Kirchheim Obstbauverein will investieren

Die Obsthalle Kirchheim will für ihre Obstanlagen Neckarwasser nutzen, auch um Frostschäden zu verhindern.
Die Obsthalle Kirchheim will für ihre Obstanlagen Neckarwasser nutzen, auch um Frostschäden zu verhindern. © Foto: Martin Kalb
Kirchheim / Von Uwe Deecke 14.02.2018

Der Kirchheimer Obstbauverein will die Obsthalle vergrößern. Und, wie viele Obstbauer, müssen sie auf den Klimawandel, der warme Temperaturen mitsichbringt, reagieren.

27 Hektar Anbaufläche haben die Mitglieder der Obsthalle und die Selbstvermarkter, die über dem Neckar ihre Anbauflächen bewirtschaften. Und dort ist man klimatisch noch im Vorteil gegenüber den Obstbauern im Tal. Es wird dort nicht so schnell frostig, und die Kälte fließt ab ins Neckartal, sodass sich die Ernteeinbußen im letzten Jahr in Grenzen hielten. „Wir hatten um die 60 Prozent Einbußen“, erklärt Michael Nollenberger, einer von drei Vorständen der Obsthalle. Nichts von der Ernte wurde anschließend über den Großmarkt verkauft, um den eigenen Verkauf an der Halle sicherzustellen. Und der läuft immer besser. Die Besucherzahlen seien kontinuierlich am Steigen und die Obsthalle werde einfach zu klein, sagt Nollenberger. Oft seien so viele Leute da, dass man kaum noch richtig einkaufen und die Kunden bedienen könne. Auch jetzt im Winter sei die Nachfrage groß, denn hier gebe es noch die größte Auswahl an regionalen Produkten.

Vorententwurf genehmigt

Eine Erweiterung ist seit Längerem im Gespräch und bekam als Vorentwurf des Bebauungsplans Zuspruch im Kirchheimer Gemeinderat (die BZ berichtete). Darin ist eine Erweiterung der Verkaufsfläche auf 400 Quadratmeter vorgesehen, zudem soll auch Platz für Gastronomie mit 75 Sitzplätzen entstehen. Durch die Erweiterung solle der Obstbauverein wieder in der Lage sein, seine Produkte direkt zu vermarkten, statt andere Absatzwege zu suchen.

Nur so könne der Verein seinen Wirtschaftsbetrieb aufrechterhalten, argumentierte das Ludwigsburger Planungsbüro KMB. Die Förderung der örtlichen Landwirtschaft sei „von hohem öffentlichen Interesse und die Aufstellung eines Bebauungsplans daher ausreichend begründet“. Reagieren müsse die Obsthalle auch auf die Frostnächte im vergangenen April, so Nollerberger. „Wir haben mit die früheste Blüte, das kann von Vorteil oder von Nachteil sein“, erklärt er. Wenn alles gut läuft, sei man mit den Produkten früh am Markt, früher als die meisten anderen.

Wenn es im April Frost gibt, was auch dieses Jahr passieren kann, sterben die frühen Blüten ab, die Ernte ist gefährdet. Keine Versicherung bezahlt diesen Schaden. Und dass das Land mit Notfallhilfen wie im letzten Jahr für finanziellen Ausgleich sorgt, ist keine Selbstverständlichkeit.

Frostberegnung nötig

Was im Ausland bereits seit Jahren praktiziert wird, steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen, ist aber aus Sicht der Obstbauern reine Notwendigkeit: Die Frostberegnung mit Kreiselregnern, die bei Minusgraden anlaufen und die Blüten vereisen und sie so schützen. Um die Flächen der Obsthalle zu versorgen, ist es indes mit einem Wasserbecken nicht getan, denn dies würde nur für einen Bruchteil der Flächen reichen. Dazu kommt, dass es meist nicht bei einer Frostnacht bleibt. „Wir müssen davon ausgehen, dass es meist drei oder vier Frostnächte hintereinander sind“, führt Nollenberger aus, so ein Wasservolumen könne man nicht bereitstellen.

Viel Wasser aus dem Neckar

Die einzige Möglichkeit für die Flächen oberhalb des Neckars ist der Fluss selbst. Von dort müssten Pumpen im Notfall das Wasser für die Kreiselregner bereitstellen, die dann in den Frostnächten stundenlang laufen und die Bäume schützen. Für Nollenberger ist klar: „Wir brauchen auf jeden Fall viel Wasser“.

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