Stromnetz Neue Stromtrasse durch den Kreis

Kreis Ludwigsburg / Von Uwe Deecke 07.02.2019

Der Kurs der Bundesregierung in Richtung erneuerbarer Energien hat eine zusätzliche Planung nötig gemacht. Zusätzlich zu der bereits bekannten neuen Stromtrasse „Südlink“ von der Nordsee in den Kreis Heilbronn, soll ab 2030 eine weitere Trasse von Hamm durch den nördlichen Landkreis Ludwigsburg in Richtung Stuttgart führen.

Mehr erneuerbare Energie

„Wir haben nun deutlich mehr erneuerbare Energien zu integrieren“, erklärt Transnet-Sprecherin Regina König auf Anfrage der BZ. Von 50 Prozent auf 65 Prozent erneuerbarer Energie sei das Ziel angehoben worden, und man sei gehalten, so zu planen, dass diese Ziele erfüllt werden, so die Sprecherin weiter. Erreichen will Transnet BW dies mit einer fünften Stromautobahn, die von Hamm in Nordrhein-Westfalen zum EnBW-Kohlekraftwerk Altbach südlich von Stuttgart führt. Der Trassenverlauf im vorgelegten zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans betrifft dabei sowohl das Kraichgau als auch den Kreis Ludwigsburg. Über Brackenheim, Bönnigheim, Besigheim, Ingersheim bis nach Mühlhausen bei Ludwigsburg würde die Trasse „DC 23“ in gerader Linie verlaufen, um dann in den südlichen Raum Stuttgart zu führen.

Entwurf am Montag vorgestellt

Der Entwurf des Netzentwicklungsplans wurde am Montag von den vier Netzbetreibern Transnet-BW, Amprion, Tennet und 50Hertz an die Bundesnetzagentur übergeben. Berücksichtigt sind darin der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die Restlaufzeiten der konventionellen Kraftwerke, um die Stromversorgung in ganz Deutschland sicherzustellen. Darin spielt auch der Kohleausstieg eine Rolle, der für Nordrhein-Westfalen hohen Bedarf bedeutet. Vier Gigawatt Strom sollen nach NRW fließen, zwei Gigawatt davon weiter in den Süden nach Altdorf und Großgartach. Dabei verlaufen drei Stromtrassen von den Nordsee-Windparks nach Süden und  NRW. Zwei davon transportieren die zwei Gigawatt dann nach Baden-Württemberg.

Strom von Nord nach Süd

„Die Zielvorgabe des Koalitionsvertrags, den Anteil von 65 Prozent erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch bis zum Jahr 2030 zu erreichen, führt zu einer Beschleunigung der Energiewende gegenüber dem vorangegangenen Netzentwicklungsplan“, erläutert die Sprecherin. Das bedeute, dass mehr erneuerbarer Strom aus dem Norden in die Verbrauchsschwerpunkte im Süden Deutschlands übertragen werden müssten. Setzen will man dabei vor allem auf unterirdische Kabel. „Der Netzentwicklungsplan geht bei Gleichstromverbindungen – anders als bei Wechselstromverbindungen –  von einer Umsetzung als Erdkabel aus“, so König.

Im Netzentwicklungsplan gibt es noch keine konkrete Trassenplanung, die Wahl des Korridors erfolgt erst, nachdem eine Maßnahme im Bundesbedarfsplan aufgenommen ist. Dass die Strecke möglichst wirtschaftlich gebaut werden wird, liegt auf der Hand, schließt aber Umweltbelange freilich nicht aus. Kommt es zur Umsetzung der Projekte, erfolgt ein ausführliches Genehmigungsverfahren, in dem wirtschaftliche Aspekte ebenso einfließen wie Bebauung, Siedlungsflächen und anderweitige Flächennutzung sowie Umwelt- und Naturschutz.

Vier Millionen pro Kilometer

Bei vier Millionen Euro pro Kilometer Erdkabel-Neubautrasse liegt die derzeitige Kostenschätzung für Erdkabel. Insgesamt steigen die voraussichtlichen Kosten in der aktuellen Berechnung von 33 auf 52 Milliarden Euro. Zum vorliegenden ersten Entwurf können Kommunen und Interessierte in der Zeit vom 4. Februar bis zum 4. März öffentlich Stellung nehmen. Danach werden die Beiträge von den Betreibern ausgewertet und in den zweiten, überarbeiteten Entwurf eingearbeitet, der dann der Bundesnetzagentur zur Prüfung übergeben wird. Von den Plänen ist bisher allerdings wenig bei den Kommunen angekommen. Weder im Bönnigheimer, Löchgauer noch im Besigheimer Rathaus weiß man bislang von den geänderten Plänen.

www.netzentwicklungsplan.de

Hintergrund

Transnet BW wurde 1998 gegründet und ist eine 100prozentige Tochter der EnBW mit rund 600 Mitarbeitern. Etwa 80 Transformatoren verbinden das Übertragungsnetz mit den Verteilnetzen in Baden-Württemberg.

Über diese Zugänge beliefert Transnet BW Industrieunternehmen und mehr als elf Millionen Menschen im Land mit Strom. Darüber hinaus leistet das Übertragungsnetz einen wichtigen Teil des deutschen und europäischen Stromtransports. 35 Kuppelstellen integrieren das Netz der Transnet BW in das nationale und europäische Verbundnetz. dee

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