wandte ein Anwohner ein, der hier selbst im Penthouse wohnt. „Keiner wusste, dass so etwas entsteht. Wieso muss das auf sechs Geschosse gehen?“.

„Wir haben den Bedarf“, stellte Sven Herold (CDU) fest, „und zwei Jahre daran gearbeitet“. Viel zu diskutieren gebe es in der Bausache im Grunde daher nicht mehr. Bürgermeister Frauhammer sprach auch die Reservefläche für eine Kindergartengruppe an, die es zusätzlich im ersten Stock gibt und die für Betreuung frei gehalten wird.

„Es ist ein Kompromiss, den man eingehen kann“, sagte Max Reusche (Aktives Gemmrigheim), der zunächst gegen die Planung war. Das Thema sei lange im Gemeinderat diskutiert worden, pflichtete Selina Felger (Freie Wählervereinigung) bei. „Wir brauchen Wohnraum“, sagte sie zum neuen Gebäude, das aber auch zusätzlichen Brandschutz benötige. Sie machte sich bei der Höhe Sorgen für den Ernstfall. Man müsse mit der Feuerwehr Besigheim eine Regelung treffen, damit die Drehleiter dann zur Verfügung steht.

Mehrheitliche Zustimmung

„Ein schöner architektonischer Akzent“, bewertete Manfred Faißt (SPD) die Planung am Holzplatz. Bei einer Enthaltung stimmte der Gemmrigheimer Gemeinderat dem Baugesuch für die Gebäude am Holzplatz zu und beauftrage die Verwaltung, eine entsprechende Änderung des Bebauungsplan auf den Weg zu bringen.