Vor kurzem gaben der Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler und die Gemeinde Neckarwestheim den langfristigen Pachtvertrag von Schloss Liebenstein bekannt, dessen Erhalt die Kommune über die Jahre viel Geld gekostet hatte. Auch das Brackenheimer Schloss wird Teil der Hotelkette werden und wird momentan umgebaut. Bereits im Sommer war der Unternehmer im Freudentaler Rathaus, um seine ersten Pläne fürs Graevenitzsche Schloss vorzustellen, das derzeit noch dem Bietigheimer Galeristen Rudolf Bayer gehört.

Sensibler Umgang

Noch wird verhandelt, doch der Landkreis habe bereits sein Entgegenkommen signalisiert, sagt Scheidtweiler auf Anfrage der BZ. Man wolle sensibel mit dem Barockschloss umgehen, das mit der Kunst und der bisherigen Arbeit des Galeristen „ein Juwel“ geworden sei. Wichtig sei ihm, dass Rudolf Bayer Mitbesitzer bleibt, macht Scheidtweiler deutlich, der mit den Schlössern eine Kette von Hotels in der Region schaffen will, die sich so besser bewirtschaften lassen. Profitdenken liege ihm dabei zunächst fern. „Ich habe noch nie etwas wegen Geld gemacht“, erklärt der Pforzheimer, für den die Idee im Vordergrund steht. Nur wenn man etwas mit Leidenschaft mache, werde es auch erfolgreich, ist Wolfgang Scheidtweiler überzeugt.

Tatsächlich soll in Freudental ein Tagungshotel entstehen mit der Möglichkeit für Veranstaltungen oder Hochzeiten. Letztere gab es dort auch in der jüngsten Vergangenheit, doch weite Teile des Schlosses blieben dabei ungenutzt. Dass sich historische Gebäude am ehesten erhalten lassen, wenn sie dauerhaft genutzt werden, ist allen Seiten klar. Bei 60 bis 70 Zimmern liege seine Vorstellung für das Graevenizsche Schloss, vier Sterne sollte das Hotel später haben, sagt Scheidtweiler auf Anfrage der BZ. Die Zimmer müssen dabei auch nicht alle im Schlossbau liegen, denn nach dem Bebauungsplan gibt es bauliche Möglichkeiten am alten Forsthaus oder an der Bietigheimer Straße, wo man mit Blick auf den Schlosspark noch erweitern kann. Wert legt der Unternehmer auch auf nachhaltige Energie, die er etwa mit Geothermie oder Solar in seinen Häusern oft verwirklicht hat. Freudental biete mit seiner Nahwärmeversorgung hier auch gute Möglichkeiten, so Scheidtweiler. Die historischen Wurzeln des Freudentaler Schlosses sind ihm auch eine Verpflichtung. „Es ist eine Herausforderung, dass man mit dem Landesdenkmalamt alles gut plant“, erklärt der Unternehmer, der im Februar letzte Details klären möchte.

„Uns liegt nur das Grobkonzept vor“, erklärt Freudentals Bürgermeister Alexander Fleig. Demnach solle nicht allein das Schloss für einen Hotelbetrieb umgerüstet werden, sondern auch ein weiteres Gebäude entstehen, das auch Räume für ein Tagungshotel bieten kann. Unangetastet soll der Schlosspark bleiben, den Fleig gerne wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sehen würde. Er hofft auch auf Synergien für die Gemeinde, die sich durch die neue Nutzung des denkmalgeschützten Gebäude ergeben können.

Der Landkreis verzichtet auf ein Rückkaufrecht und ermöglicht damit die Neunutzung des geschichtsträchtigen Gebäudes am Ende des Königsträßles. „Der Gemeinderat steht dem positiv gegenüber“, bekräftigt Fleig, dieser müsse aber dafür noch den Bebauungsplan ändern, um einen „Beherbergungsbetrieb“ möglich zu machen.

900 Mitarbeiter

Zur „Private Hotel Collection“ von Andrea und Wolfgang Scheidtweiler gehören ein Dutzend Hotel zwischen Bodensee und Heidelberg, dazu noch das Gästehaus Kloster Steinfeld in Nordrhein-Westfalen, wo der Unternehmer in der Eifel seine Ursprünge hat. Der inzwischen in Pforzheimer verwurzelte Brauereiunternehmer beschäftigt rund 900 Mitarbeiter und hat sich mit seinen Hotelplänen auch als erfolgreicher Investor historischer Gebäude hervorgetan. Der 72-jährige Unternehmer hat mehrere Brauereien, verschiedene Gastronomiebetriebe und Beteiligungen. Das alte Schloss in Baden-Baden gehört ebenso zum Besitz wie das Grand Hotel Halm in Konstanz. Zuletzt übernahm er den Betrieb der Rommelmühle in Bietigheim-Bissingen.